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Selbstbehauptung

Autorenbild: C*
C*
30. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.





















Selbstbehauptung ist eine wesentliche Fähigkeit, um eigene Ansichten, einen eigenen Standpunkt und eigene Rechte durchzusetzen, und zugleich sein DU zu achten.


Selbstbehauptung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fertigkeit, die durch Erfahrungen erlernt und beständig geübt werden kann. Dabei ist auch wichtig, rhetorisch Sicherheit zu erlangen, um sich einer Situation verbal angemessen stellen zu können.

Besonders in Situationen mit Gegenwind ist es essenziell, wertschätzend und sicher zu sich selbst zu stehen.

Daher meine ich auch, dass es sehr wichtig ist, Kindern Raum zu geben, damit sie lernen können, ihre Wünsche und Meinungen gegenüber Eltern, Geschwistern, Lehrer*innen, aber auch im Freundeskreis zu vertreten, ohne dominant oder schüchtern zu sein.

Ich beobachte manchmal an mir selbst, dass ich nicht immer das richtige Maß zwischen Durchsetzungsvermögen und Rücksichtnahme finden kann: Obwohl ich meine eigenen Werte und meine Ressourcen kenne und auch gut dazu stehen kann, passiert es mir noch, dass mich andere Menschen mit ihren (unfairen) Vorwürfen derart überrollen, dass mir im ersten Augenblick die sogenannte Spucke wegbleibt, sodass mir Worte in diesen Situationen fehlen.

Mir mangelt es keinesfalls an Mut oder an Ausdrucksvermögen, um klarzulegen, was Sache ist. Wenn mich allerdings eine Verhaltensweise oder eine Aussage trifft, mit der ich überhaupt nicht rechnen konnte, reagiere ich verzögert oder zu verhalten. Ich lasse meinem DU oft mehr Raum, als ich mir diesen selbst zugestehe  - und das ärgert mich.


Letzte Woche ist so etwas passiert. Es wurde ein Vorwurf an mich herangetragen, der für mich völlig überraschend war. Ich war äußerst verblüfft, als mir eine Person an den Kopf warf, dass ich Witze über Gott mache. Als ich das hörte, konnte ich mir überhaupt keinen Reim daraufmachen; ich war ratlos, denn es gab keine Situation, die mir dazu eingefallen wäre. Ich war beinahe sprachlos und als ich dann doch Worte fand, wollte ich wissen, in welcher Situation dies angeblich stattgefunden habe. Und da stellte sich tatsächlich heraus, dass jemand anderer diesen Witz ausgesprochen hatte - ich konnte mich dann auch wieder daran erinnern.

Ich bin immer noch baff, wie es sein kann, dass ein derart gottgläubiger Mensch mir einreden wollte, ich hätte mich da schuldig gemacht, obwohl diese Person ganz genau wusste, wer tatsächlich gewitzelt hatte - sie hat es nach ihrem Vorwurf an mich sogar zugegeben. Wenn ich ehrlich bin, war der Witz in meiner Einschätzung kein besonders schlimmer, aber ich nehme zur Kenntnis, dass sich jemand davon verletzt fühlen kann.

Ich fand diesen Vorwurf insbesondere auch deshalb so grotesk, weil ich immer ganz besonders darauf achte, niemanden in seiner Gottgläubigkeit zu verletzen. Das ist auch schon aufgefallen. Mit Sicherheit kann mir ein Fauxpas passieren, aber hier war das eindeutig nicht der Fall.


Was ich auch überhaupt nicht leiden kann, ist, wenn mich jemand nicht ausreden lässt und mir ständig ins Wort fällt - oder wenn aus dem Off Bemerkungen nach vorne dringen.

So ist es mir seit Jahren kaum mehr möglich, ein Telefonat unter vier Ohren mit meiner Schwester zu führen. Ständig involviert sie ihren Mann, meinen Schwager (den ich grundlegend sehr schätze), damit er aus dem Hintergrund seinen Senf beigibt - wobei klar ist, dass mein Schwager meine Schwester stets unterstützt: Es ist, als wären die beiden eine Person - die grundsätzlich mit einer Zunge sprechen. Dieses Verhalten habe ich auch schon angesprochen - es bleibt allerdings unverändert und trägt dazu bei, dass mein Vertrauen zu meiner Schwester, das einst uneingeschränkt war, step by step verlorengeht. Alles, was wir besprechen, geht an meinen Schwager weiter. Und noch viel mehr, auch lange Zurückliegendes macht Runden in einer Art Dauerschleife. Es ist, als müsste sich meine Schwester ständig rückversichern, dass ihre Meinung - und zwar nur ihre Meinung - richtig ist. Ich versuche daher öfter, meine Schwester zeitlich so zu erreichen, dass wir untereinander sprechen können. Wenigstens kann ich in solchen Momenten allein mit ihr sprechen - dabei ist mir allerdings sehr wohl klar, dass Besprochenes sowieso wieder direkt beim Gatten landet, und zwar schon in einer interpretierten Form von Gehörtem.


