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Lautstark

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden




Ganz leise wiegt die Mohnblume sich mit dem Hauch des Windes, sie protzt nicht - und berührt dennoch so viele Menschen mit ihrem feinen und doch so leuchtenden Lächeln - ganz nach den Worten von Konstantin Wecker:


Es sind nicht immer die Lauten stark,

nur weil sie lautstark sind.

Es gibt so viele, denen das Leben

ganz leise viel echter gelingt.

Die stehen nicht auf Bühnen,

füllen keine Feuilletons,

die kämpfen auf schwereren Plätzen.


Es gibt so viele Menschen, die in Berufen arbeiten, von denen ich nur eine leise Ahnung habe, wie anstrengend sie sein können. Jedes Mal, wenn ich in einem Supermarkt vor der Kasse stehe, bewundere ich, dass Menschen tagein, tagaus und stundenlang in möglichst schneller Geschwindigkeit Waren über den Preisscanner ziehen und dazu noch viele Preise im Kopf haben. Auch die richtigen Beträge müssen beim Herausgeben in maximaler Geschwindigkeit beachtet werden; so, wie es auch zum Job gehört, erhitzte Gemüter zu besänftigen, wenn mal wieder jemand ungeduldig in einer wahren Menschenschlange vor einer Kasse steht. Auch Regale sollen möglichst rasch geschlichtet sein, dort oder da müssen Böden von Glasscherben befreit werden, weil wieder mal jemand ein Lebensmittelglas fallen ließ.

Ich schätze Menschen, die einen Beruf wie diesen ausüben. Ich könnte diesen Beruf der Kassenfachkraft nicht ausüben, ich empfinde ihn als sehr anstrengend und hätte nicht den Kopf dazu.


Gleiches gilt für Menschen, die alte und kranke Menschen pflegen: Es ist dieser Beruf nicht nur eine körperliche Anstrengung, er schlägt vielen Betreuenden auch aufs Gemüt, vor allem, wenn man viele Jahre in einer Pflegeeinrichtung arbeitet. Daher gibt es in diesem Bereich auch zahlreiche Krankenstände, was nicht nur für den Betroffenen eine Herausforderung bedeutet, sondern auch für die Kolleg*innen, die noch mehr Arbeitskraft investieren müssen. Und dabei sollten die Pflegekräfte auch immer ein offenes Ohr für Angehörige haben, man erwartet vielfach auch immerzu ein freundliches Lächeln für die Heimbewohner*innen usw. Auch jene Menschen, die in diesem Berufsfeld arbeiten, achte ich sehr. Und ich habe auch Verständnis dafür, dass Kräfte schwinden können.


Umso mehr fühle ich mich irritiert, wenn ich boshafte und menschenverachtende Kommentare höre - wie ein solcher Kommentar lautstark und voller Empörung in aller Regelmäßigkeit via Telefon an mein Ohr dringt: Wenn es "XY" in der Pflege nicht mehr freut, dann soll sie eben in einem Supermarkt Regale schlichten.

Ich kann diesen Satz nicht mehr hören - vielleicht platze ich demnächst.

XY ist natürlich eine konkrete Person - eine, die sich vermutlich von der Arbeit aufgesaugt fühlt, wie wohl unzählige andere Menschen in der Pflegebranche auch. Viele Kolleg*innen haben inzwischen gekündigt, andere befinden sich in Langzeitkrankenständen. Man bekommt es mit, das Betriebsklima leidet spürbar. Natürlich sind das keine tollen Voraussetzungen - aber es kommt häufig genau so vor. Ich habe Mitgefühl für Menschen, die sich tagtäglich unter solchen Umständen an ihren Arbeitsplatz bemühen und noch immer ihr Bestes geben.


Foto: C*

 
 
 

4 Kommentare


gudrunebert
vor 20 Stunden

Ich finde es gut, dass du das Thema ansprichst. Die Lauten, die so überheblich ihre Meinung durch die Kante plärren, sollten sich etwas schämen. Das löst keine Probleme und verbessert gar nichts. Im Gegenteil.

Ich grüße dich herzlich.

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C*
C*
vor 9 Stunden
Antwort an

Ich vermute ja, dass viele lautstarke Menschen im Innersten keine zufriedenen Menschen sind. Sie inszenieren Dramen und buhlen auf vielfache Weise um Aufmerksamkeit - vielleicht fühlen sie sich kaum gesehen? Theatralische Menschen sind mir suspekt - dennoch möchte ich verstehen, was sie antreibt: Immer wieder komme ich auf tiefe Unzufriedenheit.

Vielen Dank für Dein Hiersein, ganz liebe Grüße

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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
vor einem Tag

Deine Gedanken und Aufzeichnungen zu diesem Thema kann ich nur kopfnickend gutheissen.

Ich bewundere Menschen in vielen Tätigkeiten, die ich mir keinesfalls zumuten würde.

Zum Glück gibt es sie!

Auf die lautstarken und sich in den Mittelpunkt stellenden AngeberInnen dagegen könnten wir alle gut verzichten.

Einen nachdenklichen Gruss in den Tag, Brigitte

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C*
C*
vor 9 Stunden
Antwort an

Vielen Dank für Deine Rückmeldung.

Mein Gefühl ist, dass lautstarke Menschen, die sich ständig über andere erheben, alles besser wissen, distanzlos in Worten und Taten agieren, ziemlich unglückliche Menschen sind. Eine Persönlichkeit, die sich angekommen fühlt in ihrem eigenen guten Leben, wird niemals über andere Menschen derart herrisch denken oder reden.

Ganz liebe späte Grüße in die Schweiz

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