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Verdrängte Wahrheiten

Autorenbild: C*
C*
vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit



Vor wenigen Tagen waren wir im Kino, um einen Film zu sehen, der Themen zum Inhalt hat, die ganz sicher keine Besucherrekorde produzieren:

Our Girls ist ein Spielfilm, der unter die Haut dringt, weil es um äußerst schmerzhafte Entscheidungen und Verluste geht und weil der Film verdrängte Wahrheiten zum Inhalt hat.


Im Kinofilm von Regisseur Mike van Diem lernen sich zwei Ehepaare aus Holland zufällig bei ihrem Urlaub in einem Tiroler Dorf kennen. Beide Paare haben eine Tochter, die kleinen Mädchen sind etwa im gleichen Alter. Da sich alle gut verstehen, kommt es rasch zum gemeinsamen Kauf eines Hauses, das für beide Familien ein Traumhaus in Alleinlage bedeutet. Eine Woche im Jahr verbringen beide Ehepaare von nun an mit ihren Kindern gemeinsam in diesem Haus in den Bergen.

Über die Jahre geraten die Beziehungen zwischen den beiden Ehepaaren allerdings etwas unter Druck, vor allem unter den Männern herrscht keine ungetrübte Harmonie mehr. Einmal äußert Erik, als er betrunken ist, gegenüber Danny, dass ihm niemand zugetraut habe, eine stabile Ehe mit seiner hübschen Frau Gwen führen zu können. Er scheint sich sicher zu sein, dass Gwen zu ihm gehört.


Die Mädchen, Madelon und Elise, sind mittlerweile Jugendliche und verbringen ihre Tage lieber mit ihrem gleichaltrigen Freund Ralph als mit ihren Eltern. Auch zwischen den beiden Mächen steht nicht mehr alles zum Besten, beide buhlen um Ralphs Zuneigung. Eines Tages haben die drei Teenager einen schweren Unfall mit einem Quad. Während Elise mit schweren Hirnschäden im Koma liegt, ist Madelon scheinbar kaum verletzt. Madelon erleidet allerdings noch im Krankenhaus einen Herzanfall und muss wiederbelebt werden. Die Kardiologin gibt Madelons Eltern Anouk und Danny gegenüber zu, dass der Herzschaden durch den Unfall entstand und bei den ersten Untersuchungen nicht erkannt wurde. Der Schaden ist irreversibel, es ist aus medizinischer Sicht klar, dass Madelon ein geeignetes Spenderherz braucht.

Bald klärt der behandelnde Arzt, ein höchst kompetenter Neurologe, Gwen und Erik darüber auf, dass ihre Tochter Elise kaum reale Chancen habe, aus dem Koma zu erwachen, das Hirn zeige nur noch eine schwache Tätigkeit. Während Erik sich dieser entsetzlichen Diagnose nicht stellen will und weiter an seiner Hoffnung festhält, wird Gwen rascher klar, dass ihre Tochter keine Überlebenschance hat.


Madelons Mutter Anouk begreift schnell, dass Elises Herz ein Spenderherz für ihre Tochter sein könnte. Damit konfrontiert sie nicht nur ihren Mann Danny, sondern auch Elises Eltern, deren eheliche Beziehung inzwischen kaum noch einen fruchtbaren Boden findet. Anouk würde auch nicht davor zurückschrecken, eine Lüge über den Unfallhergang zu platzieren, doch Gwen kennt die Wahrheit.

Anouk fühlt sich von ihrem Mann Danny nicht unterstützt, während sie Gwen und Erik wiederholt anfleht, Madelon eine Chance zu geben. Zudem hat sie herausgefunden, dass Gwen und Danny vor einigen Jahren ein Verhältnis hatten.

Erik erkennt zu diesem Zeitpunkt, dass seine Frau Gwen ihn über all ihre gemeinsamen Jahre nur als Vater ihres Kindes respektiert hat und nie als ihren Partner.

Auch Anouk und Danny stehen am Abgrund ihrer Ehe, zu sehr schmerzen viele gegenseitige Verletzungen.

Madelon wird leben.


Dieser Spielfilm ist ein packendes Drama über Elternliebe, verdrängte Wahrheiten und die Frage, wie viel an Menschlichkeit noch übrig bleibt, wenn es plötzlich um derart drastische Entscheidungen geht.

