(K)Eine goldene Regel
- C*

- 12. März
- 2 Min. Lesezeit

Behandle ich andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte?
Ja und nein. Ja, wenn es um Handlungen geht, über die sich jeder Mensch erfreut zeigt und die einen gewissen Rahmen eines gedeihlichen Zusammenlebens begünstigen.
Ich halte Menschen die Tür auf, selbstverständlich. Ein Akt der Höflichkeit, manchmal auch der Hilfsbereitschaft.
Auch halte ich selbstverständlich einen Bus auf, wenn ich sehe, dass es noch jemand eilig hat, den Bus zu erreichen. Ich freue mich auch darüber, wenn mir jemand den Bus aufhält.
Auch Religionen legen uns nahe, andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen, diesen Gedanken hat uns Jesus hinterlassen. Dieser Grundsatz ist weit verbreitet und gilt als Goldene Regel.
Zunächst: Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse, darüber können wir uns wohl alle verständigen. In diesem Zusammenhang können wir auch so manche Eigenheiten von Menschen kennenlernen. Und an diesem Punkt beginne ich damit, in Erfahrung zu bringen, was mein DU in bestimmten Situationen von mir braucht oder sich wünscht. Es gilt eben nicht in allen Zusammenhängen, andere so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte. Diese anerzogene goldene Regel ist aus meiner Sicht zu hinterfragen.
Problematisch finde ich auch, herumzuraten, was ein anderer Mensch in einer bestimmten Situation wünscht oder nicht. Es besteht immer die Gefahr einer Fehleinschätzung, von sich auf andere zu schließen. Also lieber einfach einmal nachfragen.
Ich kenne eine Person, die ganz klar von sich sagt, dass sie (derzeit?) nicht nach ihrem Befinden gefragt werden möchte. Es ist für mich selbstverständlich, dies zu unterlassen, sie hat sich erklärt - und ich respektiere diesen Wunsch.
Ich hingegen freue mich über diese Frage, wenn sie sich ehrlich ausgesprochen anfühlt. Das war allerdings auch nicht immer der Fall. Persönliche Bedürfnisse können sich jedoch ändern und sind nicht in Stein gemeißelt.
Meine Friseurin ist ein lieber Mensch, ich kenne sie schon mein halbes Leben. Bei meinem letzten Besuch wollte sie unbedingt ein Pflegeprodukt an die Frau bringen - gratis. Eigentlich keine große Sache, die meisten Menschen würden vermutlich zugreifen. Meine Friseurin war sichtlich verblüfft, dass ich damit überhaupt nichts anfangen konnte.
Vermutlich lässt sie sich selbst gerne beschenken und fühlt sich dabei wohl - ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Sie wollte mir sicherlich etwas Gutes tun - ich fühlte mich allerdings unangenehm berührt, überrumpelt und undankbar. Als ich vor einigen Tagen einen Termin vereinbart habe, hatte sie erneut ein Geschenk parat. Ich habe wiederum abgelehnt - denn ich greife auf meine eigenen liebgewonnenen Pflegeprodukte zurück und möchte auch nichts horten. Scheint so, als müsste ich dieses Thema ansprechen.
Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu. Dieser Satz ist meine persönliche goldene Regel.
Foto: C* #DU



In meinem Leben sind mir oft Menschen begegnet, die sich, wie mir schien, Zuwendung "erkaufen" wollten. Das fand ich immer ganz schlimm, denn sie wollten mich mit Dingen beschenken, die ich sogar scheußlich fand. Ich brachte es nie übers Herz, diese Dinge abzulehnen, vermute jedoch, dass sie genau das wussten und ausnutzten. Ganz schlimm sowas. Deine Friseuse hat wohl ein paar Dinge gratis bekommen für den Verkauf und wollte sie an ihre treuesten Kunden weitergeben. Das ist zwar was anderes, dennoch hätte sie vorher fragen müssen, ob Interesse besteht. Und sie hätte es sich merken müssen, dass du keine Gaben dieser Art magst.
Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, ohne wirklich daran interessiert zu sein, ist das schlimmer…
Da sind wir wieder einer Meinung, liebe C Stern. Deine Regel ist auch meine Regel. 😃💕
Ein ehrlicher, feinfühliger Text über Empathie und Grenzen. Er erinnert daran, dass echte Rücksichtnahme nicht darin liegt, anderen die eigene Vorstellung von "Gut" aufzudrängen, sondern darin, zuzuhören und Unterschiede liebevoll zu respektieren. Herzliche Grüße, Nicole
Deine Überlegungen kann ich gut nachvollziehen.
Es sind wirklich manchmal sehr unterschiedliche Bedürfnisse, die ein Mensch hat. Wie soll man da alle über einen Kamm scheren.
Dein letzter Satz ist da hilfreicher. Das passt besser.
Lieben Heutegruss, Brigitte