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Wie weit darf Kunst gehen?

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit



Aufregung rund um das Wiener Aktionismus Museum und seinen Geschäftsführer, den ehemaligen Albertina-Direktor, Klaus Albrecht Schröder.

Das Wiener Aktionismus Museum wurde umgebaut und öffnet nun wieder seine Tore. Zum Auftakt werden frühe Werke von Hermann Nitsch gezeigt, der ohnehin zeitlebens auch für heftige Kontroversen gesorgt hat. Mein Fall sind seine orgienhaften Mysterienbilder, für die er Blut, Eingeweide und Tierkadaver als malerische Mittel einsetzte, ganz klar nicht.


Für Diskussionen sorgt nun Geschäftsführer Klaus Albrecht Schröder mit einer geplanten Ausstellung zu Arbeiten von Otto Muehl. Ab Herbst sollen Bilder einer Serie zu sehen sein, für die Muehl auch Missbrauchsopfer gemalt hat. Schröder will zwar keine Opfer zeigen und auch auf Muehls Verbrechen hinweisen, dennoch halte ich diese Ausstellungsidee für ziemlich befremdlich.

Was darf Kunst und wo wird sie zum schaurig-provokanten Aktionsmus?

Zweifelsohne wenden sich Vertreter*innen des Aktionismus gegen repressive gesellschaftliche Zustände und suchen bewusst die Konfrontation mit staatlicher und kirchlicher Autorität. Allerdings sind solcherlei Aktionen in der Vergangenheit nicht selten völlig ausgeartet - drastische Ausdrucksweisen und aggressive Tabuverletzungen in den 1960er und 1970er Jahren haben in Österreich noch Jahrzehnte danach für viele Schlagzeilen gesorgt, nämlich auch, als bekannt wurde, dass sich einer der populärsten Vertreter des Wiener Aktionismus, Otto Muehl, wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten musste. Otto Muehl begründete im Jahr 1970 seine berüchtigte "Muehl-Kommune", die bis zu 600 Mitglieder hatte; später wurde ihm von seinen Kommunard*innen vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er, der Zweierbeziehungen und Kleinfamilien ablehnte, zunehmend autoritär auftrat. 1991 wurde Otto Muehl wegen Unzucht mit Minderjährigen und Verstoßes gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Muss / Kann man so einem Verbrecher tatsächlich eine Ausstellung widmen? Ich schätze, dazu gibt es recht unterschiedliche Meinungen.


Angesichts ungeheuerlicher Vorgänge, bei denen Menschen körperlich und seelisch schwer verletzt werden, kann und darf der Aktionismus keine Toleranz erfahren. Diese Art von "Aktionismus" hat auch nichts mehr mit Kunst zu tun.

Auffällig ist ohnehin, dass sich Aktionismus häufig sexueller Ausdrucksweisen bedient, was sich auch in einem weithin diskutierten "Kunst-Projekt" in der Wiener Secession zeigte: Der Schweizer Christoph Büchel zeigte 2010 einen Swingerclub als sogenannte Kunst-Installation und erntete dafür den Zorn der Boulevardmedien und einiger Pokitiker*innen. Besonderes Missfallen erregte die Tatsache, dass diese Installation auch aus Steuergeldern finanziert wurde, was auch seriöse und unaufgeregte Medien vermeldeten. Zugegeben, der Idee, dass es sich bei diesem Projekt um Kunst handelte, konnte ich auch zu keinem Zeitpunkt folgen.

 

Zweifelsohne bedarf es beim Definieren von Kunst einiger Toleranz. Zur Toleranz muss ein Mensch heranreifen und dazu braucht es einen reflektierenden Geist. Aber man muss auch nicht alles tolerieren ...


Archiv-Foto: C* in der Albertina #Kunst #Kultur

 
 
 

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