top of page

Was macht einen Mann zum Mann?

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit





















Wie sehr sich der Inhalt des Zitates als richtig erweist, konnte ich in meinen achtzehn Berufsjahren mit Kindern erleben. Kinder orientieren sich an ihren (erwachsenen) Vorbildern, sie sind exzellente Beobachter - und eben auch Nachahmer. Darum ist es so wichtig, sie auf ihrer Reise ins Leben derart zu begleiten, dass ihnen die Wahrung der Menschenwürde ein Anliegen wird und bleibt. Es ist unendlich wichtig, sie zu liebevollen Persönlichkeiten zu erziehen.

Wenn junge Menschen die Tür ins Leben aufstoßen, gleicht es oft einem äußerst verwirrenden Abenteuer, Entscheidungen zu treffen, und vor allem, sich selbst zu leben.


Das Männerbild ist bereits seit längerem im Wandel und damit gehen gewaltige Verunsicherungen einher. Während es in meiner Kindheit noch hieß, dass ein Indianer keinen Schmerz kennt, ist es heutzutage zumindest in Bildungseinrichtungen endlich gewünscht, dass Buben ganz selbstverständlich lernen, ihre Gefühle zu zeigen. Wie Eltern ticken und was sie an ihre Kinder weitergeben, das können auch Menschen, die Rat in Erziehungsfragen geben, nur wenig beeinflussen, wie ich es erlebt habe.

Wenn ich bei der Geschlechterforscherin und Soziologin Franziska Schutzbach lese, dass Männer ihre Männlichkeit (immer noch) performen, zeugt das meiner Meinung nach davon, dass Männer immer noch versuchen, alten Rollenbildern gerecht zu werden. Aus ihrem Buch Die Erschöpfung der Frauen - Wider die weibliche Verfügbarkeit entnehme ich Folgendes: Das historisch gewachsene bürgerliche Männlichkeitsideal ist definiert über eine hierarchische Abgrenzung zur Weiblichkeit und Homosexualität. Männlich ist, was nicht weiblich und nicht homosexuell ist. ... Beobachten lässt sich diese Abgrenzung heute etwa bei männlichen Kindern und Jugendlichen, bei denen Redewendungen wie "Der rennt wie ein Mädchen" negativ konnotiert sind. Sie besagen: Wer ein richtiger Junge und später Mann sein will, darf keine weiblichen Attribute haben.


Und dann doch: Männer tragen Röcke und Kleider, wie wir Frauen Hosen. In vielen Kulturen ist es Alltag, dass Männer eine Tunika tragen. Interessanterweise werden diese Kleidungsstücke gerade in solchen Kulturen getragen, wo Mädchen und Frauen traditionellerweise noch immer wenig zu sagen haben bzw. brutal niedergehalten werden. In Österreich wird einem rocktragenden Mann weiterhin auffällig hinterhergestarrt. Auch lackierte Fingernägel teilen heute nicht mehr in "männlich" und "weiblich" ein - ich habe Buben erlebt, die unbedingt lackierte Fingernägel haben wollten, und sehe immer mehr Männer, die ihre Nägel lackieren.

Nonbinär, auch so ein Reizwort für viele. Für mich gut nachvollziehbar, dass sich ein Mensch weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuteilen möchte. Erinnern wir uns doch an David Bowie, diesen so genialen und vielseitigen Menschen, der mit seinem androgynen Auftreten in den 1970er Jahren geradezu tabulos zwischen den Geschlechtern spielte - Ziggy Stardust was born.

Ein Mann kann sich kleiden, wie er möchte, er kann sich seine Nägel lackieren, wenn es ihm beliebt, kann seine gepflegten Haare lang tragen, wenn es ihm gefällt. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass mir gefällt, was ich sehe. Ich stelle allerdings jedenfalls für mich fest, dass es in meinen Augen also weniger Äußerlichkeiten sind, die einen Mann ausmachen.


