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Wie weit darf Kunst gehen?

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 23. März
  • 2 Min. Lesezeit



Aufregung rund um das Wiener Aktionismus Museum und seinen Geschäftsführer, den ehemaligen Albertina-Direktor, Klaus Albrecht Schröder.

Das Wiener Aktionismus Museum wurde umgebaut und öffnet nun wieder seine Tore. Zum Auftakt werden frühe Werke von Hermann Nitsch gezeigt, der ohnehin zeitlebens auch für heftige Kontroversen gesorgt hat. Mein Fall sind seine orgienhaften Mysterienbilder, für die er Blut, Eingeweide und Tierkadaver als malerische Mittel einsetzte, ganz klar nicht.


Für Diskussionen sorgt nun Geschäftsführer Klaus Albrecht Schröder mit einer geplanten Ausstellung zu Arbeiten von Otto Muehl. Ab Herbst sollen Bilder einer Serie zu sehen sein, für die Muehl auch Missbrauchsopfer gemalt hat. Schröder will zwar keine Opfer zeigen und auch auf Muehls Verbrechen hinweisen, dennoch halte ich diese Ausstellungsidee für ziemlich befremdlich.

Was darf Kunst und wo wird sie zum schaurig-provokanten Aktionsmus?

Zweifelsohne wenden sich Vertreter*innen des Aktionismus gegen repressive gesellschaftliche Zustände und suchen bewusst die Konfrontation mit staatlicher und kirchlicher Autorität. Allerdings sind solcherlei Aktionen in der Vergangenheit nicht selten völlig ausgeartet - drastische Ausdrucksweisen und aggressive Tabuverletzungen in den 1960er und 1970er Jahren haben in Österreich noch Jahrzehnte danach für viele Schlagzeilen gesorgt, nämlich auch, als bekannt wurde, dass sich einer der populärsten Vertreter des Wiener Aktionismus, Otto Muehl, wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten musste. Otto Muehl begründete im Jahr 1970 seine berüchtigte "Muehl-Kommune", die bis zu 600 Mitglieder hatte; später wurde ihm von seinen Kommunard*innen vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er, der Zweierbeziehungen und Kleinfamilien ablehnte, zunehmend autoritär auftrat. 1991 wurde Otto Muehl wegen Unzucht mit Minderjährigen und Verstoßes gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Muss / Kann man so einem Verbrecher tatsächlich eine Ausstellung widmen? Ich schätze, dazu gibt es recht unterschiedliche Meinungen.


Angesichts ungeheuerlicher Vorgänge, bei denen Menschen körperlich und seelisch schwer verletzt werden, kann und darf der Aktionismus keine Toleranz erfahren. Diese Art von "Aktionismus" hat auch nichts mehr mit Kunst zu tun.

Auffällig ist ohnehin, dass sich Aktionismus häufig sexueller Ausdrucksweisen bedient, was sich auch in einem weithin diskutierten "Kunst-Projekt" in der Wiener Secession zeigte: Der Schweizer Christoph Büchel zeigte 2010 einen Swingerclub als sogenannte Kunst-Installation und erntete dafür den Zorn der Boulevardmedien und einiger Pokitiker*innen. Besonderes Missfallen erregte die Tatsache, dass diese Installation auch aus Steuergeldern finanziert wurde, was auch seriöse und unaufgeregte Medien vermeldeten. Zugegeben, der Idee, dass es sich bei diesem Projekt um Kunst handelte, konnte ich auch zu keinem Zeitpunkt folgen.

 

Zweifelsohne bedarf es beim Definieren von Kunst einiger Toleranz. Zur Toleranz muss ein Mensch heranreifen und dazu braucht es einen reflektierenden Geist. Aber man muss auch nicht alles tolerieren ...


