Selbstbehauptung

Aktualisiert: 31. Aug.

Selbstbehauptung ist eine wesentliche Fähigkeit, um eigene Ansichten, einen eigenen Standpunkt und eigene Rechte durchzusetzen, und zugleich sein DU zu achten.
Selbstbehauptung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fertigkeit, die durch Erfahrungen erlernt und beständig geübt werden kann. Dabei ist auch wichtig, rhetorisch Sicherheit zu erlangen, um sich einer Situation verbal angemessen stellen zu können.
Besonders in Situationen mit Gegenwind ist es essenziell, wertschätzend und sicher zu sich selbst zu stehen.
Daher meine ich auch, dass es sehr wichtig ist, Kindern Raum zu geben, damit sie lernen können, ihre Wünsche und Meinungen gegenüber Eltern, Geschwistern, Lehrer*innen, aber auch im Freundeskreis zu vertreten, ohne dominant oder schüchtern zu sein.
Ich beobachte manchmal an mir selbst, dass ich nicht immer das richtige Maß zwischen Durchsetzungsvermögen und Rücksichtnahme finden kann: Obwohl ich meine eigenen Werte und meine Ressourcen kenne und auch gut dazu stehen kann, passiert es mir noch, dass mich andere Menschen mit ihren (unfairen) Vorwürfen derart überrollen, dass mir im ersten Augenblick die sogenannte Spucke wegbleibt, sodass mir Worte in diesen Situationen fehlen.
Mir mangelt es keinesfalls an Mut oder an Ausdrucksvermögen, um klarzulegen, was Sache ist. Wenn mich allerdings eine Verhaltensweise oder eine Aussage trifft, mit der ich überhaupt nicht rechnen konnte, reagiere ich verzögert oder zu verhalten. Ich lasse meinem DU oft mehr Raum, als ich mir diesen selbst zugestehe - und das ärgert mich.
Letzte Woche ist so etwas passiert. Es wurde ein Vorwurf an mich herangetragen, der für mich völlig überraschend war. Ich war äußerst verblüfft, als mir eine Person an den Kopf warf, dass ich Witze über Gott mache. Als ich das hörte, konnte ich mir überhaupt keinen Reim daraufmachen; ich war ratlos, denn es gab keine Situation, die mir dazu eingefallen wäre. Ich war beinahe sprachlos und als ich dann doch Worte fand, wollte ich wissen, in welcher Situation dies angeblich stattgefunden habe. Und da stellte sich tatsächlich heraus, dass jemand anderer diesen Witz ausgesprochen hatte - ich konnte mich dann auch wieder daran erinnern.
Ich bin immer noch baff, wie es sein kann, dass ein derart gottgläubiger Mensch mir einreden wollte, ich hätte mich da schuldig gemacht, obwohl diese Person ganz genau wusste, wer tatsächlich gewitzelt hatte - sie hat es nach ihrem Vorwurf an mich sogar zugegeben. Wenn ich ehrlich bin, war der Witz in meiner Einschätzung kein besonders schlimmer, aber ich nehme zur Kenntnis, dass sich jemand davon verletzt fühlen kann.
Ich fand diesen Vorwurf insbesondere auch deshalb so grotesk, weil ich immer ganz besonders darauf achte, niemanden in seiner Gottgläubigkeit zu verletzen. Das ist auch schon aufgefallen. Mit Sicherheit kann mir ein Fauxpas passieren, aber hier war das eindeutig nicht der Fall.
Was ich auch überhaupt nicht leiden kann, ist, wenn mich jemand nicht ausreden lässt und mir ständig ins Wort fällt - oder wenn aus dem Off Bemerkungen nach vorne dringen.
So ist es mir seit Jahren kaum mehr möglich, ein Telefonat unter vier Ohren mit meiner Schwester zu führen. Ständig involviert sie ihren Mann, meinen Schwager (den ich grundlegend sehr schätze), damit er aus dem Hintergrund seinen Senf beigibt - wobei klar ist, dass mein Schwager meine Schwester stets unterstützt: Es ist, als wären die beiden eine Person - die grundsätzlich mit einer Zunge sprechen. Dieses Verhalten habe ich auch schon angesprochen - es bleibt allerdings unverändert und trägt dazu bei, dass mein Vertrauen zu meiner Schwester, das einst uneingeschränkt war, step by step verlorengeht. Alles, was wir besprechen, geht an meinen Schwager weiter. Und noch viel mehr, auch lange Zurückliegendes macht Runden in einer Art Dauerschleife. Es ist, als müsste sich meine Schwester ständig rückversichern, dass ihre Meinung - und zwar nur ihre Meinung - richtig ist. Ich versuche daher öfter, meine Schwester zeitlich so zu erreichen, dass wir untereinander sprechen können. Wenigstens kann ich in solchen Momenten allein mit ihr sprechen - dabei ist mir allerdings sehr wohl klar, dass Besprochenes sowieso wieder direkt beim Gatten landet, und zwar schon in einer interpretierten Form von Gehörtem.
Ich gebe mein Bestes, um sowohl selbstsicher wie auch fair zu kommunizieren, bestimmt gelingt es mir nicht immer. Ich merke aber ebenso deutlich, dass mir Gegenwind, mit dem ich nicht rechnen kann, noch aufzeigt, woran ich weiter üben darf.



Liebe C Stern,
mein Durchsetzungsvermögen in manchen Situationen lässt oft sehr zu wünschen übrig.
Und jedes Mal ärgere ich mich hinterher, dass ich mal wieder zu viel auf Rücksichtnahme
geachtet habe.
Trotzdem bin ich aber ein Mensch, der schon mal die Meinung sagen kann, wenn mir mal etwas nicht passt (ich vergesse aber auch nicht, zu loben bzw. ein positives Feedback zu geben, wenn ich mit etwas zufrieden bin). Aber ich glaube auch, dass es einfach nur die unvorhersehbaren Momente sind und man nicht darauf vorbereitet ist.
Ich arbeite daran…
Auch mag ich überhaupt nicht, wenn mir einer ins Wort fällt und mich nicht aussprechen lässt. Ich finde, dass das in letzter Zeit schlimmer geworden ist – oder ist…
Die zwischenmenschlichen Beziehungen haben es manchmal in sich. Auf plötzliche, ganz unerwartete Sachen reagiere mitunter völlig verkehrt und das ärgert mich hinterher oft mehr als die Sache selbst. Aber ich habe im Laufe auch schon gelernt und bin manchen Dingen gegenüber gelassener geworden. Man muss sich nicht immer die Jacke anziehen, die einem gereicht wird.
Liebe Grüße - Jutta
Das ist ein schmaler Grat, wie ich finde, zwischen Selbstsicherheit und Verunsicherung.
Und Selbstbehauptung kann schnell als Arroganz ausgelegt werden.
Schön, wenn man da die Balance behält und achtsam voran schreitet.
Einen lieben Gruss zum Wochenbeginn, Brigitte