Nähe und Distanz
- C*

- 25. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Besonders in der Corona-Zeit wurde auf das Thema Nähe und Distanz großes Augenmerk gelegt. Damals sollte man aus gesundheitlichen Gründen mit Menschen auf Distanz gehen. Wie wir heute wissen, haben sich dadurch ganz furchtbare Situationen für viele Familien ergeben.
Bei allem Verständnis für ein Sehnen nach körperlicher und emotionaler Nähe oder auch dem Wunsch nach Zugehörigkeit bedaure ich dennoch, dass ein gewisser "Respektabstand" zwischen Menschen häufig fehlt. Viele Menschen haben kein Gefühl dafür, wie nahe sie ihrem jeweiligen DU kommen können bzw. wo die Grenzen sind: Mit Nähe meine ich sowohl körperliche wie auch emotionale Nähe.
Ich beobachte, dass wir uns in physischer Hinsicht wieder sehr eng aneinanderdrängen, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln empfinde ich so eine ungewollte körperliche Nähe als anstrengend. Es kommt vor, dass ich Busse oder Straßenbahnen schon verlasse, bevor ich an meinem Ziel angekommen bin. Es ist ganz und gar nicht meine Sache, so bedrängt zu werden. An diversen Geschäftskassen passiert Ähnliches, dicht an dicht schieben und drängen sich Menschen um den Kassabereich.
Natürlich gibt es einen Anlass für meine Gedanken: Seit geraumer Zeit habe ich mit einer Person zu tun, die ich - sofern es mir möglich wäre - durchaus gerne meiden würde, das ist allerdings nicht möglich. Also bin ich gefordert, dieser Person meine Grenzen zu zeigen, ein anstrengendes Unterfangen.
Ich bemerke, dass es unterschiedlichen Leuten kaum gelingt, diesen Menschen in die Schranken zu weisen. Es sind beileibe keine reinen Fettnäpfchen, in die mehrmals täglich zielsicher getreten wird. Ich nehme völlig unpassende Wortmeldungen wahr, wie auch durchaus dreiste Fragen an diverse Menschen herangetragen werden, die manchmal schon deutlich widerstrebend beantwortet werden. Auch eindeutige Aufforderungen, die aufgezeigten Grenzen zu respektieren, bringen keine nachhaltige Veränderung. Ich will, wenn ich an solche Situationen denke, ja gar nicht vom sogenannten Fingerspitzengefühl träumen, das wäre definitiv viel zu hoch gegriffen. Ich wünsche mir allerdings, dass klar kommunizierte rote Linien nicht übertreten werden.
Es gibt eine Aufgabe, die das Thema Nähe und Distanz sehr gut offenbart: Zwei Menschen stehen einander gegenüber, im Abstand von etwa 5 Metern. Es ist Aufgabe für einen von beiden, nämlich A, auf den anderen (B) langsam und achtsam zuzugehen und zu spüren, wie weit er sich B nähern kann / darf. Überschreitet A die persönliche Grenze von B, darf B ein Stoppzeichen geben. Idealerweise erkennt A ohne ein Stoppzeichen, wo B's Grenze liegt. Nach durchgeführter Aufgabe tauschen sich die beiden über diese Übung aus, danach erfolgt die Aufgabe umgekehrt: Nun darf sich B annähern.
Ich bin ein Mensch, der gerne umarmt - wo es passt. Ich habe allerdings auch starke und vertrauensvolle Verbindungen mit Menschen, wo diese Art der Begrüßung nicht gepflegt wird.
Wenn ich neue Menschen kennenlerne, bin ich durchaus aufgeschlossen, allerdings erlebe ich mich inzwischen als deutlich umsichtiger als früher in meinen Entscheidungen, mit welchen Menschen ich eine gewisse emotionale Nähe eingehen möchte. Beziehungen reifen lassen, das ist heute mein Motto.
Foto: C* Der in Oberösterreich sehr bekannte Karikaturist Rudolf "Florian" Nemec ist Schöpfer des gezeigten Bildes.



Deinen Worten kann ich nur zustimmen, liebe C Stern, und tue es gern mit
einem eigenen, passenden Blogartikel zum Thema: https://rosasblog54.com/2018/08/04/von-umarmungen-und-anderen-herzlichkeiten/ 😉
Herzliche Grüße
Rosa
Ich mag Nähe nur mit und bei Menschen, denen ich mich auch tatsächlich verbunden fühle. Meine Größe/ Länge verhilft mir oft dazu, mir Menschen auf Distanz zu halten. Inzwischen sage ich aber auch: Nein, ich möchte keine Umarmung. Auch das neuerdings übliche Duzen in allen möglichen Situationen. Ich bleibe stur beim "Sie", wenn ich nicht geduzt werden will. Ich habe das in einem Lokal auch schon einmal mit dem Inhaber besprochen. Das "Du" soll eine Nähe zum Kunden aufbauen. Doch wenn ich das nicht will? Das sei schwierig. Nein, auf keinen Fall. Wenn die Bedienung gesiezt wird, ist es doch ein eindeutiges Signal, dass auch der Gast gesiezt werden will. Ganz einfach! So viel Flexibilität sollte man m.E. damn doch…
Das ist ein Thema, das mich auch immer mal wieder umtreibt, zumal ich grosse Mühe habe, mich auf Nähe einzulassen, die nur vom (nicht sehr nahestehenden) Gegenüber eingefordert wird.
Die Übung, die du im Text beschreibst, finde ich deshalb sehr überzeugend. Jede und jeder hat wohl eine andere Schutzschicht um sich, die respektiert werden sollte. Darum ist es in der Regel besser, etwas mehr Abstand zu halten als unbedingt notwendig.
Dir einen guten Tag und lieben Gruss, Brigitte