top of page
  • AutorenbildC*

Frausein in den Wechseljahren


























Das Klimakterium einer Frau - ein heißes Eisen, dieses Thema. Und erst recht, wenn Frau beschließt, darüber zu schreiben. Wieviel möchte sie preisgeben? Konkret: Was möchte ich darüber schreiben?

Die Wechseljahre waren lange Zeit auch für Frauen ein Mysterium, über welches viele Frauen - noch in der Generation meiner Mutter - erst gar nicht gesprochen haben. Frau hat sich diesen Wechseljahren meist stumm leidend und oft mit wenig Wissen darüber ergeben. Wenn Probleme auftraten (und das war häufig der Fall), schien der Weg zum (meist männlichen) Frauenarzt bereits vorgegeben. Auch waren die entsprechenden Präparate, die auf chemische Art und Weise den Hormonhaushalt steuern, rasch zur Hand. In den letzten Jahren hat sich viel getan, sanfte Medizin aus der Natur wird immer häufiger nachgefragt. Auch bewusste Ernährung, Bewegung und Psychohygiene sind wesentlich, um möglichst gut durch diese Zeit zu kommen.


Ein Frauenarzt - kann sich ein Mann überhaupt in eine Frau einfühlen - seelisch, körperlich? Würde ein Mann mit seinen "Mann-Themen" eine Männerärztin konsultieren?

Über die medizinischen Aspekte der Wechseljahre gibt es heutzutage wahrlich vieles nachzulesen. Wer sich darüber auf vielfältige Weise informieren möchte, der hat reichlich Möglichkeiten. Auch ist es heute weitaus selbstverständlicher, sich zumindest von Frau zu Frau darüber auszutauschen. Überhaupt ist Körperbewusstsein in unserer Gesellschaft im Vormarsch, auch (leider!) mit den bekannten negativen Auswirkungen, zu denen ich vor allem ein übertriebenes Körperbewusstsein zähle, das in wahrem (und oft auch ungesundem!) Selbstoptimierungswahn gipfelt: Schönheitschirurg*innen machen die Geschäfte ihres Lebens und schrecken auch vor chirurgischen Gräueltaten nicht zurück! Doch jeder extreme Pendelschlag löst irgendwann Gegenbewegungen aus - und diese kann ich auch erkennen: Noch nie war es so angesagt wie in der Gegenwart, den Friseur des Vertrauens zur Abdeckung von erstem - und noch folgendem - Silberhaar links liegen zu lassen. Hollywood macht's möglich!

Viele Männer befinden sich leider oft immer noch in praller Unwissenheit über die weiblichen Wechseljahre und ihre möglichen Begleiterscheinungen, was nicht selten auch zu partnerschaftlichen Differenzen führt. Leider dominiert in solchen Phasen häufig auch Sprachlosigkeit. Die seelischen Auswirkungen dieser "zweiten Pubertät" im Leben einer Frau können gewaltig sein.

Diesen Umbruch in mir nehme ich bereits mehrere Jahre wahr, mit unterschiedlicher Intensität und auch in aller Unregelmäßigkeit. Seit drei, vier Jahren beobachte ich an mir ein Meer an Emotionen und Gefühlen, die an manchen Tagen eine gnadenlose Berg- und Talfahrt mit mir veranstalten - und dies oft in den unpassendsten Augenblicken. Dazu gesellen sich phasenweise Kopfschmerzen und ein bemerkenswert distanziertes Verhältnis zu meinem früher tadellosen Schlafvermögen. Ich nehme durchaus ebenso wahr, dass mir meine Gelassenheit und Strukturiertheit oft ihren Dienst versagen. Dadurch fühle ich mich reizbarer und weniger geduldig. Zeigt sich parallel dazu auch noch ein sintflutartig anmutender Schweißausbruch, begleitet von hochroter Gesichtsfarbe, ist mein Unwohlsein unmittelbar Programm. Die scheinheilige Frage (einer durchaus ahnungsvollen Frau!) in genau dieser Situation - "Was hast du denn, warum bist du so rot im Gesicht?" - empfinde ich als gnadenlos. Ich würde "schwesterliches" Schweigen ganz sicher einem distanzlosen Kommentar vorziehen. Überhaupt finde ich es zunehmend attraktiver, wenn Menschen über das, was sie von sich geben, zuvor nachdenken: Auf Leute mit Sprechdurchfall reagiere ich allergisch. Wo ich auf solche Personen treffe, sondiere ich in Windeseile mögliche Fluchtwege. Sind solche nicht vorhanden, würde ich mir am liebsten eine Decke über den Kopf ziehen - oder ich gebe mich wie die "Drei Affen": nichts hören - nichts sehen - nichts sagen. Und sowieso: Abstand suchen und halten!


Über das Prinzessinnenalter bin ich schon lange hinausgewachsen, nun gilt es, Königin zu werden - und bei Notwendigkeit auch ein Schwert zu ziehen (ich meine hier natürlich nur ein rhetorisches!). Ich möchte dazu ermutigen, Grenzen aufzuzeigen. Königinnen wollen keine ungefragten Tipps - oder gar Ratschläge! Wir wünschen uns Kommunikation auf Augenhöhe und nehmen uns die Freiheit, diese nötigenfalls auch einzufordern.

Ich kann Oprah Winfrey nachvollziehen und erkenne, dass wir Frauen gerade die Wechseljahre nützen können, um ungenützte Begabungen mit kräftigem Applaus vor den Vorhang zu bitten. Diese Jahre bieten die Chance, unverschämt Entscheidungen zu treffen und auch nötige Korrekturen im Leben vorzunehmen.


Foto: C*, Albertina, Wien - April 2019; "Die Nacht der Skorpione", Xenia Hausner

Reine Spekulation meinerseits, die Damen am Bild mit einem Königinnen-Sein und den Wechseljahren in Verbindung zu bringen.

73 Ansichten0 Kommentare
Thema des Monats
Aktueller Eintrag
Archiv
bottom of page