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Die Einladung

Autorenbild: C*
C*
2. Aug.
2 Min. Lesezeit



Wie der Titel The Invite verspricht, kommt es in dem von mir mit großer Überzeugung empfohlenen Kinofilm von Regisseurin und Schauspielerin Olivia Wilde zu einer Einladung - nämlich zu einem Abendessen.

Olivia Wilde wurde als Olivia Jane Cockburn geboren, den Namen Wilde führt sie inspiriert durch Oscar Wilde. Ein Zitat von ihm eröffnet ihren Film: Man sollte immer verliebt sein. Das ist der Grund, warum man niemals heiraten sollte.


Der Plot bietet ein pointiertes Kammerspiel, in dem Beziehungen zum Studienobjekt werden, und das mit brillanten Dialogen aufwartet. Wer kein Problem damit hat, dass im Film auch reichlich über Sexualität gesprochen wird, der kann an diesem grandios besetzten Werk seine reine Freude haben.

Was das Publikum erwartet, ist ein Aufeinandertreffen zweier Ehepaare anlässlich eines Abendessens, das unter denkbar schlechten Umständen seinen Lauf nimmt.

Hawk (Edward Norton), ganz souveräner Liebhaber, und Piña (Penélope Cruz), Sexualtherapeutin mit großen Ansagen, erfahren schon an der noch verschlossenen Wohnungstür ihrer Nachbarin Angela (Olivia Wilde) und ihres frustrierten Mannes Joe (Seth Rogen), dass deren Ehe wohl in einer gewaltigen Schieflage steckt. Joe, ein nicht besonders erfolgreicher Musiker, ist erbost über die Einladung der Nachbarn, die Angela im Alleingang ausgesprochen hat. Er würde gerne den Stier bei den Hörnern packen, um seinem Unmut über die nächtlichen Störungen seiner Nachbarn deutlichen Ausdruck zu verleihen. Angela jedoch will nicht als spießig gelten und untersagt dem muffigen Gatten, das Thema zur Sprache zu bringen.

Wir lieben es, wenn Konflikte ausgetragen werden, meint Hawk lässig und bringt Joe damit erst recht aus der Fassung. Piña hingegen referiert bei Tisch reichlich ungeniert über die Perimenopause und sexuelle Vorlieben und bringt damit vor allem Angela ins Schwitzen.

Das experimentierfreudige Pärchen spricht ebenfalls eine Einladung aus - zum fröhlichen Partnertausch. Diese Einladung ist Auftakt zu einer bitteren Abrechnung mit unerfüllten Erwartungen und alten Kränkungen in der Beziehung zwischen Angela und Joe.


Es ist Olivia Wilde aus meiner Sicht zweifelsfrei gelungen, dem Publikum einen Spiegel vorzuhalten: Dabei könnte es zu manch heimlicher Selbsterkenntnis kommen - und vielleicht so manches Paar in eine Paartherapie führen.

Olivia Wilde resümiert in einem Interview, dass es heute mehr bewusste Entscheidungen dafür gebe, nicht mehr aus einem Gefühl der Notwendigkeit zu heiraten oder keine Kinder zu bekommen. Ich (1970 geboren) gehöre noch zu einer Generation, der man beigebracht hat, dass es auch eine Verpflichtung dem Staat gegenüber gebe, Kinder in die Welt zu setzen, so müssten doch auch u. a. Pensionen von den nachfolgenden Generationen finanziert werden. Im Wissen, dass ich selbst in diesem Bewusstsein gezeugt wurde, habe ich Jahre gebraucht, um meinem Vater diese Einstellung zu verzeihen.


Unter dem Titel Liebe und Sexualität im 21. Jahrhundert - Reisen durch Länder und Kulturen habe ich, ausgehend von sehr aufschlussreichen Dokumentationen, dieses Thema weiter ausgeleuchtet.


Foto: C* #Filmtipps

 
 
 

4 Kommentare


Annette Mertens
Annette Mertens
03. Aug.

Hallo liebe C*, diee unausgesprochene Verpflichtung zum Kinder-in-die-Welt-setzen habe ich nur am Rande miterlebt. Wer so etwas als Verpflichtung etablieren möchte, sollte zuvor dafür Sorge tragen, dass die zukünftigen Mütter/Väter/Kinder bzw. Familien entsprechend finanziell gesichert aufwachsen können und ihnen alle potentiellen Bildungswege ihrer Neigung entsprechend zur Verfügung stehen...ach, ich könnte noch so viel dazu schreiben...

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C*
C*
03. Aug.
Antwort an

Liebe Annette, ich finde den Gedanken einer Verpflichtung aus vielen Gründen tatsächlich sogar distanzlos. Kenne die bohrenden Fragen aus der Verwandtschaft in meiner Vergangenheit - "Na, du Karrierefrau, warum gründest du keine Familie?" (Nebenbei war ich immer verdutzt, dass mir jemand eine Karriere vorwarf - welche denn?) Ich würde mir wünschen, man würde das Hirn einschalten, bevor man mit solchen Ansagen auf Frauen und Männer zielt. Man könnte damit jemanden sehr verletzen, Stw. Frauen, die Fehlgeburten erleiden oder auf natürlichem Weg nicht (mehr) schwanger werden können,

oder Männer, die keine Kinder zeugen können.

Und ja, wir dürfen selbst entscheiden, welchen Lebensweg wir wählen. Nicht jedes Paar macht sein Glück von Kindern abhängig - und das ist auch gut so. Ich…

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Anette
Anette
02. Aug.

Deine Rezension macht neugierig, weil sie deutlich zeigt, dass dieser Film weit mehr sein möchte als eine klassische Beziehungskomödie. Gerade die Idee, ein scheinbar gewöhnliches Abendessen als Bühne für unausgesprochene Wünsche, Enttäuschungen und unterschiedliche Lebensentwürfe zu nutzen, finde ich sehr spannend.

Besonders gefallen hat mir dein Gedanke, dass der Film dem Publikum einen Spiegel vorhält. Gute Filme schaffen genau das: Sie erzählen nicht nur eine Geschichte, sondern bringen einen auch dazu, über die eigenen Vorstellungen von Liebe, Partnerschaft und Kommunikation nachzudenken. Dass du den Film mit deinen eigenen Erfahrungen und gesellschaftlichen Veränderungen verbindest, macht deine Besprechung besonders persönlich und lesenswert.

Vielen Dank für diesen interessanten Filmtipp!

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C*
C*
03. Aug.
Antwort an

Liebe Anette, herzlichen Dank für Deine Gedanken, die einen weiten Kreis beschreiben.

Ich habe herausgefunden, dass der Film auf einem Theaterstück basiert, Els veïns de dalt (Die Nachbarn über uns) von Cesc Gay, der dazu auch den Spielfilm Sentimental drehte. Es gibt auch eine Version aus der Schweiz, Die Nachbarn von oben. Alle Versionen sehr gelobt von den Kritiker*innen.

Ich habe mich für ein Leben ohne leibliche Kinder entschieden - habe allerdings über achtzehn Jahre beruflich viel Zeit mit Kindern verbracht. In diesen Jahren habe ich unzähligen Kindern meine Freude über ihr Sein gezeigt. So viele Kinder, die ich über eine lange Zeit begleiten konnte, manche von ihnen treffe ich heute noch, sie sind längst erwachsen und haben teilweise schon selbst Kinder.

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