top of page

Kindheitsabende

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 13. Juni
  • 3 Min. Lesezeit



In meiner Kindheit und Jugend gab es ein strenges elterliches Regiment, auch was Fernsehsendungen betraf. Ohnehin gab es damals eine sehr überschaubare Auswahl an Sendern - in Österreich lächelten in diesen Jahren noch freundliche Programmansagerinnen von den Bildschirmen. Inzwischen sind sie längst Vergangenheit.

Für eine Samstagabendsendung versammelte sich die gesamte Familie vor dem Fernseher: Eine Show, die nicht nur bei beiden Eltern Anklang fand, sondern auch bei uns Kindern, war Hans-Joachim Kulenkampffs Einer wird gewinnen. Diese Samstagabendsendung mit großer Reichweite, damals auch unter EWG bekannt, muss nicht groß beschrieben werden, in Deutschland und Österreich galt sie als regelrechter Straßenfeger: Einschaltquoten (jedenfalls in Deutschland) bis zu 90 Prozent sind heute weit entfernte Traumwerte. Reichlich schlagfertig und pointiert moderierte Kuli den Abend, das brachte Freude und viele Lacher mit sich. Gute Stimmung im Elternhaus, das gab es nicht allzu oft.

Was einige Jahre später Frank Elstner und auch Thomas Gottschalk vollbrachten, schaffte der große Unterhalter locker bereits zwischen 1979 und 1987: Die Sendung ging regelmäßig in die Verlängerung, was ein späteres Zubettgehen gerade noch so rechtfertigte.


Das war spitze - wer kennt diesen begeisterten Ausruf eines gewissen Hans Rosenthal nicht? Dann wird's jetzt Zeit - Dalli Dalli: Vom 13. Mai 1971 bis zum 11. September 1986 entstanden 153 Sendungen unter dem legendären Quizmeister. Meinen Beitrag Zwei Leben habe ich Hans Rosenthal gewidmet, Teil eins seines Lebens zeugt von einer dramatischen Kindheit und Jugend in Deutschland.

Sowohl für Einer wird gewinnen wie auch für Dalli Dalli gilt, dass hier durchaus das Allgemeinwissen erweitert werden konnte. Vielleicht auch ein Grund, warum wir als Kinder und Jugendliche diese Sendungen sehen durften.


Ab 1981 gab es eine weitere Show, der wir gerne gefolgt sind: Als Frank Elstner Wetten, dass? erfand und moderierte, saßen wir ebenfalls zu viert auf der Wohnzimmercouch und fieberten mit den Kandidat*innen mit. Der in Linz geborene Elstner war mir als Moderator viel lieber als Thomas Gottschalk, dessen Flapsigkeiten oft in Frechheiten ausartete. In Gottschalks Zeit fanden jedenfalls vor allem die Showeinlagen unsere jugendliche Zustimmung.


Wenn ich eine Zeitreise in meine Kindheit mache, denke ich natürlich auch an wunderbare Zeiten im Haus meiner Großeltern. Es gibt Erinnerungen, die erfreulicherweise nicht verblassen: Bevor wir endgültig unter der nach Kernseife riechenden karierten oder geblümten Bettwäsche meiner Großmutter verschwanden, versuchten wir oft, nach dem obligatorischen Abendgebet einen Blick in das laufende Fernsehprogramm zu erhaschen. Das gelang nur, wenn Oma und Opa vor dem Fernseher eingenickt waren. Dann schlichen wir uns an und versuchten - etwa unter einem Sessel versteckt -, einen Film mitzubekommen. Doch spätestens, wenn Oma aus ihrem Fernsehschlaf wieder in die abendliche Realität fand und uns entdeckte, war es vorbei mit dem Vergnügen. Und dann war auch unser Opa aufgewacht. Wenn unsere Oma entdeckte, dass sich ein Paar in einem Film küsste, dann war der Fernseher ganz schnell ausgeschaltet. So einen Anblick gönnte Oma nicht einmal unserem Opa.


