• Text und Fotos: C*

Logenplätze für die Seele


(Fotos: Hoher Zaun, Rainerhorn, Großvenediger, Kleinvenediger

Almdorf Innergschlöss)

"Griaß Eich!", so begegnen uns lächelnde Menschen in einer mit herrlichster Natur gesegneten Gegend, mitten im Nationalpark Hohe Tauern. Die Begeisterung und das Staunen über so viel einzigartig Prachtvolles, das sich meinen Sinnen präsentiert, wird aus tiefstem Herzen geteilt.

Imposant erhebt sich die Venedigergruppe über dem Osttiroler Gschlösstal. Der höchste Berg dieser Gruppe ist der Großvenediger und es heißt, dass man vom Gipfel des Großvenedigers bis nach Venedig sehen kann. Eine schöne Idee, doch seinen Namen hat er sich wohl eher über die Tatsache erworben, dass er einst venezianischen Kaufleuten als Route galt.

Die höchsten Berge der Hohen Tauern sind vor Millionen Jahren durch Magmatismus entstanden. Exogene Kräfte formen bis heute die Landschaft, vor allem das Schmelzen der Gletscher und der Wasserreichtum führen zu ständigen Veränderungen. Dort, wo sich die Gletscher seit Jahrzehnten messbar zurückziehen, entsteht eine sich rasch verändernde Landschaft und auch die Pflanzenwelt verschafft sich wieder eindrucksvoll so manchen Lebensraum.

Die Täler Osttirols verwöhnen den Betrachter auch mit ihrer unnachahmlichen Vielseitigkeit - senkrechte, schroffe Felswände wechseln sich mit baumreichen sanfteren Formen ab; Bäche und Bergseen sowie berührende Naherlebnisse mit der Tierwelt lassen das Wanderherz höher schlagen.

Einst führte die Suche nach Erzen den Menschen in die Täler der Hohen Tauern. Seit etwa 5000 Jahren kultiviert Menschenhand diese einzigartige Gegend.

Mein Auge nimmt mit Begeisterung jene Gewässer, gleichsam Juwele der Natur, wahr, die sich ringsum von den oft sehr schroffen Hochgebirgslandschaften stürzen. Das Glitzern auf nackten grauen Felsen zeugt von zarten Rinnsalen, die sich ebenfalls zahlreich zeigen.

Das wasserreiche Osttirol, über große Flächen eingebettet in den Nationalpark, begeistert auch als herrlicher Lebensraum für eine Artenvielfalt an Tieren. In den Sommermonaten laden kräftig gefärbte Blüten mit ihren intensiven Duftstoffen zahlreiche Insekten zur Bestäubung ein und so verwandeln sich die Bergwiesen in bunte Blütenmeere.

Die Ursprünglichkeit der Seitentäler lädt dazu ein, bei jedem Schritt mehr und mehr in sich selbst zu gehen und die Verbundenheit mit der Natur zu spüren.

Auf meinen Wegen durch das einzigartige Gschlösstal ist das Pfeifen der Murmeltiere ein zuverlässiger Begleiter - ihr soziales, familiäres Wesen erlebe ich hautnah mit. Ein Familienfoto gelingt mir leider nicht, zu aufmerksam beobachten die Tiere ihre Umwelt und schon sind sie blitzschnell in ihrem Bau verschwunden.

Als weitaus weniger schüchtern erweist sich ein besonders hübscher Schmetterling, den ich minutenlang beobachte, wie sehr er sein Plätzchen auf einer Schafgarbe genießt.

Selbst ein Minifröschlein kreuzt meine Wege, doch es ist so gut getarnt, dass meine Kamera das Fröschlein, das sich auf einem Zickzackkurs durch das Gras davonmacht, nicht erfassen kann.

Es ist nicht Liebe auf den ersten Blick, die mich für diese prachtvolle Naturkulisse vereinnahmt. Schon vor Jahren habe ich den außergewöhnlichen Spirit dieser "Welt der 3000er" wahr genommen. Wahrlich, die Natur selbst ist kreativer als jeder Künstler.

Die Landschaft vor meinen Augen präsentiert sich als eine gelungene Symbiose aus wilder Natur und von Bauernhand gepflegter Kulturlandschaft. Gewiss ist auch hier die Zeit nicht stehengeblieben, aber die Uhren scheinen doch noch langsamer zu gehen. Orte der Stille, diese sind kostbar geworden! Ruhe, die es mir ermöglicht, mir selbst zu begegnen, das Jetztsein zu leben. Es lohnt sich, zu verweilen und in mir einen tiefen Frieden zu verspüren, der mich nicht nur in der Felsenkapelle umgibt.

Bald wird sich hier der Spätsommer verabschieden und der Herbst sein Recht einfordern. Bereits mit Oktober bereiten sich Natur und Mensch auf den nahenden Winter vor. Dann werden die urigen Hütten der beiden Almdörfer verlassen und es wird im Gschlösstal auf 1700 Höhenmetern wieder menschenleer ...

(alle Fotos: Nationalpark Hohe Tauern, Gschlösstal, Osttirol)

Geschichte der Felsenkapelle

Nationalpark Hohe Tauern

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