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Kinderbetreuung

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 7. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Aug.




















Machoallüren habe ich erst vor kurzem in meinem Beitrag Macho Macho beschrieben. Hätte nicht gedacht, dass es schon wieder Anlass gibt, einen Blick in die heimische Politik zu werfen. Konkret formuliert geht es um weitere erhebliche Irrtümer hinsichtlich eines modernen Bildes der Frau - diesmal von Seiten eines Mannes, der wohl durch seine Aussagen ebenfalls der Altherrenriege in der ÖVP zugerechnet werden muss.

ÖVP-Parteiobmann und Bundeskanzler Christian Stocker tourt gerade durchs Land und stellte sich gestern in diesem Zusammenhang in Salzburg Fragen von 200 ausgewählten Bürger*innen. Man könnte als ein Mensch, der in Österreich lebt, durchaus wissen, welche Themen Wähler*innen beschäftigen: Ein Bundeskanzler sollte das jedenfalls unbedingt wissen. Auch hat der gute Mann reichlich Zeit, sich auf Fragen einzustellen. Scheinbar ahnungslos zu sein, was vor allem den Steuerzahlerinnen unter den Nägeln brennt, zeugt meiner Meinung nach zumindest von allergrößtem Ungeschick.

Zum Thema Kinderbetreuung wurde von einer Frau eine wesentliche Frage zur Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeit gestellt:

„Ist Ihnen bewusst, von welchen Zahlen wir hier sprechen?“, fragte die eingeladene Besucherin im Publikum. „Frauen leisten im Schnitt 96 Stunden pro Woche unbezahlte Kinderbetreuungsarbeit – ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub“. Immer mehr Frauen würden sich bewusst gegen Kinder entscheiden, weil sie die Doppelbelastung von Job und Kinderbetreuung nicht mehr bewältigen würden. -

Stockers Antwort: Für ihn sei die Betreuung von Kindern zu Hause keine Arbeit, entgegnete der Bundeskanzler. „Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich“, so Stocker. Aber man müsse ja nicht einer Meinung sein. „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als ‚Business Case‘ sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe“, so der Kanzler weiter.

Familie sei Verantwortung füreinander, Familie bedeute „Ja“ zueinander zu sagen, Familie bedeute für ihn, etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen, antwortete Stocker. "Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“ (Quelle 1: ORF)

Zu seiner Antwort meint er heute in einer Aussendung: "Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit. Kinderbetreuung ist Arbeit. Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges“. (Quelle 2: ORF)

Jetzt fragen sich vielleicht einige, mehrere oder sogar viele Menschen in Österreich, wo man so eine Aussage zuordnen soll: Gehören solche Gedanken einer Weltfremdheit, einer Abgehobenheit oder schlicht ganz woanders zugeordnet?

Jedenfalls ist damit wiederum Schaden entstanden, Wählerinnen vergessen solche Aussagen nicht. Die ÖVP demontiert sich - in Eintracht mit der SPÖ - in letzter Zeit selbst mit Nachdruck. Die nächsten wichtigen Wahlen finden nächstes Jahr statt, es wird wohl eine weitere Talfahrt für die einstige Großpartei. (Ganz aktuell liegt die FPÖ übrigens in Umfragen bei Wähler*innen bei 37 Prozent, die ÖVP bei 19 Prozent, an dritter Stelle die SPÖ mit 16 Prozent.)

Erfreuen kann sich an diesen Entwicklungen einzig und allein einer, nämlich ein gewisser Herbert Kickl. Er kann sich seine markigen Sprüche und menschenfeindlichen Ansagen sparen, braucht nur die Hände in den Schoß zu legen, keinen Fehler zu machen und bloß die Zeit für sich arbeiten zu lassen.

Dass Kickl die passenden Konzepte für die brennenden politischen Themen in Österreich hat, höre ich aus seinen Reden nicht heraus. Dass die FPÖ in Umfragen immer weiter zulegt, hat wohl auch mit der Politikverdrossenheit vieler Menschen zu tun.

Dass Verdrossene fanatisiert werden können, ist keine Neuigkeit, wie die Geschichte zeigt.

Dass die Geschichte auch lehrt, bezweifle ich allerdings in der Gegenwart immer häufiger.


Bin ja gespannt, ob in der ÖVP die Rufe nach Basti Fantasti wieder lauter werden. Gerüchte darüber brodeln immer wieder ... Immerhin, Kurz kann mit Kickl, Stocker ganz eindeutig nicht. Übung darin, einen amtierenden ÖVP-Parteiobmann aus dem Sessel zu werfen, hat er ja, der junge Altkanzler Kurz. Neue Flügel sind rasch gebastelt und einige seiner Prätorianer könnten vermutlich auch wieder in ihre Rüstungen steigen.

Mal sehen, was die nächsten Wochen und Monate bringen - es bleibt spannend.

 
 
 

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2 Kommentare


Annette Mertens
Annette Mertens
08. Aug.

Hallo liebe C*, was unsere Politiker:innen, ob nun versehentlich oder beabsichtigt, aktuell 'raushauen, lässt mich nur noch schaudern. Als ob sie auf einem anderen Planeten leben, anders kann ich es mir nicht mehr erklären. Herzliche Grüße, Annette

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C*
C*
08. Aug.
Antwort an

Liebe Annette,

von Stocker glaube ich, dass er einfach nur ehrlich war. Nicht so gecoacht wie vielfach junge Politiker*innen - unser junger Altkanzler Kurz ist so ein Fall. Stocker hat das ja auch gesagt, dass man unterschiedlicher Ansicht sein könne. "Eigentlich" müsste ich ihm diese private Ehrlichkeit sogar ein bisschen positiv anrechnen. Er hat sein Familienleben so erlebt, wie er es auch geschildert hat. Aber mit so einer Ansicht, wie er sie geschildert hat, ist er einfach nicht auf der Höhe der Zeit - und tut uns Frauen, die wir ohnehin noch in allem benachteiligt sind, einfach zutiefst Unrecht. Seiner Partei hat er sowieso keinen guten Dienst erwiesen. Der Trend zurück zu traditonellen Familien- und Frauenbildern ist derart im Vormarsch…

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