Selbstbild : Fremdbild
- C*

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Vor einigen Tagen hat mich eine Pflegekraft meines Vaters angesprochen. Sie hat mir mit einem Lächeln im Gesicht zu erkennen gegeben, dass ich auf sie wie ein Mensch mit ruhiger Seele wirke. Zum einen hat es mich gefreut, dass sie sich getraut hat, mich darauf anzusprechen, zum anderen war ich wieder einmal erstaunt über ein Fremdbild, das manchmal doch etwas von meinem Selbstbild abweicht.
Ich selbst fühle mich nicht selten innerlich eher aufgewühlt, an manchen Tagen mich sorgend, dass erneut ein Anruf kommen könnte, wo mir jemand eine Hiobsbotschaft hinsichtlich meiner Eltern mitteilt. Offensichtlich gelingt es mir, mein Inneres nicht zu sehr im Außen zu zeigen. Ich möchte nicht so deutlich zu lesen sein. Es gibt eben innere Regungen, die ich mit mir selbst ausmachen möchte.
Ich habe mich von einem eher lauten Menschen zu einem ruhigen Menschen entwickelt. Meine Bedürfnisse sind schon lange andere.
War ich in meinen jungen Jahren noch intensiv unterwegs in lauten Pubs und weiteren Lokalen mit viel Publikum, ist mir nun nicht mehr danach. Nicht selten, dass ich erst nach Mitternacht zuhause ankam, viel Schlaf war damals nicht nötig. Ich galt als sehr gesellig, auch gab es in unseren Runden immer sehr viel zu lachen. Es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte - und dennoch: Meine Lieblingsorte im Heute sind mein Zuhause, die Natur und ausgewählte Lokale, wo ich mich manchmal mit Freund*innen zu einem Frühstück oder Mittagessen treffe. Meine Freude an Ruhe und Geborgenheit steht inzwischen weit über einer rastlosen Ausgelassenheit meiner frühen Erwachsenenzeit.
Dennoch - ich kann es nicht leugnen - vermisse ich sehr oft meine zuversichtliche Sorglosigkeit und Momente des befreiten Lachens.
Foto: C* - aus meinem Fotoarchiv



Liebe C Stern, ja, das Leben hält Wandlungen bereit. Auch ich war eine Flippige, überall und nirgends und immer mit einem Lachen unterwegs. Ich fing an zu überlegen, als mein Paps mir einmal sagte: Edith, das Leben besteht nicht nur aus Tanzen, Singen, Lachen...
Da machte es einfach Klick und ich lernte meinen Mann kennen, den ruhigen Part. Und da wusste ich auf Anhieb, das kann zusammen funktionieren - und es hat.
Danke für deine Gedanken, die mir immer etwas geben...
Herzlichst, Edith
Da, wo das Leben tobte, durfte ich nicht hin. Als ich dann von zu Hause weg war, habe ich das Leben vielleicht viel zu ernst genommen, ich habe mir mein Studium erkäpft, bin nebenbei immer arbeiten gewesen, um es und mich zu finanzieren und bin dann voll in den Beruf eingestiegen, der mich anfangs echt mit den vielen Anforderungen, vor allem den vielen Korrekturen überfordert hat .... Nun im Alter probiere ich das ein oder andere aus, gehe hin, wo das "Leben tobt", schaue, ob es etwas für mich ist, ziehe mich wieder zurück und halte Ausschau, das für mich richtige Maß zu finden. Und das lässt mich lebendig sein. Fremd- und Selbstbild wichen stets weit voneinander ab, doch allmählich finden sie …
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust ... wie oft habe ich das bei mir festgestellt. Ja, ich bin hochsensibel, liebe Kunst und Natur, tiefe Gespräche und ganz sehr die Stille, um all das genießen zu können. Aber wenn ich mit Menschen zusammen bin, die mir gut tun, die mich inspirieren und begeistern können, dann kann ich auch anders. Aber man trifft sie heute nicht mehr so oft und wird halt auch älter ... lach.
Ein lauter Mensch war ich noch nie, aber gelacht habe ich auch für mein Leben gern. Da geht es mir wie dir, da sehne ich mich nach dieser Unbefangenheit zurück.
Hab einen schönen Tag, liebe C Stern! Liebe Grüße, Andrea
Da ich dich nicht aus dem realen Leben kenne, ist es höchst interessant, über diese Wandlung deiner Persönlichkeit zu lesen. Wahrscheinlich machen wir alle im Laufe unseres Werdegangs solche "Häutungen" durch. Und auch mir ist schon aufgefallen, dass andere Menschen uns sehr unterschiedlich beurteilen, je nach den kürzeren oder längeren Phasen, die sie mit uns zusammen waren oder sind.
Spannend ist das und es zeigt, dass wir manchmal ganz anders auf die Umgebung wirken als wir denken oder fühlen. :--)
Einen lieben Heutegruss,
Brigitte
Ach ja, früher wollte ich immer dort wohnen, wo das Leben tobte, gerne gleich neben Leipzigs Hauptbahnhof. Das hat sich gründlich geändert. Jetzt liebe ich die Ruhe, Vogelgezwitscher und den Duft der Linden. Große Abenteuer brauche ich nicht mehr; kleine reichen.
Tja, wir verändern uns im Laufe des Lebens und die Sicht auf uns ändert sich wahrscheinlich auch.
Ich lasse Grüße da.