Eine Kindersendung, die von 1955 bis 1995 als österreichische Radiosendung lief, war Das Traummännlein kommt. Kurz vor 19 Uhr wurden Märchen und Geschichten vorgelesen, danach war für uns als Volksschülerinnen Bettruhe angesagt. Die Geschichten hatten unterschiedliche Autor*innen - vermutlich eher wenigen Menschen dürfte bekannt sein, dass ein gewisser Jack Unterweger einige Geschichten für diese Sendung beisteuerte. Dieser Mann - ich kann es nicht verschweigen - war ein österreichischer Serienmörder, dem es als narzisstisch geprägte Persönlichkeit hervorragend gelang, viele Menschen zu täuschen. In seiner ersten Haftzeit entwickelte er sich zum sogenannten Häfenpoeten, der nach seiner vorzeitigen Entlassung von der High Society geradezu frenetisch gefeiert wurde.

Bestimmt war es auch seine Fantasie, die dazu beitrug, dass sich zahlreiche Menschen aus dem öffentlichen Leben für ihn eingesetzt haben. Doch das ist ein ganz anderes Kapitel ...


Fotos: C* - aus dem Archiv, einige Stunden auf dem Stehrerhof im Hausruckviertel verbracht, Oberösterreich

 
 
 

14 Kommentare


nandana
21. Juni

Liebe c Stern,

da bin ich wieder. Jetzt habe ich einiges nachzulesen.


Erst gestern habe ich zu meiner "Besseren Hälfte" gesagt (weil mich mal wieder das Samstag-Abend-Programm ärgerte), dass wir alle uns früher auf das Samstag-Programm freuten. Wie du schon schreibst: Kulenkampff, Rosental, Tölke usw. waren beliebt; alle saßen vor dem Fernseher und haben mitgefiebert und mitgeraten. Das heutige Programm ist nur noch katastrophal, es geht nur ums Geld machen. Ja, das waren noch Zeiten.


Deine Fotos erinnern mich an meinen Urlaub. Wir wohnten im Alten Forsthaus. Die Ausstattung der Ferienwohnung war ähnlich wie auf deinen Fotos.


Heute ist mein Kommentar etwas kurz; Blogrunde wartet.


Grüßle

Traudi


Gefällt mir
C*
C*
22. Juni
Antwort an

Liebe Traudi,

es ist ganz sicher wunderbar, im Urlaub in einem alten Forsthaus zu wohnen. Ich kann mir das lebhaft vorstellen, haben wir doch selbst einmal eine Woche im Juni (als alle im Tal unter enormer Hitze litten) auf 1600 m in einer Selbstversorgerhütte verbracht. Nur Almen, Wald, ein hübscher Kräutergarten, Pferde und Kühe - und ganz selten trafen wir auf Wandersleut'.

Da gab's auch keinen Strom, aber so viele Naturschönheiten, die wir untertags und in der Nacht beobachtet, eingesogen und genossen haben. Auch ein heftiges Gewitter haben wir damals erlebt - spannender als jede TV-Show, wenn man vom Berg aus viele Blitze beobachten kann.


Was das Fernsehen betrifft, könnte ich theoretisch jeden Abend etwas finden, was mich interessiert. Aber…

Gefällt mir

Mano Ka
Mano Ka
14. Juni

die sendungen, die du hier schilderst, kenne ich auch selbst noch aus meiner kindheit und jugend. es war wunderbar, gemeinsam diese sendungen zu schauen. es gab immer etwas zu knabbern und oft sogar limo zum trinken. was ich zu meinem großen bedauern nie gucken durfte, waren die edgar-wallace-filme. dabei redeten doch alle in der schule davon...

danke für die nette erinnerung!

liebe grüße von mano

Gefällt mir
C*
C*
14. Juni
Antwort an

So, wie Du Deine Abende schilderst, waren das ja schon fast Kino-Erlebnisse. An Limo und Knabbereien könnte ich mich an unseren Abenden gar nicht erinnern. Hätten selbstverständlich bestens dazugepasst 😉

Krimis waren damals "Der Alte" oder "Derrick" - wenn mein Vater noch nicht zuhause war, dann konnte ich diese gemeinsam mit meiner Mutter schauen. Edgar-Wallace-Filme finde ich manche heute in den Programmen. Die haben ja schon Kult-Status.

