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Von der Hoffnung auf einen friedvollen Tod



(Foto: Dirk Wouters, Pixabay.com)



Unser aller Leben - eine längst noch nicht enträtselte Reise, betrachtet man das Leben aus spiritueller Sicht.

Als biologischer Ausgangspunkt des Lebens gilt das Zusammentreffen eines männlichen Spermiums mit einer weiblichen Eizelle. Von da an gibt es viele weitere Stationen zahlreicher Wunder, bis zu dem Zeitpunkt, wo wir uns durch den Geburtskanal in diese Welt vorkämpfen, um in ihr unsere Wege zu suchen.

Und eines Tages wird dieses Leben, das als unfassbares Wunder in seinem natürlichen Kreislauf begonnen hat, auch wieder enden. Als dieses Wunder verstehe ich alles Lebendige und als dieses Wunder halte ich das Leben auch hoch!


Es ist unschwer nachzuvollziehen, dass wohl jeder Mensch auf einen friedvollen Tod hofft. Für viele beinhaltet diese Hoffnung, dass sie kein langsames und qualvolles Sterben treffen möge. Was sich viele Menschen auch wünschen, ist, dass sie sich von ihren Liebsten verabschieden können.

Ein friedvoller Loslassprozess, so heißt es immer wieder, gelingt besonders jenen Menschen gut, die auf ein erfülltes Leben zurückblicken können. Was die Stationen eines erfüllten Lebens ausmacht, wird sicherlich sehr unterschiedlich ausgelegt - dazu gibt es zutiefst persönliche und individuelle Ansichten und Zugänge.

Doch längst nicht allen Menschen ist ein Abschied von diesem Leben gegönnt, der sich so gestaltet, wie er in ihrer Hoffnung ersehnt wurde.


Da ich eingangs ein Zitat des Dalai Lama angeführt habe, möchte ich erwähnen, dass ich auch versucht habe, zu recherchieren, wie sich der Dalai Lama zum Recht auf einen selbstbestimmten Tod äußert. Dazu konnte ich Hinweise finden, dass er zum Thema des selbstbestimmten Todes eine differenzierte Haltung einnimmt: Im Zusammenhang mit Euthanasie und Sterbehilfe erklärt er unter anderem, dass es besser sei, durch das Leiden das negative Karma noch im gegenwärtigen Leben abzuarbeiten.

Der Dalai Lama, wie auch Thích Nhất Hạnh - ein bedeutender vietnamesischer Mönch - betonen allerdings die entscheidende Rolle der Geisteshaltung bei der Selbsttötung: So könne die Selbsttötung eines buddhistischen Mönches im Rahmen einer Selbstverbrennung als ein Akt des Altruismus gedeutet werden, wenn dadurch auf das Leiden eines unterdrückten Volkes hingewiesen werde.

Am Ende eines Lebens - soll es da ein Recht auf einen selbstbestimmten Tod geben?

Der österreichische Verfassungsgerichtshof ist aktuell mit den Fragen beschäftigt, ob künftig aktive Sterbehilfe und eine Assistenz beim Suizid erlaubt werden sollen. Die Zustimmung der österreichischen Bevölkerung verzeichnet steigende Werte, diese Diskussion ist längst in der Gesellschaft angelangt.

Auch in Deutschland wird gerade wieder intensiv über dieses Thema diskutiert. Dort wurde erst im Februar 2020 das Verbot der gewerbsmäßigen Suizidbeihilfe aufgehoben, wodurch die Tätigkeit von Sterbehilfevereinen nun legal ist. Diese Entscheidung beinhaltet auch ausdrücklich, dass einschränkende Kriterien wie schwere Krankheit und schweres Leid nicht gelten.


Mich beschäftigt die Frage nach einem Recht auf einen selbstbestimmten Tod - bei schwerer psychischer oder physischer Krankheit - seit vielen Jahren und ich höre auch genau hin, wie dieses Thema, das so viele große Emotionen und unterschiedliche Meinungen hervorruft, in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Was mir in diesem Zusammenhang immer wieder deutlich wird, ist, dass ideologisches Konstruieren und Denken häufig dem wahren Mitgefühl für das DU im Wege stehen.

Erst vor kurzem habe ich eine Dokumentation im Rahmen des Religionsmagazins "Kreuz und Quer" im ORF gesehen, wo verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zur Fragestellung, ob es "Ein Recht auf den Tod?" gibt, zu Wort kommen.

Es wurden Betroffene, Fachleute aus den Bereichen Medizin, Justiz, Theologie und Ethik, Befürworter und Gegner der Sterbehilfe vor die Kamera gebeten. Es zeigt sich, dass die Wege, die in diesem höchst sensiblen Thema in Europa gegangen werden, unterschiedlich sind.

Jene Sorge der GegnerInnen einer Liberalisierung der Rechtslage, dass es zu Geschäftemachereien kommen könnte, kann ich durchaus nachvollziehen.


In Österreich bleibt schwer und unheilbar erkrankten Menschen am Ende gegenwärtig nur die Hoffnung, in Palliativ- und Hospizeinrichtungen wenigstens schmerzbefreit und im besten Falle schlafend von dieser Welt zu scheiden. Allerdings kann der Zeitpunkt von diesen Menschen nicht bestimmt werden, was problematisch sein kann, wie im Beispiel der Neuropsychologin Nikola Göttling aufgezeigt wird, die ihr Lebensende aufgrund ihrer irreversiblen Erkrankung selbst bestimmen möchte. Sie argumentiert, allein die Option auf Sterbehilfe und die Hoffnung auf einen damit verbundenen schmerzlosen und sicheren Tod würde ihren Lebenswillen stärken. Diese Option würde ihr auch ein längeres Leben ermöglichen, da sie bei einer Liberalisierung des Gesetzes nicht gezwungen wäre, beizeiten ins Ausland zu reisen, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.