Mir sind Fälle aus der Realität bekannt, wo Paarbeziehungen genau an so einem Punkt eines unfassbar tragischen Ereignisses gescheitert sind. Die Trauer über den Verlust oder eine schwere Erkrankung bzw. Behinderung des eigenen Kindes kann eine gewaltige Mauer zwischen zwei Menschen aufbauen. Eine Mauer, die auch deshalb nicht überwunden werden kann, weil Frauen und Männer meist unterschiedlich mit derart herausfordernden Situationen umgehen. Als markanten Beziehungskiller habe ich erlebt, dass Wünsche nach Kommunikation häufig unterschiedlich ausgeprägt sind und Männer sich seltener auf professionelle Hilfe einlassen. Hilfe zuzulassen zeigt meines Erachtens keine Schwäche, sondern Stärke.


Foto: Pixabay, Gerd Altmann #Filmtipps

 
 
 

8 Kommentare


Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
vor 9 Stunden

Mir geht es wie Traudi: Filme oder Bücher mit solch geballter Dramatik ertrage ich sehr schlecht und lasse daher lieber die Finger weg.

Aber grundsätzlich scheint der Film brisante Themen in spannender Form anzugehen - wenn auch sehr konstruiert, wie Mona Lisa auch sagt.

Dir ein Dankeschön für die schöne Zusammenfassung und lieben Sonntagsgruss, Brigitte

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C*
C*
vor 8 Stunden
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Liebe Brigitte,

es gibt auch bei mir Phasen, wo ich Filme mit solchen Inhalten bewusst meide. Bei diesem Film war jedoch bereits bei der Vorschau klar, dass ich den Film sehen möchte.

Mich erinnert gerade dieser Film auch an eine bestimmte Mutter und ihre Tochter, die ich in meiner Arbeit jahrelang begleitet habe. Da war bereits der Start ins Leben so hart, dass sich der Vater des Kindes schnell verabschiedet hat: Die Ärzte gaben dem Kind null Überlebenschance, doch die Mutter hat diese Ansage nicht akzeptiert. Was sie in Bewegung gesetzt hat, berührt mich immer noch sehr. Der Unterschied im Film ist, dass Elise keine Chance hatte, aus dem Koma zu erwachen. Wo Parallelen zu sehen sind, ist, dass sowohl…


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nandana
vor einem Tag

Sorry, jetzt habe ich "C Stein" geschrieben. Wie komme ich darauf?

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C*
C*
vor einem Tag
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Das macht doch nichts, liebe Traudi,

vielleicht weißt Du instinktiv, dass ich Steine - vor allem bemalte Steine - liebe ... 😊Und auch bemalte Schneckenhäuser, zwei davon erfreuen mich jeden Tag.

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nandana
vor einem Tag

Liebe C Stein,

die Geschichte des Films würde mich zu sehr beschäftigen und ich könnte sie schwer verarbeiten, deshalb meide ich solche Themen. Früher war das anders, aber im Alter...

Ich reagiere auch in meinem Umfeld entsprechend, vor allem was Krankheiten, nicht nur bei mir, sondern auch bei Anderen, betrifft. Das geht mir sehr nahe.


Liebe Grüße ins Wochenende

Traudi

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C*
C*
vor einem Tag
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Liebe Traudi,

ich verstehe Dich sehr, sehr gut. Ich war und bin äußerst berührbar, deshalb muss ich selbst mit der Dosis von solchen Themen haushalten. Zum Abspann des Films war ich kurz sehr emotional, weil ich dieses Abschiednehmen so eng erlebe - mit meinen Eltern.

Dennoch, der Film war für mich gut auszuhalten, weil ich ja schon wusste, was mich erwartet. Damit konnte ich umgehen - und habe mich den Themen in der Realität stellen müssen / muss es tun.

Herzliche Grüße zu Dir & hab ein gutes Wochenende ☘️

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stemmer.recklinghausen
stemmer.recklinghausen
vor einem Tag

Das hört sich für mich arg konstruiert an. Muss vielleicht so seih, um die Thematik allgemein nachvollziehbar zu machen ... Liebe Grüße

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C*
C*
vor einem Tag
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Der Film basiert auf einem Roman von Lykele Muus - wurde allerdings vom Regisseur in den Alpen angesiedelt.

Tatsächlich war der Film für uns sehr schlüssig, eine Konstruktion wie diese ist wohl nötig, so wie Du schreibst. Dennoch kommt der Film in den Kritiken sehr unterschiedlich weg. Für mich ist er einer jener Filme, die ich nicht so schnell vergesse, vor allem weil ich ja mit Themen in diese Richtung auch in der Realität beschäftigt war.

Herzliche Vormittagsgrüße

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