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Neustart

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 21. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit


Jeden Tag gibt es die Chance, etwas im Leben anders zu machen.


Als ich Anfang Juli beschloss, nach einem siebenwöchigen Krankenstand das berufliche Dienen nach zwanzig Dienstjahren in Sozialberufen endgültig an den Nagel zu hängen, war ich guter Dinge, mich nach dieser so wichtigen Entscheidung bald wieder besser zu fühlen. Das war allerdings erschreckenderweise nicht der Fall, denn der düstere Tunnel, in dem ich mich befand, hielt mich weiter eng umschlossen. Es war mit nicht mehr vorhandener Energie sehr herausfordernd für mich, rasch Schritte zu setzen, um eine berufliche Rehabilitation in Anspruch nehmen zu können. Dazu waren auch Kontakte mit dem AMS und einigen Sozialberatungsstellen nötig. Die Entscheidung, resultierend aus meiner belegten Krankengeschichte der letzten Jahren, fiel allerdings dann ziemlich rasch von Seiten der Zuständigen: Die berufliche Rehabilitation wurde mir genehmigt, was jedenfalls ein Aufatmen für mich brachte. Doch es sollten noch weitere sehr anstrengende Wochen vergehen, bis ich langsam in weiter Ferne einen schwachen Lichtschein am Ende des Tunnels wahrnehmen konnte. Seit Oktober kann ich einen Aufwärtstrend erkennen, aber ich wähle mein Tempo mit Bedacht. Es bleibt mir gar nichts anderes übrig.

Vor drei Wochen bekam ich einen Anruf, dass ich mit der beruflichen Rehabilitation beginnen könne. Etwas mulmig war mir schon zumute, ob der Zeitpunkt passend sei. Doch ich habe die Chance angenommen, was seit dieser Woche auch bedeutet hat, wieder zeitig aufzustehen. Das regelmäßige frühe Aufstehen stellte ich mir herausfordernd vor, aber ich bin nun von mir selbst überrascht: Es gelingt mir ganz gut, und ich bin relativ gelassen, wenn der Wecker um 5:45 Uhr läutet.

Meine ersten Tage waren bereits sehr aufschlussreich, ich bekomme ein Gefühl dafür, wo ich derzeit kräftemäßig stehe und wo meine Herausforderungen liegen. Es sind einige, denn es gibt nicht nur viel Neuland zu entdecken. Ich war immer sehr ehrgeizig, mir neues Wissen möglichst schnell anzueignen, doch ich akzeptiere, dass es im Moment einfach nicht möglich ist. Mein Gedächtnis ist noch auffällig zurückhaltend in seiner Leistung, mein Schreibtisch ist mit vielen Notizen eingedeckt.

Wichtig ist mir, in diesem geschützten Umfeld gesundheitlich wieder derart kräftig zu werden, dass mir neben einem oft fordernden Berufs- und Familienleben auch Energie für Freizeitaktivitäten, Hobbys und meinen Freundeskreis bleibt. Ebenso gilt es, wieder mit einer großen Portion Selbstvertrauen auf diverse Aufgabenbereiche zuzugehen. Ich möchte in der Zukunft wieder mit spannenden Aufgaben in der Büroorganisation zu tun haben. In meinen jungen Jahren haben mir solche Tätigkeiten auch viel Freude gemacht: Ich war gerne als Sachbearbeiterin oder Assistentin in einigen Unternehmen tätig.

Es hat sich jedenfalls viel in den letzten zwanzig Jahren auf diesem Gebiet getan, u.a. sind neue Programme, mit denen ich noch nie gearbeitet habe, zu bedienen. Das verursacht durchaus einige Anspannung bei mir und doch freue ich mich über jeden kleinen Erfolg. Mein Rückblick auf meine erste Woche meiner beruflichen Rehabilitation ist insgesamt positiv. Auch in menschlicher Hinsicht bin ich gut angekommen.


Wenn ich zurückblicke auf mein bewegtes Berufsleben, wird mir klar, dass ich immer wieder vor großen Herausforderungen stand. Ich habe Erfahrungen gemacht, die alles andere als angenehm waren, aber sie haben mir auch eine gewisse Lebensreife ermöglicht. Ich musste in 35 Berufsjahren einige Male Entscheidungen treffen, die zu Kündigungen führten, wenn eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Kolleg*innen auch mit viel persönlicher Mühe und Herzblut nicht mehr möglich war. Meine Entscheidungen habe ich - im Rückblick ist mir das klar - jedoch immer zu spät getroffen und stets aus einem längeren Krankenstand heraus. Existenzängste haben dazu geführt, dass ich nicht auf meine psychische und physische Gesundheit geachtet habe.

Ich bin ein Mensch, der sehr gerne selbstverantwortlich und exakt arbeitet, ich fühle mich aber auch in einem Team wohl, wenn Arbeitsbereiche klar aufgeteilt sind. Leider sind traumhafte Bedingungen am ersten Arbeitsmarkt nur rar gesät. Doch im Moment ist das ohnehin Zukunftsmusik.


