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Schwesternliebe

Autorenbild: C*
C*
vor 1 Stunde
5 Min. Lesezeit



Eine Umarmung von meiner Schwester, die mir das Gefühl gibt

Was immer passiert in Deinem Leben, ich bin für Dich da

Was immer Du mir erzählst, Du kannst mir vertrauen

Wenn wir einmal nicht gleicher Meinung sind, an meiner Liebe zu Dir wird sich niemals etwas ändern,

so eine liebevolle Umarmung vermisse ich seit einigen Jahren.

Schwesterherz, so hat eine die andere mit inniger Liebe bedacht, wie gut, dass wir beide als Schwestern geboren wurden. Zusammen stehen wir auch Schwieriges miteinander durch.


Ein Herz und eine Seele - es war einmal ...

In den ersten Monaten, als sich unsere Beziehung veränderte, war das zunächst ein eher schleichender Prozess. Die Harmonie zwischen uns, die uns seit Jahren wie ein wärmender Kokon umgab, begann zu bröckeln - ich kann den Zeitpunkt der beginnenden Veränderungen eindeutig festmachen. Ich bemerkte diesen Prozess zunächst in wenigen, mit der Zeit aber in immer mehr Momenten. Auch, dass wir kaum mehr Gespräche führten, die nur zwischen vier Ohren stattfanden, fiel mir auf. Im Hintergrund wurde häufig vom Schwager mitgeredet, was mich nicht nur akustisch irritierte. Die Themen unserer Telefonate waren inzwischen andere, was zum einen verständlich für mich war (die gesundheitliche Situation unserer Eltern wurde nun Sorge zwischen uns), andererseits auch befremdlich, denn unsere vertrauten Momente rückten auf diese Weise immer weiter aus dem Blickfeld, dafür blieb keine Zeit. Meine Schwester nahm ihre Mutterpflichten mit viel Bedacht an, allerdings spürte ich ihren einst so offenen Blick auf die Welt als einen eingegrenzten. Als Frau, die kein eigenes Kind hat, war ich keine geeignete Ansprechpartnerin mehr, so kam das mehr und mehr bei mir an, auch in verbalen Andeutungen.

Die fröhliche Leichtigkeit, das Lachen, die tiefen und vertraulichen Themen, über die wir oft sprachen, sie rückten immer deutlicher ab, bis kaum noch etwas davon blieb.

Meine Meinung wurde nicht mehr als bereichernd erlebt, im Gegenteil, meine Erfahrungen, meine Sicht auf das Leben, meine Gedanken wurden immer schärfer kritisiert oder der Lächerlichkeit preisgegeben. In den Ton meiner Schwester schlich sich ihre Mutterschaft ganz deutlich als Überlegenheit ein, ich erlebte zunehmend, dass sie ihre Meinungen zu vielen Themen mit Vehemenz einbrachte und diese auch wiederholt mit den gleichen Floskeln abschließend untermauerte: Mir schien, ihre Sichtweisen seien in Stein gemeißelt. Ihre Rhetorik hatte sich auf erschreckende Weise verändert - und ich nahm ihre Distanz zu mir auch an ihrem Wesen wahr, was mich zunehmend irritierte, frustrierte, traurig aber auch sehr wütend machte. (Auch fiel mir eine oft gnadenlose Kritiksucht an anderen Menschen auf, die ich an ihr früher nie wahrgenommen hatte.)

Ich such(t)e immer wieder nach meinen Anteilen in diesen Entwicklungen und ich fragte auch danach. Es kamen Vorwürfe bei mir an, die ich befremdlich fand. Vieles, wovon sie sich früher laut eigenen Angaben sehr inspiriert fühlte, wurde auf einmal ins Gegenteil gekehrt. Das Bild, das sie nun von mir mit herben und verletzenden Worten zeichnete, war das einer schrägen Person, die nicht am Boden der Tatsachen zu stehen vermag und den Kopf in den Wolken hat: Eine esoterische Spinnerin, das stand im Raum, und wörtlich meinte sie, ich hätte sie dazu verleitet, sich mit solchen Büchern zu beschäftigen (die sie einst als äußerst bereichernd empfand und mir das auch vielfach so rückmeldete). Auch wurden Vorwürfe laut, ich hätte sie nicht ausreichend in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Sohnes unterstützt. Das macht mich heute noch fassungslos, denn ich freute mich darauf, Mutter und Kind nach der Geburt auf der Geburtenstation zu besuchen - meine Schwester ließ mich jedoch wissen, dass sie ihre Ruhe wollte. (Ob sie sich noch daran erinnern kann? Ich bin mir da nicht sicher ... Mir fiel wiederholt auf, dass sie manches verdrängt.) Mein Onkel und meine Tante waren gemeinsam mit meinen Eltern da, während ich mich respektvoll und nichtsahnend zurückhielt. Eines Tages erfuhr ich von ihr selbst auch davon, dass ihre Freundin ebenfalls da war, um den neuen Erdenbürger zu begrüßen - ich war sehr traurig.

