• Text und Fotos: C*

Beseelte Natur



Alles, was lebt, kann fühlen und leiden.

Nur ein radikales Verständnis dieses Gedankens, der von indigenen Völkern schon immer mit aller gebotenen Achtsamkeit gelebt wurde, kann zu einem Fortbestand unseres lebendigen Planeten beitragen.

Sich als Mitglieder des heiligen Lebenskreises zu fühlen und zu erfahren, nährt alle Menschen, die eine beseelte Natur als selbstverständlich erachten und erleben. Ein tiefes Eintauchen in eine ursprüngliche Spiritualität gewährt ein unendliches Mitgefühl mit allem, was uns als Leben umgibt.


Aufenthalte in der Natur erleben in der Gegenwart eine große Renaissance. Bücher, die sich der Kommunikation von Bäumen, Pflanzen und Tieren untereinander widmen, finden begeisterte Leserschaft, im Kino folgt ein dankbares Publikum atemberaubenden Naturaufnahmen. Ein zutiefst berührender Film, in welchem mehrere Kameras - über einige Jahre - der Natur auf äußerst ästhetische und authentische Weise folgen konnten, ist mit "Wie Brüder im Wind" gelungen. In diesen majestätitschen Naturbildern der Liebe und der Zuwendung eines Buben zu einem Steinadlerjungen zu folgen, lässt mich fest daran glauben, dass wir als Erwachsene viel dazu beitragen können, um unsere Nachkommen für den Lauf der Natur zu begeistern.

In meinem Zusammensein mit Kindern ist mir sehr wichtig, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Mitgefühl für die Natur und alles, was in ihr lebt, zu wecken und zu stärken. Ich ermuntere Kinder dazu, zu lernen, wie sich die Bedürfnisse unterschiedlicher Pflanzen einschätzen lassen. Einfache Aufgaben, wie etwa die Versorgung mit Wasser der Zimmer- und Gartenpflanzen, sind gute Möglichkeiten, um Lust auf weitere Begegnungen zu wecken. Dies gilt ebenso für den Umgang mit der Tierwelt. Tieren behutsam und mit respektvoller Haltung zu begegnen, diesem gemeinsamen Erleben mit Kindern empfinde ich mich aus ganzem Herzen verbunden. Wer bereits von Kindesbeinen an lernt, das Leben in all seinen Erscheinungsformen zu achten und zu lieben, wird diesem Weg wohl auch als Erwachsener in Selbstverständlichkeit folgen können.

Wenn ein neues Bewusstsein für unsere Welt Raum nehmen soll, so müssen wir unseren Kindern großartige Vorbilder in all unserem Handeln sein! Ich höre zu allem viele Fragen - meine Antworten dazu lassen sich manchmal erst finden, wenn ich selbst meine Recherchen in Büchern oder im Internet getätigt habe. Und so manche Antworten lassen sich auch nicht finden, wenn diverse Lexika zu Hilfe gerufen werden, denn die Natur bietet auch Raum für Geheimnisse. Rätsel, die manchmal wohl auch von der Wissenschaft niemals gelöst werden können.



In ihrem Romandebüt "Der Gesang der Flusskrebse" gelingt der Zoologin und Autorin Delia Owens eine wundervolle Hommage an einen außergewöhnlichen Flecken Erde. Die Natur, in welcher die Autorin das Mädchen Kya aufwachsen lässt, wird mit mitreißender Schönheit und betörender Sinnlichkeit gezeichnet. Im Marschland von North Carolina lebt "das Marschmädchen" auf sich allein gestellt und ist dabei nur der Natur, die sie umgibt, verbunden. Kya kennt jeden Stein und jeden Seevogel, jede Muschel und jede Pflanze. Menschen gegenüber verhält sich Kya scheu, denn sie begegnen ihr mit Vorurteilen und Verachtung.

Wer die Natur ehrt, sich am Reichtum ihres Lebens erfreut und eine starke Geschichte schätzt, wird sich vielleicht auch wünschen, dieses Buch möge niemals enden. Das Buch wurde verfilmt und wie ich vernommen habe, hielt sich die Regisseurin Olivia Newman dabei sehr eng an die Buchvorlage.

Aus dem Prolog: "Marschland ist nicht gleich Sumpf. Marschland ist ein Ort des Lichts, wo Gras in Wasser wächst und Wasser in den Himmel fließt. Träge Bäche mäandern, tragen die Sonnenkugel mit sich zum Meer, und langbeinige Vögel erheben sich mit unerwarteter Anmut - als wären sie nicht fürs Fliegen geschaffen - vor dem Getöse Tausender Schneegänse."


Angesichts all der magischen Einzigartigkeiten der Natur, angesichts all ihrer Tapferkeit, ihren Kreislauf des Lebens in jedem Moment und unausgesetzt fortzufüren, möchte ich sooft einen wahren Seelenklang von mir geben. Die Natur begreife, achte und liebe ich als einen unendlich scheinenden Raum, in dem unzählige Seelen um die Quelle des Lebens tanzen.


Es ist Zeit, zu staunen - viel zu wundern gibt es auch an dieser Stelle: "Grüne Seelen - Über die Weisheit der Natur", Thomas Lambert Schöberl.



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