Gefühlvolle Männer sind bei Frauen durchaus beliebt, dennoch soll der Mann auch kräftiger Fels in der Brandung sein. Männliche Feinsinnigkeit ist bei Geschlechtsgenossen häufig verpönt, sensible Männer werden als Frauenversteher und Weicheier verunglimpft. Wahrlich, feinsinnige Männer haben es nicht leicht in unserer Gesellschaft. Wenn ein Mann zu sehr vom typischen Geschlechterbild abweicht, bekommt er zu spüren, welche Macht Rollenbilder auch heute noch haben.

Männer suchen also weiter nach ihrem Selbstausdruck - und irren, wenn sie meinen, dass emotionale Kälte ein Ideal ist.

Der Ausdruck toxische Männlichkeit ist inzwischen weit verbreitet und beschreibt ein Mannsein, das einhergeht mit einem Dominanzstreben, in dem Unterdrückung und Gewalt legitim sind.


Da in der Achtung dieser Welt so mancher Wicht wird hochgestellt,

gilt mir nur der als rechter Mann, der ehrlich selbst sich achten kann.

(Friedrich von Bodenstedt)


Wicht ist (m)ein Ausdruck für einen Mann, der sich und sein Verhalten gegenüber Frauen oder Kindern nicht im Griff hat. Friedrich von Bodenstedts Zitat galt bereits im 19. Jahrhundert und hat auch heute noch seine Berechtigung. Dass es so viele Wichte in unserer Welt gibt, ist beschämend für uns Menschen. Sicherlich hat es auch damit zu tun, dass immer noch weggeschaut oder nicht rechtzeitig aufgezeigt wird. Zweimal bin ich in meinen jüngeren Jahren selbst so einem Wicht begegnet, beide Male in beruflichem Kontext. Alte Männer, die sich auf verabscheuungswürdige Weise an junge Frauen herangemacht haben - zumindest einer der beiden war Wiederholungstäter. In beiden Fällen habe ich umgehend klar Schiff gemacht und habe Unterstützung von den Kolleg*innen eingeholt. Damit konnte ich beide Kerle in die Schranken weisen.

Wichte haben es so an sich, dass sie sehr schwache Männer sind, ihren Geschlechtsgenossen und Frauen in vielem unterlegen. Ein Wicht ist also ein Mann, der zweifelsohne kein positives Bild über Mannsein vermitteln kann.


Was macht also nun einen Mann zum Mann?

Testosteron allein reicht nicht und zuviel davon kann zu Aggressivität führen, wie auch zu Haarausfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, usw.

Ich vermute, auf diese Frage gibt es viele Antworten und vielleicht keine allgemeingültige Antwort. Viel eher kann ich für mich klarmachen, welche Verhaltensweisen, Eigenschaften und Werte uns zu Menschen machen.

Ein Mann soll wohl zuallererst Mensch sein, darin bin ich mir ganz sicher. Ich schätze an einem Mann, wenn er authentisch, geradlinig, loyal und zuverlässig ist, wenn er Verantwortungsgefühl und Mitgefühl besitzt und seine Gefühle zeigt. Das alles schätze ich allerdings genauso an Frauen.

Männer - das starke Geschlecht? Es macht nachdenklich, dass die Suizidrate bei Männern mehr als doppelt so hoch ist wie bei Frauen.

Ist es typisch für Männer, dass sie sich eher in gefahrvolle Situationen begeben? Das scheint mir nämlich tatsächlich der Fall zu sein. Imponiergehabe?


Auffallend auch, dass politische Parteien, die rechts stehen, Mannsein mit martialischem Gedankengut und Auftreten verbinden. Männer haben hart zu sein, zu kämpfen, Krieg zu führen, Frauen und Kinder streng zu führen. Diese einfache Zuspitzung des Mannseins trifft bei verunsicherten jungen Männern auf fruchtbaren Boden. Genau diese Tatsache zeigt auch, wie gefährlich es sein kann, ein Bildungsministerium rechtsstehenden Politiker*innen zu überlassen.

Ein Männerbild, das sich an rechten Werten orientiert, erlebt seit einiger Zeit weltweit eine wahre Renaissance - unterstützt von zahlreichen Frauen, die alles verraten, wofür viele mutige Frauen gekämpft haben und noch immer kämpfen. Beschämend!


Foto: C* #Buchtipps

 
 
 

Ähnliche Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page