Als ein Geschenk erhielt meine Schwester zu einem späteren Zeitpunkt einen Bilderrahmen von mir, der mit persönlich kreierten Zeitgutscheinen bestückt war. Ich wollte das Eltern- und Liebespaar dabei unterstützen, ein paar Stunden etwas gemeinsam zu unternehmen. Wurde nie zum Thema ... auch nicht, als ich mein Angebot aussprach.

Wahr ist, dass ich einmal früher als geplant gehen musste, weil mich mein häufig schreiender kleiner Baby-Neffe überforderte. Ist das unverzeihlich? Meine Arbeit mit Kindern war für mich zu diesem Zeitpunkt oft sehr belastend, weshalb ich an Wochenenden dringend nach Erholung suchte, weil ich bereits sehr lärmempfindlich war.


Das Verschwinden unserer schwesterlichen Gemeinschaft ist etwas, dem ich mehrere Jahre hilflos gegenüberstand, inzwischen gehe ich einigermaßen gelassen damit um. Nicht immer schaffe ich es, unserere frühere so vertraute Verbindung nicht zu vermissen. Erst gestern habe ich wieder in unseren Briefen und E-Mails gelesen, die wir uns so gerne und voller Vertrauen geschrieben haben. So viele Bekundungen über unsere Freude an unserer besonderen Schwesternliebe, auch unsere große Dankbarkeit dafür ist da zu lesen. Ich freue mich auf morgen, wenn wir uns sehen. Du tust mir so gut - Worte meiner Schwester. Über all diesen Zeilen, auch über meinen eigenen an sie, so reichlich vorhanden, trauere ich um eine vertraute Liebe, die ich nicht mehr spüren kann. Auch in mir ist sie verschüttet, zuviel Unrat wird weiterhin darauf gehäuft. Manchmal ist soviel Wut in mir, dass ich schreien könnte: So einiges, was von mir kommt, wird abgewertet. Das erlebt auch mein Partner, der beobachtet. Der Schmerz über diesen Liebes- und Vertrauensverlust sitzt tief.

Worin ich mich auch schuldig gemacht haben mag, ich kann es nicht mehr ändern. Selbst Ereignisse oder Begebenheiten, die in Kindheit und Jugend zurückreichen, werden seitens meiner Schwester, wenn ein Gespräch eskaliert, aufgewärmt (manche Begebenheiten habe ich längst vergessen, wohl auch, weil ich ihnen keine so große Bedeutung gab, auch bin ich nicht besonders nachtragend). Ich versuche, Ereignisse zu greifen, nach längerem Nachdenken und Herleiten von Begebenheiten werden Erinnerungen wach. Manches habe ich anders wahrgenommen und wohl in den letzten Winkel meiner Seele verschoben.

Besonders nachteilig wurde mir in der Vergangenheit wiederholt angerechnet, dass ich mich einige Jahre mit meinem Vater traf, ohne Beisein meiner Mutter. Von ihr habe ich viele Jahre gehört, was sie verletzt und traurig gemacht hat. Der puren Fairness halber hatte ich das Bedürfnis, meinem Vater zuzuhören, auch wollte ich ihn besser kennenlernen. Meine Schwester wusste davon, sie schien es zwar nicht gutzuheißen, es wurde aber kein größeres Problem zwischen uns. Als sie dann selbst Mutter war, sah sie noch deutlicher die Herausforderungen für unsere Mutter, als wir Kinder waren. Dann ging es los, sie warf mir die Treffen mit unserem Vater wiederholt an den Kopf, mit irritierenden Worten und viel Häme. Ob ich denn nicht vernehmen könne, wie sehr er mich manipulieren würde? Dass sie ihrerseits nur die Sicht meiner Mutter vernehmen mochte, ist doch auch eine Folge von Manipulation - so scheint es mir jedenfalls der Fall zu sein.

Ich bin mir zumindest in dieser Hinsicht keiner Schuld bewusst, mich mit meinem Vater getroffen zu haben. Ich habe niemandem damit geschadet. Wenn, dann mir selbst, denn vieles, was ich da zu hören bekam, war emotional sehr anstrengend für mich.


Vielleicht müssen wir alt werden oder einsichtiger, um wieder zu einer Verbundenheit zu finden. Vielleicht muss der Wert einer liebevollen Schwesternschaft wieder deutlicher zu Tage treten. Vielleicht - vielleicht ... Ein Herz und eine Seele - können wir das wieder einmal werden?


Bild: mit Unterstützung von KI erstellt #Liebe #Seele

 
 
 

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