• Text und Foto: C*

Ich bin nicht DU ...


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Dieser Tatsache möchte ich in meinem Denken und Handeln noch mehr Raum schaffen, denn so kann es gelingen, unnötigem Ballast in zwischenmenschlichen Beziehungen erst gar keine Grundlage mehr zu geben. Ballast, der u.a. dadurch entsteht, dass ich versuche, meine Mitmenschen einzuordnen - mich ihnen also auch in Vorurteilen nähere.

Neu gestaltetes Verhalten setzt Auseinandersetzung mit eigenen Verhaltensweisen voraus, das zeigt mir mein Spiegel des Lebens.

Ein Vorteil reiferer Lebensjahre liegt darin, dass ich mich nicht ständig wiederholen muss.

Diese Beobachtung und Selbsterfahrung schenkt mir auch eine gewisse Gelassenheit!

Sicherlich ist in Beziehungen mitunter auch ein Perspektivenwechsel sehr wichtig.

Warum erfahre ich soviel Schmerz dadurch, dass mir mehr Anteilnahme am Leben eines geliebten Menschen verwehrt bleibt? Warum fühle ich mich dadurch traurig und ausgeschlossen? Woher stammen denn diese Gefühle ursprünglich?

Warum braucht mein Gegenüber diese soziale Anteilnahme an seinem Leben nicht so sehr wie ich? Was ist seine Geschichte?

Wo und wie können wir einander mehr Verständnis entgegenbringen? Vielleicht gelingt es uns dadurch, einander öfter Fragen zu stellen und weniger Antworten für den anderen zu wissen?

Bei welchen Themen schwinge ich in meinen Beziehungen mit harter Hand meine Ehrlichkeit wie eine Keule? Wo übe ich dadurch, wenn auch oft unbewusst, Druck aus?

Wie sehr will mein Verstand Recht bekommen, wenn ich versuche, mein Gegenüber einzuschätzen? Warum glaube ich überhaupt, dass ich dazu imstande bin?

Meine Fragen resultieren daraus, dass ich meine eigenen Verhaltensweisen untersuche. Ich möchte Handlungen vermeiden, wenn sie sich als Irrwege erweisen.

In der Gewissheit, dass es in einer Beziehung Vertrauen und Geborgenheit gibt, muss niemand schreien oder schweigen, Bedürfnisse können angesprochen werden. Ein ehrliches Interesse am DU befähigt dazu, das eigene Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern.

Es liegt immer weniger in meinem Interesse, mein Gegenüber von meinen persönlichen Ein- und Ansichten zu überzeugen. Dieses hartnäckige Sendungsbewusstsein meiner "Dreißigerjahre", es ist inzwischen mehrfach geprüft und aus meiner heutigen Haltung heraus in so manchem unangebracht. So gelingt mir in der Folge auch, weniger zu werten, denn auch das ist Hochmut.

Wenn ich mich von Wertungen, Vermutungen und Interpretationen frei mache, kann ich meine Lebensqualität entscheidend anheben, denn so übe ich weniger Druck auf meine menschliche Umwelt aus. Das erzeugt mehr äußeren Frieden - infolge geringeren Widerstandes gegen meine Hartnäckigkeiten. So findet auch innerer Frieden immer ausdauernder Heimat in meiner Seele.

"Ich bin nicht DU und ich weiß DICH nicht." - Ein Gedanke, den der Psychotherapeut Michael Lukas Moeller empfohlen hat.

In der Begegnung mit kleinen Kindern wird klar, dass sie sich nur dafür interessieren, wer wir sind.

In ihrer Offenheit und kindlichen Weisheit stellen sie uns Fragen. Wie kann es sein, dass wir Erwachsene diese so großartige Fähigkeit außer Acht lassen?

Ich kann nichts für andere wissen. Denn ich kenne ihre Geschichten nicht oder nur unzureichend.

Ich lehne mich inzwischen mehr und mehr zurück, ich möchte keinen ungefragten Rat mehr geben. Schon gar nicht möchte ich Ratschläge austeilen.

Wenn ich offenen Herzens in diese Gedanken hineinwachse, dann kann ich wirklich frei werden - von etwas, für etwas.

In der Stille selbst, im Hinhören auf meine eigene innere Stimme, liegen viele Antworten. In jedem Menschen, mit dem Geist des Ursprungs verbunden, ist diese Essenz beheimatet.

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