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Pawlowitsch kann Tschechow

Autorenbild: C*
C*
vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit



In unserem Programmkino läuft ab kommendem Wochenende ein Spielfilm von Doris Dörrie, der auf unserer Wunschliste steht: Frau Winkler verlässt das Haus


Es wird das Jahr 2030 geschrieben.

Kühlschränke teilen mit, dass ihre Lebensmittel abgelaufen sind, im Café bedienen Roboter, auf den Straßen gehen Roboter mit Hunden Gassi.

Frau Winkler, gespielt von Angela Winkler, vermisst den viel zu früh verstorbenen Mann, der auch ihr Bühnenpartner war. Nur Tochter Emi, ebenfalls Schauspielerin, und Enkelin Billie sind ihr geblieben. Tochter Emi nimmt ein Theaterengagement an.

Da erleidet Frau Winkler, eine ehemalige Schauspielerin, einen Haushaltsunfall und wird zum Pflegefall. Was tun in der Not?

Die finanziellen Mittel für einen Platz in einem Pflegeheim oder für häusliche Pflege sind nicht ausreichend, Frau Winkler muss sich widerstrebend damit auseinandersetzen, einen Pflegeroboter an ihrer Seite zu akzeptieren. Zunächst begegnet sie Pawlowitsch, wie sie den Roboter nennt, feindselig, doch Schritt für Schritt kann sie ihn akzeptieren, vor allem, weil er hervorragend aus den Werken von Anton Pawlowitsch Tschechow rezitieren kann. Auch ein flottes Tänzchen kann Frau Winkler mit Pawlowitsch wagen, er wird immer mehr zu einem liebgewonnenen Gesellschafter.

Pawlowitsch prüft auch Frau Winklers Vitalwerte und übermittelt diese an ein auf Effizienz bedachtes Gesundheitssystem, das Menschen auch assistierten Suizid anbietet, weil das volkswirtschaftlich einfach sinnvoll sei.

Wie es für Doris Dörrie üblich ist, wird das Publikum auf ebenso komische wie intelligente Weise auf gegenwärtige wie zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen hingeführt.


Heute war ich mit meiner Mutter zur Kontrolle der Versorgung ihrer Fingerfraktur wieder im Krankenhaus. Als ich Mama ins Seniorenwohnheim zurückbrachte, traf ich auf eine Mitarbeiterin, die bereits in Pension ist und gebeten wurde, aktuell mitzuhelfen, um der prekären Pflegesituation entgegenzuwirken. Ich habe mich sehr gefreut, diese Mitarbeiterin wieder zu sehen, denn ich weiß, dass bei ihr immer die alten Menschen im Mittelpunkt standen, was in Zeiten wie diesen alles andere als selbstverständlich ist.

Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland leiden viele Pflegende unter der personellen Situation. Dass es so gekommen ist, ist keine Überraschung, denn die Entwicklungen sind von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung verschlafen worden. Was die herrschenden Bedingungen zusätzlich verschärft, ist die Tatsache, dass es häufig zu großen Disputen unter Mitarbeiter*innen kommt (auch neben Angehörigen von Bewohner*innen), weil die einen nicht mehr können oder wollen, und die anderen eben dadurch noch mehr belastet werden. Ich erfahre und erlebe schon seit längeren, wie schief der Haussegen hängt - und das passiert inzwischen nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand.

Ich kenne diese Entwicklungen auch aus dem pädagogischen Bereich und aus Schulen. Wie oft habe ich es selbst erlebt, dass ich Aufgaben (dauerhaft) übernommen habe, die überhaupt nichts mit meiner Stellenbeschreibung zu tun hatten, eine Hands-on-Mentalität war und ist in diesen Berufen sehr gefragt. Die Gefahr, auch aufgrund eines belasteten Betriebsklimas ernsthaft zu erkranken, ist allgegenwärtig.


Was die Vereinsamung von Menschen betrifft, gibt es allerdings auch Entwicklungen, die ich für richtig und wichtig halte: Inzwischen reagieren innovativ eingestellte Wohnungsbaugesellschaften darauf, dass immer mehr Menschen allein leben und sich doch nach Gesellschaft sehnen. Mehr-Generationen-Projekte werden nun öfter umgesetzt, typisch dafür ist, dass es beispielsweise Räumlichkeiten gibt, die gemeinsam von Jung und Alt genützt werden können. Ebenso soll Nachbarschaftshilfe gezielt gefördert werden. Wenigstens in diesem Bereich gibt es erste Schritte, die Anlass zu Hoffnung geben.


Bild: mit Unterstützung von KI erstellt

 
 
 

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