Foto: C*

 
 
 

10 Kommentare


Annette Mertens
Annette Mertens
25. Nov. 2025

Hallo liebe C., alles Gute für all das, was da in nächster Zeit auf dich zukommt 🍀😊🤍Herzliche Grüße, Annette

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C*
C*
25. Nov. 2025
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Herzensdank, liebe Annette! Gute Wünsche nehme ich so gerne an,

ganz liebe Grüße 🌺

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Edith Hornau
Edith Hornau
22. Nov. 2025

Du Liebe, dein Selbstvertrauen war und ist da. Es war eine gute Voraussetzung, überhaupt wieder an Arbeit zu denken. Kopf hoch, Bauch rein und Schritt für Schritt - dies sind gute Aussichten. Ja klar, die Zeit ist vorangeschritten, mit ihr der Fortschritt, und wenn es nur in den technischen Dingen ist. Ein Dazulernen ist Voraussetzung. Doch wo ein Wille, ist ein Weg.

C Stern, weiter so, du spürst selbst, es tut dir gut, dich einzubringen, dir und anderen zu zeigen, du bist noch da. Ja, ich gratuliere dir für jeden Tag.

Herzliche Grüße,

Edith

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C*
C*
22. Nov. 2025
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Liebe Edith,

so habe ich das noch nicht gesehen, dass (ein Funke?) Selbstvertrauen vorhanden war. So betrachtet ist das ein ganz neuer Aspekt für mich. Herzlichen Dank für Deine wertvolle Rückmeldung!

Diese Erfahrung mache ich ebenso, es braucht den Willen, dann tun sich Wege auf. Ich muss mir das einfach wieder mal ganz klar bewusstmachen, es hat sich immer wieder so gezeigt.

Ja, ich habe Freude, wieder dazusein.

Herzensgruß, C Stern

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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
22. Nov. 2025

Mir scheint, liebe C Stern, du bist auf einem guten Weg in eine gangbare und den Kräften angemessene Zukunft. Mögen dich deine Anstrengungen und Wünsche und also deine nächsten Schritte zu Freude und Zufriedenheit führen!

Ich wünsche dir jede Unterstützung und Chance dafür.

Lieben Gruss, Brigitte

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C*
C*
22. Nov. 2025
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Ich freue mich über jeden Zuspruch, liebe Brigitte!

Ich bin nun wieder zuversichtlicher, viel Unterstützung gibt es auch - ich nütze sämtliche Angebote, die mit meiner Reha einhergehen. Es macht soviel Freude, am Leben wieder teilnehmen zu können, wenn auch noch nicht vollumfänglich.

Herzliche Grüße in die schöne Schweiz, C Stern

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Jutta Urbat
Jutta Urbat
21. Nov. 2025

Auch wenn es sicher noch ein Weilchen dauern und in kleinen Schritten vorwärts geht, hört sich das doch schon mal sehr gut an.

Ich wünsche dir von Herzen alles erdenklich Gute und die entsprechende Unterstützung für ein gutes Gelingen.

Liebe Grüße

Jutta


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C*
C*
22. Nov. 2025
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Liebe Jutta,

ich weiß die kleinen Schritte sehr zu schätzen, denn vor einigen Monaten waren selbst diese nicht vorstellbar für mich.

Und ich sehe, wie viele sehr junge Menschen bereits betroffen sind - und dabei verallgemeinern manche, die Jungen würden sich heutzutage nicht fürs Arbeiten interessieren und lieber ihre Work-Life-Balance pflegen.

Herzlichen Dank für Deinen Zuspruch und ein schönes Wochenende Dir! C Stern

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Roswitha
Roswitha
21. Nov. 2025

liebe c stern, viel kraft und auch freundliche zuwendung wünsche ich dir. möge gelingen, was du dir wünschst. ich glaube, du wünschst dir etwas, was nur ganz selten klappt: selbstverantwortliches arbeiten in einem team mit klaren zuständigkeiten. gerade im sozialbereich gibt es fast immer viele menschen, die mitbestimmen möchten, geldgeber, eltern, besserwisser ohne ahnung in funktionen, ... , so werden gerade sensible menschen "verbraucht". ich habe dann einfach kaufmännische büroarbeit zum geldverdienen gemacht und meine helfenden ideen privat (pflege) und ehrenamtlich im team ausgelebt. es wäre wunderbar, wenn es bei dir klappt, nur mut und vorsicht. herzlichen gruß, roswitha

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C*
C*
21. Nov. 2025
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Liebe Roswitha,

ich danke Dir von Herzen für Deine schöne Rückmeldung und Deine guten Wünsche!

Mir ist völlig klar, dass Teams, die toll interagieren, nur selten zusammenfinden. Dennoch habe ich so eine Zusammenarbeit erleben dürfen - eine über einige Jahre schöne und erfüllte Zeit des beruflichen Glücks.

Ansonst habe ich in meinen "dienenden Jahren" im Sozialbereich Dinge erlebt, die ich dort nicht vermutet hätte. Vor Jahren habe ich eine Psychotherapeutin, die auch Ärztin ist, gefragt, ob es sein könnte, dass man in sozialen Berufen gehäuft auf Narzisst*innen trifft. Ihre Antwort war ein ganz klares JA. Ich habe niemals schlimmeres Mobbing und Bossing als da erfahren und beobachtet.

Ich bin ganz bei Deinen Erkenntnissen, viele reden mit, auch solche, die keinen…

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