Schäfchen zählen
- C*

- vor 4 Stunden
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Neulich, als mir Somnus wieder einmal keine Aufmerksamkeit schenken wollte, lag ich einige Stunden wach. Meine Augenlider wurden einfach nicht schwer, sie schlossen sich nicht. Sollte ich etwa Schäfchen zählen?
Es heißt, dass Hirten, die keine menschliche Gesellschaft haben, abends ihre Schafherde zählen – darüber sollen sie dann einschlafen.
Es waren keine sorgenvollen Überlegungen, die sich in der Dunkelheit an mich herangemacht haben, vielmehr ergab sich ganz ungezwungen ein gar buntes Potpourri an Gedanken und Fragen. Neben Überlegungen darüber, was ich schon lange nicht mehr gekocht habe, kamen mir aber auch bedeutsamere Themen des Lebens in den Sinn.
Gibt es eine große Liebe?
Große Liebe - kann Liebe an ihrer Größe gemessen werden?
Romantische Konzepte neigen dazu, die große Liebe als ultimativen Gipfel menschlicher Erfahrung zu verherrlichen. Doch im Gegensatz zur Verliebtheit ist Liebe nicht lautes Tosen, sondern ein leiser, beständiger Fluss.
Liebe zeigt sich im Vertrauen, an wechselseitiger Anerkennung und Unterstützung wie auch am Gemeinsamen, das beständig wächst. Liebe äußert sich nicht in dramatischen Gesten, sondern in der Freiheit, authentisch zu sein.
Liebe ist ein Raum, in dem Wertschätzung immer eine Brücke zwischen zwei Menschen ist. Aus zwei wird eins und bleibt doch zwei - gemeinsam, zusammen und dennoch frei, so die Worte in einer Hochzeitsanzeige.
Liebe ist nicht immer wie ein Schiff auf ruhiger See, doch sie wird auch nach Um- und Irrwegen immer einen Hafen finden. Liebe erfährt die Gezeiten im Meer des Lebens, sie wird sich davon aber nicht irritieren lassen.
Während die Gedanken munter weiterflossen, mal hierhin und mal dorthin, blickte ich um vier Uhr morgens zuletzt auf mein Handy. Irgendwann ließ sich Somnus doch noch herbei, mich mit seinen Armen zu umfangen und so schloss ich für etwa zwei Stunden meine Augen.
Ich gehöre übrigens zu jenen Menschen, die snoozen. Das bedeutet, dass sich Menschen morgens sozusagen etappenweise vom Wecker oder Handy wecken lassen. Die erste Weckzeit wird also so eingestellt, dass man das Bett noch nicht verlassen muss: Ach, nur noch ein paar Minütchen, so starte ich gerne in den Tag. Mangels Wecker drücke ich also die Snooze-Taste auf meinem Handy - und dies nicht nur einmal. Dieses etappenweise Erwachen soll übrigens nicht gesund sein, darauf weisen Expert*innen hin. Weiters raten sie dazu, immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und zur gleichen Zeit aufzustehen. Der Vorteil: Der Körper weiß auf diese Weise genau, wann er das Schlafhormon Melatonin produzieren muss – und wir werden rechtzeitig müde. Klingt völlig logisch.
Foto: Pixabay, Tom - analogicus



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