• C*

Herzlich willkommen?!



Einigermaßen motiviert von meinen Recherchen über das Unternehmen, bei dem ich mich jüngst vorzustellen hatte, konnte eine Art Vorfreude meine Skepsis letztendlich sogar verdrängen. Der Verantwortliche für eine gelingende Personalauswahl im Sinne des Recruitings wurde sogar in einer Rezension mit Lob bedacht - ich war ein wenig beeindruckt.


In meinem Leben habe ich schon so einige Bewerbungssituationen erlebt.

Ich habe - ich gebe es zu - gewisse Vorstellungen von einem Unternehmen, das sich die professionelle Personalauswahl auf die Fahnen heftet. In der Vergangenheit habe ich damit auch schon gute Erfahrungen gemacht.

Nun denn, auf eine weitere interessante Erfahrung, so dachte ich mir im Vorfeld.


Gerade einmal hatte ich den Empfangsraum betreten, da hatte ich mich auch schon mit einem vierseitigen Bogen zu beschäftigen, auf welchem Lebensumstände abgefragt wurden, die mir tatsächlich etwas zu neugierig schienen. Eine Religionszugehörigkeit abzufragen, schlicht überholt in unserer Zeit! Bei einem Informationsgespräch sofort Bankdaten wissen zu wollen, damit fühle ich mich nicht wohl. Einige weitere Fragen habe ich inzwischen verdrängt, ich weiß nur noch, dass ich mich wunderte.

Mit halbem Ohr folgte ich dem Gespräch des Fachmannes mit einer Kollegin, ich fand es seltsam, dass man zwar meine Anwesenheit bemerkt hatte (immerhin wurde ich ohne Blickkontakt aus dem Nebenraum beiläufig gegrüßt), aber sich dennoch das Gespräch eindeutig um einen nicht anwesenden Mitarbeiter drehte.

Nachdem ich mich mit dem Fragebogen abgemüht hatte und auch gleich eine Datenschutzerklärung unterschreiben musste, durfte ich im Besprechungszimmer Platz nehmen. Immerhin, der beschäftigte Recruiter fand relativ rasch Zeit für mich.

Es folgten einige Fragen zu meinem Lebenslauf, dann wurde kurz die Position beschrieben, der meine Bewerbung galt. Fragen meinerseits? Die Gelegenheit fand sich nicht, es war klar, dass ich als "brauchbar" eingestuft wurde. Bei mir hatten sich inzwischen Zweifel breitgemacht, diese wurden von mir auch angesprochen und von meinem Gegenüber glattweg vom Tisch gewischt. Mein Gegenüber hatte auch noch eine Meinung zu meinem Bewerbungsfoto, während der Mann ständig seine Finger an den Nasenflügeln rieb: "Das Bewerbungsfoto gefällt mir nicht. Ich hole mein Handy, wir machen ein neues." Kurze Sprachlosigkeit meinerseits, in der ich allerdings ziemlich unmittelbar spürte, dass sich ein gewisser Widerstand von meinem Inneren nach außen drängte. "Damit bin ich nicht einverstanden." Zwecklos, der Mann schien ziemlich überzeugt zu sein, von seinen Künsten als Fotograf.

Ich erinnerte mich gerade noch rechtzeitig, dass meine Bewerbung nicht unbedingt auf meiner persönlichen Überzeugung fußte, also lenkte ich knapp, aber doch ein. Die wenig überzeugende Einladung - "Stellen Sie sich an die (weiße) Wand!" - hinterließ sicher Spuren des Ärgers in meinem Gesicht. Sollten jetzt etwa Fahndungsfotos entstehen? Ich durfte immerhin einen kurzen Blick auf das Foto werfen, ich hätte auch noch von einem rein theoretischen Vetorecht Gebrauch machen können, doch flugs war das Foto auch schon weitergeleitet zur Vorzimmerdame.

Der Termin endete mit der Feststellung, dass ich mich einer Eignungstestung zu unterziehen habe, dann erst könne der Kunde eine Entscheidung treffen. Noch rasch wurde mir eine Visitenkarte zugeschoben, dann war ich auch schon wieder an der frischen Luft.

Dort musste ich erst einmal sehr tief durchatmen. Was war das?


Inzwischen weiß ich, dass ich auf die nächste Runde in diesem Bewerbungsverfahren verzichten kann. Die Ereignisse haben sich in den letzten Tagen überschlagen.

Mehr davon bald hier ...


Foto: Pixabay, Gerd Altmann

61 Ansichten6 Kommentare

Ähnliche Beiträge

Alle ansehen