Taktlosigkeiten
- C*
- 26. Apr. 2024
- 2 Min. Lesezeit

Wenn Menschen in ihrer Kommunikationsweise taktlos agieren, empfinde ich des öfteren ein Gefühl des Fremdschämens. Es irritiert mich, wenn sie mit ihrer ungepflegten Art der Kommunikation anderen Menschen zu nahe rücken.
Es irritiert mich, wenn gegenüber einer beleibteren Person distanzlose Bemerkungen über das Gewicht fallen oder eine hellhäutige Person auf ihre blasse Haut angesprochen wird. Wem stehen derartige Bemerkungen zu? Selten steht eine derart agierende Person ihrem Gegenüber so nahe, dass (aus Besorgnis ausgesprochene?) Bemerkungen angebracht sein könnten.
Hätte ich doch immerzu gute Antworten auf übergriffige Äußerungen und unangemessene Fragen parat! Ich bin ja nicht sehr oft um Worte verlegen, dennoch geschieht es, dass ich nichts Passendes zu sagen habe, wenn ich mich über Unverschämtheiten meiner Mitmenschen ärgere. Mir fällt es beispielsweise nicht leicht, ein "Nein!" zu formulieren. Ich habe bislang noch keine passende verbale Möglichkeit zu einer Äußerung gefunden, wenn mein "Nein!" ignoriert wird. Dazu habe ich nun allerdings einen Satz gelesen: "Welchen Teil von "Nein" hast du nicht verstanden?" - Das könnte ich doch mal nachliefern!
Wenn ich Menschen in ihre Schranken weisen möchte, kann ich mir ja ein paar grundsätzliche Standardsätze bereithalten, für den Fall der Fälle. Ich müsste mich vielleicht weniger oft über mich selbst ärgern - oder zumindest wundern -, weil mir nichts Angemessenes einfällt.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, der kann Geschichten erzählen. Also in meinem Fall trifft das auf jeden Fall zu.
In aller Regelmäßigkeit treffe ich während meiner Fahrten auf meiner Route auf eine Frau, die von den anderen Fahrgästen und auch von mir seit langem ignoriert wird. Bereits beim Einsteigen erhebt sie ihre Stimme und schreit durch den ganzen Bus: "Wer hilft mir beim Aussteigen?" Es meldet sich niemand. (Zu sehr hat sie die meisten von uns bereits aufs Unflätigste beleidigt.) Es folgt eine Schimpftirade, gegen die anderen Fahrgäste wie auch gegen den Busfahrer gerichtet. Ich meine, dass diese Frau beeinträchtigt ist, was ihr soziales Verhalten betrifft, sicherlich ist sie auch kognitiv nicht ganz fit. Dennoch weiß sie ganz genau, wie man freundlich agiert, denn für sich wünscht sie hilfsbereites und freundliches Benehmen - und das formuliert sie auch sehr forsch. Um gleich nachzulegen und andere, ihr völlig unbekannte Menschen, in ihrem nächsten Wutanfall mit dem F-Wort zu bewerfen. Ihre Stimmung schwankt rasant, denn schon glaubt sie, mit zuckersüßen Worten ein neues Opfer umgarnen zu können, das ihr zu Diensten ist. Zudem verkündet unsere Mitpassagierin lauthals, dass sie ganz dringend das stille Örtchen aufsuchen müsse. Ich bange und hoffe, dass der Bus gut durch den Abendverkehr kommt, denn ich ahne Schlimmes ... Und siehe da, kaum verlässt sie den Bus, steht sie auch schon breitbeinig auf dem Gehweg und es kümmert sie nicht, dass sie Publikum hat, als sie ihre Blase einfach mal so entleert.
Dass ihre Frechheiten nicht immer mit der gebotenen Gelassenheit aufgenommen werden, hat sie wohl schon mindestens einmal vernommen: Vor einiger Zeit lief diese Frau mit einer dicken Beule herum, solch eine Beule habe ich noch niemals an jemandem gesehen. Ich vermute, da hat sie sich mit jemandem nach einem verbalen Schlagabtausch auch noch eine körperliche Auseinandersetzung geliefert.
Ach, ich könnte noch so einige weitere unangenehme Erlebnisse schildern. Umso erfeuter bin ich, wenn sich Schönes ergibt auf meinen Wegen 😀
Foto: C*
Sprachlos bin ich. Wo gibt es denn so was ... oder besser solche? Aber klar - es gibt sie, mit allen möglichen Eigenschaften. Ich habe das Glück und nutze in Deutschland kaum den öffentlichen Verkehr, erinnere mich aber nur zu gut, wie das Bus- und Bahnfahren in Russland war ...
Ja, ich denke auch, es ist das beste, solche Menschen zu ignorieren. Doch das Fremdschämen bleibt.
Was du hier beschreibst, erlebe ich fast tagtäglich. Ich bin auf die Bahn angewiesen, da ich kein Auto habe. Wenn man sein ganzes leben mit der Bahn gefahren ist, nimmt man vieles gar nicht mehr so wahr. Sicher schüttele auch ich manchmal innerlich den Kopf, aber ich nehme das jetzt nicht mehr so tragisch. Ich lebe in einer Großstadt, wo eben das Leben vieler verschiedener Menschen aufeinander prallt.
Liebe Grüße
Jutta
Deine Ausführungen zu Takt und Anstand gefallen mir sehr. Besonders den schlagfertigen Satz zur Bekräftigung des Neins werde ich mir - wie du - merken. "Welchen Teil von "Nein" hast du nicht verstanden?" Herrlich. :--)
Allerdings ist mir noch nie eine so unverschämte, primitive Person im öffentlichen Raum aufgefallen, wie du sie als Busfahrerin beschreibst. (Einerseits tut sie einem leid und andererseits ekelt man sich vor ihr - eine prekäre Situation.)
Dir einen harmlosen Tag und lieben Gruss,
Brigitte