Wie wird mit der persönlichen Freiheit eines Menschen umgegangen?

Dazu zitiere ich Dr. Christian Fiala, geboren 1959, Mitglied des Beirates der ÖGHL - Österreichische Gesellschaft für ein humanes Lebensende -, der in der erwähnten Dokumentation ebenfalls zu Wort kommt: "Ich bin Teil des Babybooms - das war eine Generation mit sehr, sehr vielen Geburten und diese Generation ist eigentlich die erste in der Menschheitsgeschichte, die ein selbstbestimmtes Leben von Anfang an hatte. Wir konnten unseren Beruf selbst auswählen, wir konnten die Partner und Partnerinnen auswählen, wir durften uns inzwischen schon scheiden lassen, wir durften den Wohnort frei wählen, es gab offene Grenzen. Diese Generation der Babyboomer nähert sich jetzt dem Lebensende und das wird ganz vorhersehbar einen 'Culture Clash' geben mit der vorherigen Generation, die noch sozialisiert wurde unter einer Bevormundung. Die Babyboomer-Generation hat null Toleranz gegenüber Fremdbestimmung. Diese Generation wird sich selbstverständlich eine der wichtigsten und intimsten Entscheidungen, die wir als Menschen in unserem Leben treffen können, nämlich die an unserem Lebensende, nicht aus der Hand nehmen lassen."


Auch aus meiner Sicht ist es ziemlich unverständlich, dass ein Staat oder eine Religion den Menschen eine Pflicht zum Leben und Leiden vorschreiben will, wenngleich ich gerade bei diesem Thema natürlich eine große ethische Gratwanderung erkenne.

Euthanasie ist gerade in Deutschland und Österreich auch aus den bekannten historischen Gründen angefeindet, weil dieses Wort von schlimmsten Verbrechern auf frevelhafteste Art und Weise verwendet wurde. Die wenigsten kennen allerdings die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Euthanasie“: Euthanasie ist ein philosophischer Begriff und bedeutet ursprünglich „der gute Tod“.

Diejenigen, die glauben, christliche Werte aufrechtzuerhalten (die Glaubenslehren diverser christlicher Kirchen vertretend oder als individuelle Botschafter), sollten aufhören, für andere zu wissen, wie angesichts schwerer Krankheiten - bar jeglicher Lebensqualität und große Schmerzen leidend - ein würdevolles Leben oder ein Lebensende zu sein hat. Es kann äußerst gnadenlos und unbarmherzig sein, das Leben anderer von außen zu beurteilen! Ich glaube, wir brauchen dringendst einen würdevollen, achtsamen und wertschätzenden Umgang mit Menschen, die sich sehnlichst wünschen, ihr Leben verlassen zu können. In dieser Frage muss einzig der Mensch, der sein ihm unerträgliches Leiden oder Leben beenden möchte, im Mittelpunkt stehen und es muss sichergestellt sein, dass in diesen Entscheidungen kein Missbrauch eines Persönlichkeitsrechtes durch Angehörige erfolgen kann.


Der preisgekrönte Spielfilm "Das Meer in mir" zeigt auf beeindruckende Art und Weise die Geschichte des Seemannes Ramón Sampedro, der im Alter von 25 Jahren einen Badeunfall erlitt und fortan vom Hals abwärts gelähmt war. Er verbrachte 30 lange Jahre in seinem Sehnen nach Erlösung. Nach diesen qualvollen Jahrzehnten konnte Sampedro sein Leben mit Hilfe einer Freundin beenden, die ihm ein Glas mit einer Zyankali-Wasserlösung bereitstellte, die er mit einem Strohhalm aufnehmen konnte.


Seitenblicke: Dass gerade die römisch-katholische Kirche einen höchst infernalischen Zugang zum Wert des menschlichen Lebens hat, zeigt dieser Beitrag in meinem Blog geradezu entlarvend: Die Legionäre Christi

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Frauen, die von Priestern oder Bischöfen schwanger werden, ihren Kindern in den allermeisten Fällen keinen Vater nennen dürfen. Gängige Praxis ist auch, dass diese Frauen dazu gezwungen werden, ihr Kind zur Adoption freizugeben oder gar dazu, eine Abtreibung vornehmen zu lassen!

Auch, dass Gläubigen von diversen "Seelsorgern" noch immer suggeriert wird, ein Suizid verhindere die Aufnahme ins Himmelreich, macht deutlich, wie es um den Geist und die Haltung verschiedener Leute bestellt ist: Diese Praxis erinnert an besonders finstere Zeiten, als "Selbsttötungen" als Handlungen gegen Gott, Natur und Gesellschaft in vielen Teilen Europas gesellschaftlich stigmatisiert und kriminalisiert wurden. Dies hatte besonders im 17. und 18. Jahrhundert zur Folge, dass Männer und Frauen bewusst ihre eigene Hinrichtung durch schwere Verbrechen provozierten. Von ihnen wird heute als Selbstmord-MörderInnen berichtet.


Hier noch Weiterführendes und unterschiedliche Gedanken zur Würde des Menschen.

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