Mut ist ein Muskel
- C*

- 16. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Jan.

Mutig, neugierig und selbstbewusst blickt mein junges Ich in die Kamera.
Nichts scheint meine kleine Welt zu trüben, doch die Beziehung meiner Eltern war schon damals in eine echte Schieflage geraten.
Übermutig nannte mich meine Mutter oft, sie ermahnte mich drohend: Wer freitags lacht und samstags singt, der weint am Sonntag ganz bestimmt.
Wenn ich also freitags lache und samstags singe, dann muss ich am Sonntag dafür bezahlen. Selbstverständlich sind die Wochentage austauschbar.
Ein ganz furchtbarer Satz ist das, einer, der sich ganz locker in das sehr umfangreiche Kapitel der Schwarzen Pädagogik einreiht.
Das Schicksal meinte es in gewisser Hinsicht allerdings auch recht gut mit mir und so war ich bereits als Kind souverän darin, einige als typisch geltende Eigenschaften des Sternzeichens Löwe auszuleben. Es sollte sich auch bald herausstellen, dass ich gut und gern brüllte – meist jedoch vor Vergnügen. Schlechte Laune hatte ich selten – schon als kleines Mädchen war ich den vergnüglichen Seiten des Lebens sehr zugetan.
Ich nützte jede Gelegenheit, mich zu amüsieren. Schüchternheit war zu jener Zeit ein Fremdwort für mich. Ich versuchte jederzeit und allerorts, mit kleinen und großen Menschen in Kontakt zu treten. Ich erinnere mich, dass mir meine Mutter hin und wieder Angst vor Männern machen wollte. Sie fand, dass ich einfach zu vertrauensselig war. Sie musste mich bei Spaziergängen immer im Auge behalten und warnte mich stets davor, keine Süßigkeiten von fremden Männern anzunehmen – und schon gar nicht mit ihnen mitzugehen!
Ich kannte auch keine Scheu, vor Mamas Fotolinse zu treten und mich in Pose zu werfen – heute blicke ich mit einem Lächeln auf meine damaligen Fotomodell-Qualitäten zurück.
Mein Bild erinnert mich jeden Tag daran, dass Mut in mir drinnen wohnt und dass er sich bisher oft alles andere als winzig gezeigt hat - Löwenmut war und ist mein treuer Begleiter. In unzähligen Situationen habe ich diesen sowohl in meiner Jugend wie auch in meinem Erwachsenenleben unter Beweis gestellt, auch war mir Zivilcourage stets selbstverständlich.
Mein Wille, mich für die Belange anderer einzusetzen wie auch auf meine eigenen Anliegen zu achten, erschöpft sich nicht so leicht, er hat mich auch nicht verlassen - ich vernehme allerdings eine Kraftlosigkeit, die mich in den letzten Jahren immer deutlicher in den Hintergrund treten ließ, ich wurde still. Ich war sehr müde und es wurde mir schlicht zu mühsam, ständig Haltung einzunehmen.
Doch es gibt große Hoffnung, wieder zu erstarken. Ein Schritt nach dem anderen ...
Ich hatte übrigens nie vor, ein Foto von mir in meinen Blog einzustellen, doch dieses Kinderfoto darf sein :-) Meine Entscheidung fühlt sich gerade richtig an.
Meine Mutter war eine begeisterte Fotografin. Mir hat das Fotografiertwerden nur als kleines Kind gefallen. Später habe ich oft gestreikt, vor der Kamera Faxen gemacht, um mich nicht als Fotoobjekt zu eignen, und heute mag ich es gar nicht mehr.



Ich war als Kind gar nicht mutig und fröhlich, sondern ängstlich und still. Meine Sturheit (oder auch Unnachgiebigkeit) half mir, in manchen Dingen mich durchzusetzen. Ohnedies wäre ich nicht viel weiter gekommen. 😊
Ach, da hätte ich wieder so vieles dazu zu sagen und zu erzählen. Obwohl du ganz anders groß geworden bist, liebe C Stern, gibt es doch einige Parallelen.
Ja, die alten Sprüche, zum Teil mochte und mag ich sie zur Belustigung, so wie die alten Wetterregeln und alte Rituale z.B., an die man sich halt halten kann oder nicht.
Die Warnung vor Fremden habe ich allerdings immer ernst genommen und auch meinen Kindern ans Herz gelegt. Zum Glück gab es nie irgendwelche Vorkommnisse.
Bei dir war es die Mama, bei mir der Papa, dessen Hobby die Fotografie und das Filmen war. Meine Mama hat gern geschrieben, auch Kurzgeschichten für Zeitschriften.
Mutig war ich allerdings nie, eher ein Angsthase, hab das…
Das ist wirklich ein richtig schönes Foto. Deine Mutter konnte es. Solche Sprüche kannte ich als Kind nur von meinen alten Tanten oder verbiesterten Nachbarn. Die sah ich auch so und habe die Sprüche nie ernst genommen. Es war gut so. Mutig war ich als Kind auch, musste Schwächere immer verteidigen und habe mich auch in Prügeleien eingemischt. Später landete ich in einem DRK-Sanitätszug. Das passte. Liebe Chris, ich schicke dir liebe Grüße.
Bei uns hieß der Spruch: "Wenn's dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis:" oder "Mädchen, die pfeifen und Hühner, die kräh'n, wird man beizeiten die Hälse umdrehen." "Krause Haare, krauser Sinn, mitten steckt der Düvel drin." Es gibt sicher noch eine Menge solch "pädagogischer Weisheiten" mit denen wir aufgewachsen sind. Legen wir sie ab, wir brauchen sie nicht, haben sie nie gebraucht! Liebe Grüße
Ja, die sogenannte schwarze Pädagogik ... ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen man mit Erziehung andere Werte verbunden hat als heute. Eigentlich muss man sich nicht wundern, dass die Welt so ist wie sie ist.
Aber, ein großes ABER: schon in dem kleinen Mädchen von damals waren sehr gute Anlagen vorhanden. Alles das, was glückliches Menschsein ausmacht, ist in Kindern sichtbar. Und gerade das macht sie für Menschen, die das "Erziehungssystem" bereits durchlaufen haben ein Stück weit gefährlich. Und nur so, denke ich mir, konnten Sätze, wie der von deiner Mutter entstehen und weitergegeben werden.
Erinnere dich an das kleine Mädchen, seine Freude, seine Lebenslust und lasse das dein Leitspruch für ein gutes Leben sein.
Herzliche Grüße
Erika