Archiv-Foto: C* in der Albertina #Kunst #Kultur

 
 
 

6 Kommentare


Rosa Ananitschev
Rosa Ananitschev
29. März

Das wäre doch was für „einen Tag allmächtig sein“: solchen Aktionismus aus der Kunst zu tilgen, und zwar rückwirkend. Ich finde diese Art von Kunst auch äußerst widerwärtig.

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C*
C*
29. März
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Ich gehe konform mit Dir, liebe Rosa! Ich bin extrem verärgert, dass einem verurteilten Verbrecher (mehrere Jahre Häfen!) so ein Forum geboten wird. Ich finde es desaströs und unverantwortlich, je länger ich darüber nachdenke. Das ist keine Kunst, sondern purer widerlicher Aktionismus, der Menschen extremst geschadet hat und der in der Kunst nichts verloren hat.

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andreaobi
24. März

Ich kann mich hier Brigittes Worten nur anschließen. Unter Kunst verstehe ich was ganz anderes. Leider könnte ich in dem Bereich viele Beispiele nennen, wo Menschen mit ausgefallener Wahrnehmung (perverses Empfinden) eine Plattform geboten wird. Klar hat jeder seine eigene subjektive Wahrnehmung, aber ich finde trotzdem, dass es Grenzen geben sollte. Und was du berichtest - wovon ich keine Ahnung hatte - beweist es doch, welch krankes Hirn dahinter steckte. Puh ... echt übel. Für mich nicht nachvollziehbar. Aber es gibt halt so viele düstere Gestalten unter uns.


Nein, in diese Thematik mag ich mich auch nicht hineinknien ...


Liebe Grüße,

Andrea

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C*
C*
24. März
Antwort an

Liebe Andrea,

vielen Dank auch Dir für Deine deutliche Meinung. Wie ich schon Brigitte geantwortet habe, interessiert mich auch die Meinung von Menschen, die sich der Kunst verbunden fühlen. Deshalb auch Dir mein Dankeschön, dass Du Dich geäußert hast. Ich weiß, dass das Thema ein schwieriges ist, allerdings ist es gerade in Österreich so aktuell, dass ich es nicht ignorieren wollte.

Ja, es braucht auch meiner Meinung nach Grenzen, wenn wir etwas "Kunst" nennen wollen. So ein radikaler Aktionismus fällt ja öfter aus dem Rahmen. Die Wiener Szene hatte es in sich, es gibt noch einen weiteren sehr ungustiösen Aktionisten dieser Zeit, über dessen Aktivitäten ich nur höchst angewidert den Kopf schütteln kann.

Herzliche Grüße, C Stern

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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
24. März

Oje, das ist ein leidiges Thema!

Danke, dass du dich so differenziert dazu geäussert hast.

Ob Kunst alles darf? Ich hoffe nicht. Man könnte sonst die entsetzlichsten Sachen und Einstellungen einfach hinter ihr verstecken. (Aber ich möchte mich in diese Thematik nicht "hineinknien".)

Lieben Gruss, Brigitte


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C*
C*
24. März
Antwort an

Liebe Brigitte,

mir ist durchaus bewusst, dass ich ein recht aufregendes Thema aufgegriffen habe - aber durch den Artikel, den ich über die geplante Ausstellung las, wollte ich es auch nicht ignorieren. Mich interessiert auch die Meinung von kunstsinnigen Menschen, darum herzlichen Dank für Deine Rückmeldung.

Es gibt einige sogenannte "künstlerische" Provokationen, die ich nie verstanden habe. Wenn Menschen psychisch, physisch oder in ihrer Ehre verletzt werden, kann ich solches nicht tolerieren.

Einem verurteilten Verbrecher eine öffentliche Plattform zu bieten, finde ich absurd. Sehr wohl würde ich darauf hinweisen, warum seine "Werke" nicht mehr gezeigt werden.

Ich finde es aufschlussreich, dass sich viele Menschen (richtigerweise) derzeit vom Schauspieler Christian Ulmen distanzieren und auch Filme mit ihm aus den Fernsehprogrammen genommen…


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