Kulturgeschichte der Farben


Farbe ist eine Kraft, die die Seele direkt beeinflusst. (Wassily Kandinsky)
Im WIEN MUSEUM ist derzeit (bis 28. März 2027) die Ausstellung Farbenspiel zu sehen.
Farben gestalten nicht nur Oberflächen, sie wirken auch auf unsere Sinne. Etwa 350 Kleidungsstücke der Ausstellung erzählen von Zugehörigkeit und spiegeln gesellschaftliche Ordnungen wider. Kleidungsstücke können Symbole von Status und Identität sein, manchmal verraten sie auch Emotionen.
Gezeigt wird getragene Mode, in natürlichen wie künstlich hergestellten Farbtönen – keine Inszenierung, sondern gelebte Ästhetik. Neben anonymen Alltagsstücken treten auch bekannte Wiener Namen wie Gertrud Höchsmann, Adele List, Fred Adlmüller, Helmut Lang, Schella Kann und Susanne Bisovsky in Erscheinung.
Die Ausstellung führt vom streng reglementierten 18. Jahrhundert bis in die farblich anarchische Gegenwart. Sie spannt ein Panorama, das von Nostalgie und Innovation, Luxus und Armut, Heiligkeit und Weltlichkeit erzählt: Farbe als soziale Kraft, die Gesellschaft formt und Mode lebendig macht. (Quelle: WIEN MUSEUM)
Öffne ich meinen Kleiderschrank, so erzählt er von einer Frau, die gerne und aus Überzeugung Schwarz trägt. Damit verrate ich allerdings nichts von meinen Emotionen. Ich schätze dunkle, satte Farben wegen ihrer Schlicht- und Unaufgeregtheit. Diese gedeckten Farben stehen mir besser als alle anderen und damit fühle ich mich auch wohl.
Ich vermute, dass es kaum einen Menschen gibt, der behaupten kann, kein schwarzes Kleidungsstück zu besitzen. Schwarz steht für Eleganz, für Roben, die von Berufs wegen getragen werden (etwa im Gerichtssaal), für Seriosität. Spätestens mit Coco Chanel wurde Schwarz in der Modewelt etabliert - kein*e Designer*in kommt daran vorbei: Das kleine Schwarze ist seit Mitte der 1920er Jahre legendär.
Es gibt Unternehmen, die für die schrecklichen Uniformen ihrer Mitarbeiter*innen bekannt (und berüchtigt) sind. Nicht nachvollziehbar wird mir jemals sein, dass eine bestimmte Fluggesellschaft ihre Mitarbeiterinnen in knalliges Rot kleidet - und zwar bis ins letzte Detail, siehe Strümpfe und Schuhe. Man muss diesen Anblick erst einmal stundenlang ertragen können, als Fluggast würde mich diese aufdringliche Farbe irritieren.
Ich kann mich auch noch bestens daran erinnern, dass die Verkäuferinnen eines bekannten Textilherstellers von Unterwäsche, Nachtwäsche und Bademode in ein sehr aufdringliches Grün gekleidet waren. Ich war schon lange nicht mehr in einem dieser Geschäfte, es entzieht sich also meiner Kenntnis, ob dies auch heute noch der Fall ist.
Farben haben immer Auswirkungen, nicht nur auf ihre Träger*innen, sondern auch auf ihre Betrachter*innen. Dessen sollte man sich auch vor wichtigen Besprechungen bzw. vor Bewerbungsgesprächen bewusst sein.
Man sollte der Energie einer Farbe jedenfalls standhalten können.
Das Arbeitsbuch zur richtigen Farbentscheidung als Quelle von Schönheit, Harmonie und Gesundheit, Karin Hunkel, begleitet mich schon sehr lange. Wer sich für die Welt der Farben interessiert, für den kann dieses Buch eine Offenbarung sein. Der Einfluss der Farben (in der Natur, in der Kleidung wie auch in Räumen) auf unser Wohlbefinden wird gut nachvollziehbar dargestellt.
Fotos: C* - Urlaub in Heiligenblut, aus meinem Archiv, Großglockner-Hochalpenstraße, Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe
Auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2360 Metern über dem Meeresspiegel kommt man dem Großglockner zum Greifen nahe.
Im großzügig angelegten Besucherzentrum, das sicherlich für alle Besucher*innen Wissenswertes bereithält - für Naturliebhaber*innen genauso wie für Freund*innen von Pferdestärken -, widmet sich eine Dauerausstellung den (ersten) Frauen auf dem Großglockner. Der Weg zur Anerkennung von Alpinistinnen war ein langer, die Ausstellung macht sich auf die Spuren der beiden Bergsteigerinnen Mary Whitehead und Anna von Frey, die im August 1869 den Gipfel erreichten. Es liegt nahe, dass einheimische Frauen den Gipfel bereits früher erreichten, allerdings wurden diese Leistungen mangels geringer gesellschaftlicher Stellung dieser Frauen nicht aufgezeichnet.
Die gezeigten Kleidungsstücke sind solche, mit denen Frauen im 19. Jahrhundert auf Bergen unterwegs waren - damals herrschte für Frauen noch Rockzwang, wenngleich es wohl Frauen gab, die sich diesem widersetzten.



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