• Text und Fotos: C*

Einladung zur Langsamkeit


(Foto: ein wunderbares Platzerl, umgeben von Weingütern in der sonnigen Südsteiermark)


Das Ernten von Feldern und Bäumen, die reich an Früchten, Farben und Düften waren, ist inzwischen fast vollständig vollbracht. Zeit für Natur und Mensch, wieder zur Ruhe zu kommen.

Das Bedürfnis nach Schweigen und Langsamkeit geht in meinem Leben einher mit jenen Entwicklungen, die auch in der Natur stattfinden. Der Spätsommer hat heuer besonders lange versucht, dem Herbst seinen Einzug zu verweigern. Inzwischen wehen die bunten, saftlosen Blätter unaufhaltsam von den Bäumen, herbstliche Kleidung hat sich im Kleiderkasten nach vorne gedrängt, die Tage sind kürzer, die Uhren um eine Stunde zurückgestellt.

Es ist gut so, dass es nun vor meiner Haustüre manchmal wieder etwas stürmischer ist - mit Freude betrachte ich mein Windspiel, wie es hin- und hergeblasen wird.

Ich spüre, wie gut es mir jetzt tut, mich weniger nach draußen gedrängt zu fühlen, und ganz unspektakulär mit meinem Innersten verabredet zu sein.

Ich spüre, wie gut es mir jetzt tut, wieder mehr Aufmerksamkeit auf die Langsamkeit zu richten; meine Gedanken, die oft Geister meiner Wünsche sind, zu befrieden.

(Foto: Čajnica Čajek, Maribor, Slowenien)

Die Langsamkeit sei das Geheimnis des Glücks, das sagt Monsieur Ibrahim zu seinem jungen jüdischen Freund Momo in "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" - zweifelsohne einer meiner liebsten Filme.

Ich empfinde den großartigen Omar Sharif in diesem Film als angekommen - in der Rolle seines Lebens. So kann er glaubhaft als "der Araber" über Glück philosphieren, indem er die großen und kleinen Freuden des Lebens anspricht und dabei auch die mystische Welt des Islam betritt. In dieser Welt gibt es keine Belehrungen. Meine Einsicht ist, dass das Verständnis zwischen den Religionen auf dieser Ebene gelingen kann, da es in der Mystik keinen Raum für Konkurrenz gibt. In der Mystik findet sich auch kein Raum für Dogmen. Worte werden weise und sparsam gewählt, das Schweigen beinhaltet auch das Einssein mit der Quelle allen Seins. Es werden keine Hierarchien erschaffen, die Mystik blickt über das Ego hinaus. Wesentlich ist, dass es keine Spaltung in Gut und Böse gibt.

Nun wird meine Teetasse wieder täglich gefüllt, eine kleine Kerze bringt Licht in eine Höhle von Gedanken, die ich noch loslassen möchte. Es ist Zeit ...

102 Ansichten0 Kommentare
Empfohlene Einträge
Aktueller Eintrag
Archiv