Großer Auftritt
- C*

- 26. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Stell Dir eine Frau vor, die sich weltzugewandt und tolerant gibt. Ein offenes Lächeln, ein entzücktes Hinhören, vernetzt mit vielen Menschen - es kann ja nicht schaden.
Großer Auftritt der Majestät - eine Chaiselongue wählend, da lässt es sich herrlich residieren. Die Hand wird zum Handkuss gereicht, der Hofstaat erstarrt in Bewunderung.
Wenig echtes Verständnis für andere Menschen, schnell beurteilend und gnadenlos verurteilend. Sich selbst gerne in den Vordergrund rudernd, in Monologen den Lauf der Welt erklärend. Was mit wenigen Sätzen erzählt sein könnte, wird ausgeschmückt und auf atemlose zehn Sätze oder mehr ausgedehnt, Empörung in Kunstsprache und übertriebenes Vergleichen inklusive. Vieles, was diese eine Sichtweise hinterfragt, widerlegt oder einfach den Lauf der Welt anders empfindend, wird mit einem Wisch vom Tisch gefegt. In einer Runde den Ton angebend, nur göttliche Mitmenschen erhalten Zuneigung. Die Göttlichen - ein kleiner Kreis, wie man sich denken kann. Und erst recht, wenn ein zur Göttlichkeit Erhobener sich menschlich und mit seinen Schwächen zeigt - vom Sockel der Heiligkeit, den man niemals erklimmen wollte, ist man schnell gestoßen. Dass dieser Aufprall auch emotional schmerzt, ist eben Pech. Ist der Sturz vom Sockel erst einmal vollzogen, wird alles, was früher gut war, ins Schlechte gekehrt. Das, was einmal geschätzt wurde, wird nun mit Verachtung und herben Worten bedacht und der Lächerlichkeit preisgegeben.
Wie mag sich ein Mensch fühlen, der so handelt? Darüber denke ich hin und wieder nach, komme zu Antworten, verwerfe sie wieder - und fange bei nächster Gelegenheit von vorne an. Manchmal habe ich Mitgefühl, dann wieder überkommt mich Wut. Wut über vieles, wo mir Abwertung und Grenzüberschreitendes entgegenwabern. In diesem Fall wird Wut zur Chance - nämlich zu jener Selbstfreundschaft zu finden, die es mir ermöglicht, Abstand zu nehmen. Es ist gut so, wie ich bin. Ich darf so sein.
Foto: C* - Salzburg, im Schlosspark von Hellbrunn, Orpheusgrotte - übrigens: Der Schlosspark ist auf jeden Fall einen Besuch wert ...



Aber gewiss ist es gut, sich selber zu sein und zu bleiben.
Den grossen Auftritten selbstherrlicher Frauen (oder Männer) kann man fernbleiben oder sie wenigstens stoisch an sich vorbei gehen lassen. :--)
Einen lieben Gruss zum Wochenbeginn, Brigitte
dein Text hat mich beim Lesen innehalten lassen. Du beschreibst sehr eindrücklich, wie schmal der Grat zwischen Nähe, Bewunderung und Enttäuschung sein kann.
Besonders berührt hat mich dein letzter Gedanke, dass Wut auch eine Chance sein kann, nicht gegen andere gerichtet, sondern als Weg zurück zu sich selbst. Das ist ein sehr starker und kluger Blickwinkel.
Ich finde es bemerkenswert, wie du versuchst, nicht nur zu bewerten, sondern auch zu verstehen, selbst wenn es schwerfällt und die eigenen Gefühle zwischen Mitgefühl und Wut wechseln.
Deine Worte wirken lange nach.
Liebe Grüße Anette
Schon deine ersten Sätze haben mich eigentlich gar nicht an die Vergangenheit, sondern sofort an die Gegenwart denken lassen. An die vielen selbsternannten Göttlichkeiten, die nur ihre Meinung gelten lassen und alles andere mit Geringschätzung abtun. Die Affektiertheit und Überheblichkeit - viel hat sich da in den Jahrhunderten nicht verändert.
Liebe Grüße
Jutta