Ich gebe mein Bestes, um sowohl selbstsicher wie auch fair zu kommunizieren, bestimmt gelingt es mir nicht immer. Ich merke aber ebenso deutlich, dass mir Gegenwind, mit dem ich nicht rechnen kann, noch aufzeigt, woran ich weiter üben darf.


Foto: C* #Menschen #DU

 
 
 

6 Kommentare


nandana
01. Sept.

Liebe C Stern,

mein Durchsetzungsvermögen in manchen Situationen lässt oft sehr zu wünschen übrig.

Und jedes Mal ärgere ich mich hinterher, dass ich mal wieder zu viel auf Rücksichtnahme

geachtet habe.

Trotzdem bin ich aber ein Mensch, der schon mal die Meinung sagen kann, wenn mir mal etwas nicht passt (ich vergesse aber auch nicht, zu loben bzw. ein positives Feedback zu geben, wenn ich mit etwas zufrieden bin). Aber ich glaube auch, dass es einfach nur die unvorhersehbaren Momente sind und man nicht darauf vorbereitet ist.

Ich arbeite daran…

 

Auch mag ich überhaupt nicht, wenn mir einer ins Wort fällt und mich nicht aussprechen lässt. Ich finde, dass das in letzter Zeit schlimmer geworden ist – oder ist…


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C*
C*
vor 7 Tagen
Antwort an

Danke für Deine Schilderungen, liebe Traudi!

Offensichtlich kennen wir das beide - Rücksichtnahme auf andere, die das eigene Wohlbefinden manchmal hintanstellen lässt. Es gibt allerdings sehr wohl Punkte, wo ich mich keinen Kompromissen mehr aussetze: Wenn es zum Beispiel um Verwandtschaftstreffen geht, die ich inzwischen aus mehreren Gründen meide. Hier bleibe ich konsequent, weil ich merke, dass mir diese Zusammenkünfte nicht mehr guttun.

Definitiv sind es bei mir auch unvorhergesehene Momente, in denen klärende Worte angebracht wären, die ich allerdings aufgrund akuter Sprachlosigkeit nicht sofort richtig adressieren kann. Jedenfalls habe ich noch einmal mit der betreffenden Person zum Thema gemacht, dass ich keine Witze über Gott mache. Dieser Vorwurf hat mich richtig verblüfft - und erst recht, dass ich zum…

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Jutta Urbat
Jutta Urbat
31. Aug.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen haben es manchmal in sich. Auf plötzliche, ganz unerwartete Sachen reagiere mitunter völlig verkehrt und das ärgert mich hinterher oft mehr als die Sache selbst. Aber ich habe im Laufe auch schon gelernt und bin manchen Dingen gegenüber gelassener geworden. Man muss sich nicht immer die Jacke anziehen, die einem gereicht wird.

Liebe Grüße - Jutta

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C*
C*
31. Aug.
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Liebe Jutta,

Deinem ersten Satz stimme ich gleich mal kräftig zu.

Stw. plötzlich & unerwartet - so erlebe ich mein Verhalten ebenfalls in manchen Situationen, ich kenne diesen Ärger darüber. Die Sache selbst ist, so wie Du es schreibst, mitunter gar nicht so aufreibend.

Stimmt, es wäre gut, wenn einem solch gereichte Jacken einfach überhaupt nicht passen.

Auf eine gute Woche & liebe Grüße, C Stern

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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
31. Aug.

Das ist ein schmaler Grat, wie ich finde, zwischen Selbstsicherheit und Verunsicherung.

Und Selbstbehauptung kann schnell als Arroganz ausgelegt werden.

Schön, wenn man da die Balance behält und achtsam voran schreitet.

Einen lieben Gruss zum Wochenbeginn, Brigitte

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C*
C*
31. Aug.
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Liebe Brigitte,

danke für Deine Sichtweise.

Ich erlebe grundsätzlich Kommunikation immer wieder als Gratwanderung - besonders mit Menschen, die dazu neigen, Gehörtes auf ihre Weise neu zu interpretieren und in dieser Form auch weiterzugeben.

Ich merke ebenso, dass ich zunehmend mit alten Kamellen abschließe. Dazu fällt mir auch auf, dass ich in diesem Zusammenhang meinen Erinnerungsspeicher automatisch entlaste. Wenn dann Sätze (in Form von Vorhaltungen) auftauchen, die ich vor dreißig, fünfunddreißig oder gar vierzig Jahren (angeblich) gesagt habe, dauert es länger, bis ich eine Situation wieder erinnere und dann auch weiß, was Sache war. Ich bin der Meinung, irgendwann ist alles gesagt und man muss nicht wieder Altes aufwärmen. Vielleicht haben manche Leute ihre Freude(?) daran.

Arroganz ist auch so…

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