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Verschollen - Ein außergewöhnliches Schicksal

Autorenbild: C*
C*
vor 6 Stunden
3 Min. Lesezeit



Der großartige Dokumentarfilm Searching for Sugar Man widmet sich einem Menschen, Sänger und Songwriter mit bemerkenswertem Schicksal, nämlich Sixto Rodriguez (10. Juli 1942 - 8. August 2023, beides in Detroit). Sein Leben nahm erstaunliche Wendungen.


Nachdem Sixto Rodriguez, Sohn einer Arbeiterfamilie aus Mexiko, seine Schulbildung absolviert hatte, verdiente er zunächst sein Geld mit Auftritten in Kneipen. Dort wurde er Mitte der 1960er Jahre entdeckt und so konnte er eine erste Single aufnehmen. Nachdem sein Produzent Harry Balk zu einer anderen Plattenfirma wechselte, produzierte Sixto Rodriguez auf Empfehlung einiger seiner Kollegen mit dem Musikproduzenten Clarence Avant - auch The Godfather of Black Music genannt - 1970 sein erstes Album. Kurze Zeit später, 1971, nahm Rodriguez in London ein zweites Album unter der Leitung von Steve Rowland auf. Beide Alben kamen beim US-amerikanischen Publikum trotz guter Kritiken nicht an, was ihn dazu bewegte, sich aus der Musikwelt zurückzuziehen.

Völlig unbemerkt - auch von ihm selbst - erlangte seine Musik jedoch in den 1970er Jahren in Südafrika, Australien und Neuseeland große Bekanntheit. Dort wurde der Künstler zum Kultstar, obwohl sich die Erstauflage seines Debütalbums am internationalen Musikmarkt nur wenige hundert Mal verkauft hatte.

1981 beendete Sixto Rodriguez erfolgreich ein Philosophie-Studium. Auch politisch zeigte er sich interessiert, er trat mehrmals als Kandidat für das Bürgermeisteramt in Detroit an. Viele Jahre arbeitete er auch sehr engagiert im Baugewerbe, ohne dass seine Kollegen jemals Notiz davon nahmen, dass er im Grunde seines Herzens und aus tiefster Seele Musiker war.

In den späten 1970er Jahren wurden seine Alben in dem von der Apartheid geprägten Südafrika vor allem als Kopien erfolgreich. Dort wurden seine Texte insbesondere von den Jugendlichen als Protestlieder interpretiert. Für sie war Rodriguez ein Ersatz für Stars wie Jimi Hendrix oder Bob Dylan. Die internationale Isolation des Landes trug dazu bei, dass über den Künstler selbst fast keine Informationen bekannt waren. So entstanden unter anderem unterschiedliche Gerüchte über seinen Tod. Er soll sich etwa auf der Bühne erschossen haben oder infolge von Drogenmissbrauch oder Depressionen verstorben sein. Seine südafrikanischen Fans waren sich jedenfalls darin einig, dass Rodriguez unter nicht näher bekannten Umständen zu Tode gekommen sei. (Quelle: Wikipedia)

Sugar Man ist der Titel des bekanntesten Songs aus der Feder von Sixto Rodriguez, darin nimmt er Bezug auf einen Drogendealer, der ihn mit Sugar versorgt, um seinem grauen Alltag zu entfliehen. Auch dieser Song war in Südafrika ein großer Erfolg und wurde als Hymne gegen das Apartheid-Regime gefeiert, was natürlich die staatliche Zensur provozierte - jedoch vergeblich. Fortan wurde Sixto Rodriguez zu Sugar Man, denn sein realer Name war in jener Zeit kaum bekannt.

Zurück zum Dokumentarfilm Searching for Sugar Man.

Der Film wurde 2012 vom schwedischen Dokumentarfilmer Malik Bendjelloul nach mehreren Jahren der Recherche veröffentlicht. Malik Bendjelloul erhielt 2013 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Erzählt wird zunächst aus Sicht jener, die für Rodriguez' weltweite Wiederentdeckung verantwortlich sind. Nach jahrelanger Suche konnte der lange Zeit Totgeglaubte in Detroit gefunden werden. Eine von Rodriguez' drei Töchtern hatte das Konterfei des Vaters auf ihrem Frühstücksmilch-Tetrapack entdeckt, eine in den USA übliche Methode, nach Abgängigen zu suchen. Kontakte wurden ausgetauscht, und bald wurde Rodriguez gefragt, ob er denn wisse, dass er im Land am Kap der Guten Hoffnung größer als Elvis und die Rolling Stones sei ...

Etwa eine halbe Million Alben wurden allein in Südafrika verkauft, ohne dass Rodriguez davon wusste. Seine ihm zustehenden Tantiemen versickerten bei Clarence Avant, dem Chef des Plattenlabels Sussex.

Ausgiebig zu Wort kommen auch südafrikanische Musiker, für die Songs wie I Wonder die entscheidenden Impulse zur Revolte gegen das Apartheidregime gaben.

Viele freuten sich mit Sixto Rodriguez über seine Erfolge, die sein Leben jedoch nur zum Teil veränderten. Er trat fortan zwar weltweit auf, gab aber seine alten Jobs nicht auf. Sein bescheidener Lebensstil machte ihn nur noch sympathischer: Buchten ihm Veranstalter etwa eine Luxussuite, so schlief er stets auf dem Sofa, denn er mochte es nicht, wenn andere sein Bett machen mussten.


Abschließend möchte ich meinen Lieblingssong aus dem Album Searching for Sugar Man einbringen - Cause.

Text wie Melodie berühren mich vollends, die Melodie ist auditiver Hochgenuss für mich.

Bob Dylan gilt vielen als der wichtigste musikalische Geschichtenerzähler der Gegenwart - ich finde, Sixto Rodriguez ist ihm ebenbürtig.





Foto: Pixabay, Albrecht Fietz, Südafrika #Filmtipps

 
 
 

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