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Longevity

Autorenbild: C*
C*
vor 2 Stunden
2 Min. Lesezeit



Longevity - ein Begriff, der derzeit sehr trendig ist. Dabei geht es weniger um Anti-Aging, als um Healthy Longevity. Regelmäßige körperliche Aktivitäten, sinnstiftende Tätigkeiten, ein zuverlässiges soziales Umfeld sowie eine ausgewogene Ernährung und gesunder Schlaf spielen tragende Rollen, um möglichst gesund älter zu werden.


In den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert in der Welt der Werbung.

Ältere Menschen, die bereits länger im Ruhestand sind, wurden als Zielgruppe der Werbung entdeckt. Während diese Menschen früher kaum angesprochen wurden (sieht man mal von Haftcremewerbung für die Dritten ab), werden sie inzwischen wahrgenommen. Sie sind jedenfalls auch ein Garant dafür, dass Wellnesshotels in den Nebensaisonen gebucht werden. Ebenso fällt mir an vielen Frauen auf, dass sie sich in Hinblick auf Mode viel selbstbewusster zeigen als noch vor zwanzig, dreißig Jahren. Mir gefällt, wie sie sich präsentieren, nämlich stilsicher und mit flotten Frisuren, schönem Make-up und in modischer Kleidung.

Es ist einerseits erfreulich, dass Menschen dieser Altersgruppe nun gesehen werden, andererseits macht es sehr nachdenklich, wenn ich lese, höre und selbst erlebe, dass nicht jedem Menschen ein schöner Lebensabend gegönnt ist. Altwerden kann auch mit sehr anstrengenden Zeiten in Hinblick auf Fitness und Gesundheit, sowie mit Einschränkungen finanzieller Natur verbunden sein - hier besteht die Gefahr, dass Menschen vereinsamen.

Ich selbst sehe dem Altern mit Besorgnis entgegen. Nicht nur, dass der Pensionsantritt weiter nach hinten geschoben wird, auch die sehr schwierige Pflegesituation, in der wir uns befinden, sowie der Umstand, dass Gesundheitskassen immer prekärer in die roten Zahlen rutschen, dies alles erweckt Sorge in mir.

Ich gehöre zu jenen Menschen, die meinen, sie müssten nicht um jeden Preis ein biblisches Alter erreichen. Ich möchte meinen Jahren lieber Leben geben - und nicht dem Leben viele Jahre der Verlängerung, die etwa mit schwerwiegenden gesundheitlichen oder auch finanziellen Einschränkungen einhergehen. Qualität vor Quantität, das ist meine Devise.


Jeder Tag ist ein kleines Leben,

zu welchem das Erwachen die Geburt ist

und welches durch den Schlaf, als Tod, beschlossen wird.

(Arthur Schopenhauer)


Gestern war ich mit Mama wieder im Spital, nach vier Wochen des Gipstragens ist sie von diesem ihr fremdem Ungetüm nun befreit. Die Mitarbeiter*innen im Pflegeheim bedanken sich jedes Mal, wenn ich mit Mama oder Papa für mehrere Stunden ins Spital mitfahre. Heuer gab es besonders viele gemeinsame Stunden im Krankenhaus.

Vielleicht ist das Begleiten nicht für alle Angehörigen selbstverständlich? In meiner derzeitigen Situation kann ich das leisten, für mich ist so eine Begleitung allerdings in emotionaler Hinsicht sehr anstrengend. Es schmerzt mich, meine Eltern so abhängig von emotionaler Zuwendung und Pflege zu erleben.

Mein Vater hat aufgegeben, sich laut über sein Gedächtnis, das ihn im Stich lässt, zu wundern. Wie er darüber bei sich denkt, weiß ich nicht, ich vermute jedoch, dass er verzweifelt ist. Er möchte manchmal einen Gedanken teilen, hält allerdings mitten im Satz inne und weiß nicht, wie er ihn vollenden wollte. Dann zieht er sich völlig in sich zurück, in sein Schicksal ergeben. Das geht mir sehr, sehr nahe, manchmal eile ich ins Bad, damit er mich nicht weinen sieht.


Bild: mit Unterstützung von KI erstellt

 
 
 

2 Kommentare


Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
vor 2 Stunden

Das ist ein Text, der, vor allem dort, wo er dich und deine Eltern betrifft, sehr unter die Haut geht.

Es tut mir für dich und sie leid, dass dieser letzte Weg so schwierig und mühevoll für alle drei ist.

Und ich kann nichts weiter tun als dir viel Kraft und Durchhaltevermögen zu wünschen und dir sagen, dass du Wunderbares leistest an Unterstützung und Fürsorge.

Mit grossem Respekt davor grüsse ich dich herzlich.

Brigitte


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C*
C*
vor einer Stunde
Antwort an

Liebe Brigitte,

vielen Dank für Deine lieben Gedanken, darüber freue ich mich sehr.

Das Begleiten meiner Eltern ist für mich wie ein Wink des Schicksals. Mir wurde in diesen Stunden klar, dass es "Sinn machte", sie bei allen Krankenhausaufenthalten zu erleben: Mein jahrelang aufgestauter Groll über alles, was zwischen uns an Negativem passiert ist, konnte völlig aus meinem Herzen entweichen. Vor allem zwischen mir und meinem Vater gab es einen Tag, an dem mir vollends bewusst wurde, dass eine Heilung in unserer Beziehung geschehen war: Der 30. April dieses Jahres ist ein markantes Datum, der Tag, an dem mein Vater einen Oberschenkelhalsbruch erlitt. Meinen Vater so fürsorglich angesichts meiner Verzweiflung zu erleben, hat mich sprachlos gemacht, denn nie zuvor hat…


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