• Text und Fotos: C*

Verwurzelt




Ich möchte hier ein Kapitel aufschlagen, das mich Zeit meines bewussten Lebens in wahrer Nachdenklichkeit beschäftigt: Ich denke nach über die Wurzeln des Lebens - und nicht nur über meine eigenen.


Ich stelle mir den Kreislauf der Natur vor, versinnbildlicht mit den Wurzeln einer Pflanze; in meiner Lieblingsvorstellung ist es ein Baum: Wie jedes Leben ist ein Winzling dafür verantwortlich, in dieser Welt Wurzeln zu schlagen: Ein Samen


Was daraus wird, ist gerade in der Natur eine Frage des Schicksals, nämlich von Wind und Wetter, von Wasser und Sonne, von ausreichender Sauerstoffzufuhr etc. Hat der Keimling im Samen erst einmal seine Keimwurzel in die Erde entsandt, so besteht die Chance, dass aus diesem Samen einmal ein kräftiger Baum wird.

Später wird auch der Mensch, der in diesen unendlichen natürlichen Kreislauf immer wieder eingreift - nicht immer zu unser aller Wohl - zum Schicksal dieses Baumes!


Warum ist es der Baum, der mich so beschäftigt - als Sinnbild für Verwurzelung?

Weil ich an ihm Leben so intensiv wahrnehme - in seiner Ausdehnungsfähigkeit, in seiner Wandlungsfähigkeit und schöpferischen Vielfalt.


Je kräftiger seine Wurzeln sind und je tiefer sie ins Erdreich reichen, desto weniger können ihn die Stürme des Lebens umwerfen. Und doch bezieht er seine ÜberLebensfähigkeit auch daraus, dass er gerade als junges zartes Bäumchen lernt, sich wie Gras zu wiegen, wenn stürmische Gewalt an ihm rüttelt. Also mitzufließen mit den Anforderungen des Lebens ...

Standhaft kann er bleiben, wenn er verlässlich im Erdreich verankert ist ...



Da ich viel mit jungen Menschen zu tun habe und so sehr am Menschsein interessiert bin, entdecke ich mit immer größerer Überzeugung, wie essenziell es ist, die eigenen Wurzeln zu ergründen. In diesem Zusammenhang zu entdecken, was mich stark für das Leben machen kann, ist von größter Bedeutung für ein Leben in psychischer und physischer sowie geistiger Gesundheit.


Und so sind es gerade unsere Wurzeln, unsere Eltern und Großeltern, die uns an das Leben heranführen. Und daher ist es so wichtig, wie sie es tun. Wenn sie uns in unserer Kindheit und Jugend mit großer Bereitschaft und Begeisterung, Freude und liebevoller Zuwendung begleitet haben, haben wir meist eine gute Erdung erlangt. Diese Erdung ist mitunter von weitaus größerer Bedeutung als das Er_ziehen durch Erziehungsberechtigte.


Wie geht es Menschen, die nicht (mehr) nach ihren Wurzeln forschen können? Denen die Kraft dafür fehlt, manchmal auch der Mut oder auch die Möglichkeit, weil sie etwa vom Schicksal verweht wurden - vielleicht in das Heim von Adoptiveltern, die ihren Kindern erst am Totenbett erklären, dass sie andere biologische Wurzeln haben. Wie gehen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, mit ihrer Entwurzelung um? Viele können möglicherweise nie mehr in ihre Heimat zurück, um ihre Wurzeln zu ergründen. Können sie in der Ferne die Spuren ihrer Ahnen lesen?


Wie wichtig sind Deine Wurzeln für Dich?

Fühlst Du Dich trotz Deiner Wurzeln frei? Oder lebst Du lieber in enger familiärer Verbundenheit?

Entdeckst Du - so wie ich -, dass zunehmendes Alter neugieriger macht - oder das Gegenteil davon? Reist Du in Deine Vergangenheit, an Deinen Beginn?

Würdest Du gern mehr über Deine Ahnen wissen? Stellst Du Dir vor, dass selbst Deine Dir unbekannten Ahnen Einfluss auf Dein Leben haben?

Siehst Du Dir Fotos von "früher" an?

Oder lässt Du Deine Wurzeln lieber ruhen?

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