Macho Macho
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- vor 1 Tag
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Auf der Suche nach einem dummen Spruch über Frauen bin ich auf Mark Twain (der als Samuel Langhorne Clemens geboren wurde) gestoßen. Ob er diese Worte tatsächlich jemals von sich gegeben hat, kann ich nicht beurteilen, sie werden ihm allerdings in unterschiedlichen Medien zugeordnet. Ein bisschen überrascht mich das Zitat tatsächlich, finden sich doch in seiner Biografie auch Hinweise, dass er seine Ehefrau Olivia Landon nach einem schweren Sturz über eine lange Zeit pflegte, was ihn jedenfalls als zugewandten Lebensgefährten zeichnet.
Seit einer Woche berichten die österreichischen Medien von der Causa Ruck.
Es gibt geleakte Protokolle (die Herkunft dieser bleibt allerdings bislang unklar), die durchaus im Interesse der Öffentlichkeit sind.
Walter Ruck, der in seiner Funktion als Wiener Wirtschaftskammerpräsident ordentlich über die Stränge geschlagen haben soll - also in verbaler Hinsicht und auch seine Macht ausübend in Hinblick auf Postenschacher - versteht die Welt nicht mehr.
Da fordern Frauen und Männer links und rechts von ihm seinen Rücktritt und er weiß gar nicht, warum. Die einzigen, die noch zu ihm halten, sind ausgerechnet seine Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).
Beide, seine Fürsprecherin wie sein Fürsprecher, überraschen nicht nur mich.
Frau Kriz-Zwittkovits tat gar verständnisvoll kund, dass Männer sich untereinander gern flapsig unterhalten. Ihr Verständnis für Macho-Allüren sowie jenes so vieler anderer Frauen trägt dazu bei, dass ich Solidarität unter Frauen häufig vermisse. Wenn Frauen, die sich gegen männlichen Chauvinismus wehren, von anderen Frauen angefeindet werden, dann sehe ich eine rote Linie überschritten. So etwas macht mich definitiv wütend.
Verständlich wird des Bürgermeisters Loyalität dann etwas mehr, wenn man liest, dass die beiden eine echte Männerfreundschaft verbindet. Und gemeinsam stehen Ruck und Ludwig für die Sozialpartnerschaft in Österreich. Eine Sozialpartnerschaft, die in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Druck geraten ist: Diese zu zerschlagen, wie es Herbert Kickl (FPÖ) immer wieder vorschwebt, wäre insgesamt gesehen ein wahres Desaster. (Wenn ich dann noch lese, dass sich Herbert Kickl und "Altkanzler" Sebastian Kurz vor einigen Wochen getroffen haben ... Herr Kurz dementiert zwar immer wieder, noch einmal Lust auf einen politischen Sessel zu haben, aber wenn ihn gewisse Leute aus der ÖVP "anflehen" würden, den Abstieg der Partei in der Wähler*innengunst aufzuhalten ...: Ich wette, das wäre überzeugend genug, um erneut einen ÖVP-Obmann (nämlich diesmal Christian Stocker) zu stürzen, und dann unter einem Vizekanzler Kickl den Bundeskanzler zu machen. Vom Altkanzler also wieder zum Kanzler - für mich eine absolute Horrorvorstellung.)
Doch zurück zum Fall Walter Ruck: Zunächst noch zögernd, musste ÖVP-Parteichef Christian Stocker dann doch die Reißleine ziehen, Walter Ruck wurde vor wenigen Tagen aus der ÖVP ausgeschlossen. Wohl, um zu demonstrieren, dass die Partei männliches Machogehabe in den eigenen Reihen nicht duldet. Aber wer glaubt so etwas wirklich? Ich gehöre da jedenfalls nicht dazu - Walter Ruck hatte einfach nur Pech, dass er bei seinen frauenfeindlichen Ausritten heimlich aufgenommen wurde und gleichzeitig auch mehrfache politische Interventionen seinerseits öffentlich bekannt wurden, mit denen er - ganz Machthaber - herumgeprahlt haben soll.
Dass die ÖVP diese pikante Angelegenheit nicht klein hält, hat wohl auch damit zu tun, dass Ruck nicht gerade einen zimperlichen Umgang gegenüber mehreren Partei"freunden" gepflegt haben soll. Ein bisschen wird es wohl auch Rache sein, dass dem Herrn Ruck der Wind vor allem seitens seiner ehemaligen Parteifreund*innen teilweise ziemlich stürmisch ins Gesicht bläst.
In Österreich stehen wichtige Wahlen an, vor allem im kommenden Jahr. Da sieht es ziemlich duster aus, wenn man sich mit einem Image einer packelnden Altherrentruppe herumschlagen müsse, so meint jedenfalls Politologe Peter Filzmaier, den ich in seinen Kommentaren immer als sehr treffend empfinde. Und noch etwas meint Herr Filzmaier - und das ist auch aufschlussreich zugespitzt: Angenommen, es "würde von allen Gesprächen führender Politiker Tonbandaufnahmen und Transkripte geben". Wenn eine Partei dann "in jedem Fall falsch verstandener Männerfreundschaften und frauenfeindlicher Aussagen" die Betroffenen ausschließt, so Filzmaier, "dann würde es sehr viele freie politische Posten geben." (Quelle: Standard)
Höchst interessant finde ich ebenso, dass Peter Filzmaier das Thema Alkohol und Politiker zur Sprache bringt. Der Politikwissenschaftler wünscht sich Politiker, die nüchterne Sachentscheidungen treffen. Zitat Filzmaier: Beruflich sollten null Promille der Maßstab sein, und nichts, das in Vierterl oder Krügerl gemessen wird. Dieser Meinung schließe ich mich vollinhaltlich an.



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