Ganz liebe Grüße


Bearbeitet
Gefällt mir

Edith Hornau
Edith Hornau
14. Juni

Eine Zeitreise, die meiner gleicht. Da war noch Begeisterung zu spüren. Heute mag man gar nicht so oft den Fernseher anstellen, tausendmal Wiederholungen, Märchen modernisiert, die so keine guten Märchen mehr sind, und Künstler, die sich oft schon festhalten müssen an irgendwas, weil sie mit ihrem sich Behaupten den jungen Künstlern gar keine Chance geben (so kommt es mir oft vor). Auch an Niveau fehlt es oft.

Aber ich will nicht nur meckern, es ist nur meine Sichtweise.

Und hier trifft irgendwie der Spruch: Früher wars schon oft besser, lächel...


Herzliche Grüße zu dir, du Liebe,

Edith


Gefällt mir
Edith Hornau
Edith Hornau
15. Juni
Antwort an

Stimmt, auch ich lese lieber die Märchen im Buch...

Nimm dir deine kleine Auszeit, ganz für dich, das ist ab und zu wichtig.

Herzlichst, Edith

Gefällt mir

Jutta Urbat
Jutta Urbat
13. Juni

Als meine Eltern sich den ersten Fernseher gekauft haben, war ich bereits 12 Jahre alt. An Einzelheiten kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern - wie lange und was ich mir anschauen durfte. An viele Sendungen und Filme kann ich mich noch gut erinnerrn. Wobei es später auch Zeiten gab, da ist man dann vermehrt ins Kino gegangen oder hat sich mit Freunden zum Tanzen getroffen. Wenn ich heute so zurückschaue, denke ich doch, dass ich eine schöne Kindheit hatte und die Eltern uns viele Freiheiten gelassen haben.

Liebe Grüße

Jutta

Gefällt mir
C*
C*
14. Juni
Antwort an

Ich kann mich eigentlich nur an eine Zeit mit Fernseher erinnern, und auch noch an Schwarz-Weiß-Bilder, zumindest bei den Großeltern. Der Unterschied zu heute ist wohl, dass gegenwärtig von Jugendlichen nicht viel im Fernsehen gesehen wird, sondern im Internet, was ich für sehr bedauerlich halte, die Auswirkungen kennen wir ja. Ich kenne auch Eltern, die ihre Kinder ganz vom Fernsehen fernhalten wollen, das ist vermutlich auch etwas überzogen. Es gäbe einiges, was ich als sehenswert einstufe.

Mein erster Kinofilm war wohl Superman.

Schicke herzliche Grüße nach Berlin, derzeit in einer fernsehlosen Phase ...

Gefällt mir

andreaobi
13. Juni

Den ersten Fernseher kauften meine Eltern, da war ich 10 Jahre alt. Es gab nur wenige Kindersendungen, aber die, die es gab, habe ich heiß geliebt. Die Figuren von damals, die Filme oder Sendungen, an alles kann ich mich so gut erinnern. Und ich liebte Western und Mantel-und-Degen-Filme, durfte die aber lange Zeit noch nicht anschauen. Höchstens, wenn mein Vater mal auf Dienstreise war oder bei meiner Oma.


Später dann die Unterhaltungssendungen, Krimiserien etc. ... ja, man wollte sie nicht missen.

1987, als ich in den Westen zog, kamen natürlich viele neue hinzu. Vor Internet habe ich auch viel mehr ferngesehen. Ich frage mich heute manchmal, woher ich die Zeit genommen habe. Aber wenn man einmal Blut geleckt hatte bei…


Gefällt mir
andreaobi
15. Juni
Antwort an

Lesen ist etwas wunderbares. Ich vermisse es wirklich so sehr. Zumal es so viele wunderbare Bücher gibt und auch in meinen vielen Bücherregalen noch so viele darauf warten, in die Hand genommen zu werden. Schade, dass es durch meine Erkrankung nicht mehr möglich ist.

Genieße es, liebe C Stern! Es ist wunderbar, wenn du auf diese Weise abschalten und die Sorgen für einen Moment vergessen kannst!

Gefällt mir
bottom of page