Handschlagqualität


Handschlagqualität - ein Wort, das meiner Beobachtung nach in Vergessenheit gerät und noch mehr seine Bedeutung. Der Begriff wirkt antiquiert - wer will schon altmodisch sein in unserer modernen Zeit, die Coolness in den Vordergrund drängt?
1970 geboren, habe ich die gelebte Haltung eines Handschlags in meiner Kindheit und Jugend noch beobachten können. Sie bedeutet nichts anderes, als einerseits absolut zuverlässig zu sein und sich andererseits auf eine getroffene Abmachung auch ohne schriftliche Vereinbarungen verlassen zu können.
Wenn Probleme auftreten, werden diese offen kommuniziert und es wird nach einer gemeinsamen Lösung gesucht.
Viele Betriebe haben diese Handschlagqualität damals noch gelebt, während heute oft nicht einmal Verlass auf schriftliche Vereinbarungen ist. Rechtsanwält*innen profitieren davon, denn wer arg übers Ohr gehauen wird, der verlässt sich auf den Rechtsschutz.
Auch der Begriff Team verliert immer mehr an seiner ursprünglichen Bedeutung. Gemeinsam vereinbarte Ziele zu erreichen sowie Aufgaben zu lösen bedeutet, dem Ich jene Persönlichkeitsanteile zu entlehnen, die das Wir im Sinne eines kollektiven Bewusstseins stärken.
Nicht selten, dass ich die Wirkmächtigkeit dieses Begriffes vermisse.
Toll Toll
Ein*e Eine*r
Andere*r Arbeitet
Macht's Mehr
In der Arbeitswelt der letzten Jahre hat sich sehr viel verändert. Menschen werden kaum mehr als Menschen wahrgenommen, sondern als Menschenmaterial - Headhunter jagen nach möglichst gebrauchbaren Mitarbeiter*innen. Klingt nach echtem Wirtschaftskrimi.
Junge Menschen wollen vermehrt keiner Vollzeitbeschäftigung mehr nachgehen. Das kann ich einerseits verstehen, wenn Lebensqualität ein erklärtes Ziel ist, andererseits hat diese Entscheidung enorme Konsequenzen, nicht nur im Hinblick auf die Rente.
Diese Haltung, nicht in einem Vollzeitjob arbeiten zu wollen, kommt nicht gut in der Gesellschaft an. Junge Menschen werden immer häufiger als bequem, träumerisch und rücksichtslos wahrgenommen. Erfahrungen dieser Art mache ich ebenfalls, andererseits erlebe ich auch junge Menschen, die bereits zum Beginn ihrer Berufsjahre so schwer psychisch erkrankt sind, dass sie gar nicht (mehr) arbeitsfähig sind.
Das muss unbedingt nachdenklich machen und bedeutet, sich jedenfalls damit auseinandersetzen zu müssen, warum bereits junge Erwachsene derart entkräftet sind.
Die Gründe dafür liegen aus meiner Sicht auf der Hand, vieles, was in unserer Welt geschieht, wirkt auf die Seele ein, lähmt den Glauben an eine positive Zukunft, macht verdrossen und krank. Was können wir da Wirksames entgegensetzen?
Weiters wird Künstliche Intelligenz damit in Zusammenhang gebracht, dass bereits gegenwärtig Arbeitsplätze überflüssig werden, noch weitaus mehr werden es künftig sein.
Verunsicherung macht sich breit, selbst bei jenen Menschen, die eher zu den Optimist*innen zählen.
Ich gebe zu, froh zu sein, dass der Großteil meines Berufslebens geschafft ist.
Bild: Pixabay, Gerd Altmann



Hallo liebe C*, wir sollten uns die Jüngeren zum Vorbild nehmen. Wir Alten wissen doch aus eigener Erfahrung im Grunde alle, dass der Druck auf Arbeitnehmer*innen in den letzten Jahrzehnten immer schlimmer wurde. Modernes Sklaventum und gleichzeitig muss man sich noch vorwerfen lassen, man sei zu faul, zu träge, zu dies, zu das....als ob große Teile der arbeitenden Gesellschaft die Ziele ihrer Arbeitgeber:innen mehr verinnerlicht hätten als die Unternehmer:innen selbst. Arbeit als neue Religion Und ständig wird uns gedroht, unsere Gesellschaft würde zusammenbrechen, wenn wir uns nicht "endlich zusammenreißen". So ein Blödsinn funktioniert auch nur in Deutschland. Es geht auch anders, unsere nordischen Nachbarländer leben es uns vor... Vielleicht sollten diese sogenannten Wohlstands-Alten endlich auch mal auf Priviligien verzichten, statt…
Ich kenne den Handschlag als Verbindlichkeit auch noch. Heut erlebe ich des öfteren, dass Menschen sich nicht an freiwillig gemachte Vereinbarungen halten. Spricht man sie darauf an, indem man sie z.B. an Abgabetermine erinnert, fühlen sie sich unter Druck gesetzt, und wollen mir das in die berühmten Schuhe schieben. Was ist da los? Wenn man sich an Verienbarungen nicht halten kann, was ja vorkommen kann, dann gehe ich zumindest davon aus, dass man eine kurze Erklärung abgibt und nicht wütend auf den ist, der an die Vereinbarung erinnert. Wo nicht überall muss man in Vorlage treten, wenn man etwas bestellt? Ich frage mich dann immer, welche Erfahrungen liegen dem zugrunde? Herzliche Morgengrüße
Liebe C Stern, es sind genau diese Überlegungen und Aspekte im Zusammenleben und Zusammenwirken, die mich auch umtreiben. Schlimm finde ich, dass nichts mehr selbstverständlich ist, dass in vielen Bereichen grosse Unsicherheit herrscht und man sich nicht mehr wirklich auf Abmachungen verlassen kann. Das kann ja nicht gut sein für die Psyche.
Zum Glück bin ich nicht mehr im Arbeitsprozess drin und kann nur hoffen, dass die junge Generation gangbare Wege finden wird.
Einen lieben Montagsgruss, Brigitte
Liebe C*, ein sehr nachdenklicher Beitrag. Handschlagqualität, Verlässlichkeit und ein Wort, auf das man sich verlassen kann, sind für mich nach wie vor selbstverständlich, leider nicht für jeden. Gerade deshalb finde ich Deine Gedanken über das Miteinander in der heutigen Arbeitswelt so treffend. Ein Beitrag, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Herzlichst Nicole