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Geheimnisse

Autorenbild: C*
C*
vor 6 Stunden
2 Min. Lesezeit


Im französisch-tunesischen Spielfilm Mit leiser Stimme erzählt Regisseurin Leyla Bouzid eindringlich eine Familiengeschichte, die mit Geheimnissen aufwartet.

Lilia, die in Paris lebt, nimmt am Begräbnis ihres Onkels Daly in ihrem Heimatland Tunesien teil. Alice, ihre Lebensgefährtin, begleitet sie auf ihrer Reise und wird der Familie von Lilia als Mitbewohnerin vorgestellt. Alice wird nicht im Familienhaus wohnen, sondern in einem Hotel, denn niemand soll von der lesbischen Beziehung Notiz nehmen. Eine Beziehung unter homosexuell liebenden Menschen gilt in Tunesien nämlich nicht nur als Schande, sondern steht auch unter Strafe.

Während der Trauerfeier tauchen Ungereimtheiten rund um den Tod ihres Onkels auf, von denen Lilia beunruhigt Notiz nimmt und weshalb auch die Polizei ermittelt. Es wird ans Tageslicht dringen, dass Daly als schwuler Mann gelebt hat, was einige Familienmitglieder wohl ahnten, worüber allerdings nur vage Andeutungen hinter vorgehaltener Hand gemacht werden ...

Wie lange braucht es solche Filme noch? Immerhin ein probates Mittel, um brutales Unrecht aufzuzeigen und zu kritisieren, um Diskussionen in Gang zu bringen, um dazu beizutragen, Lebenswelten zu verändern.


L(i)eben und L(i)eben lassen,

das ist meine Überzeugung. Nichts bedaure ich in diesem Zusammenhang mehr, als dass sich Gesetzgeber und Gerichte sowie religiöse Führer noch immer über Menschen erheben und definieren, was in einer freiwilligen und respektvollen Beziehung zwischen erwachsenen Menschen erlaubt und nicht erlaubt ist - und doch nichts anderes als Privatsache ist.

Verliebtsein und Liebe. Beides lässt sich nicht mit dem Kopf steuern, es passiert & wächst. Nicht am Papier und durch Paragrafen oder in Gebetshäusern - und schon gar nicht inmitten von Familien, die bereits ihre Kinder verheiraten - dürfen Beziehungen geregelt werden, sondern Gefühle sollen da gedeihen dürfen, wo sich Herzen einander zuneigen.


Ich finde es auch befremdlich, auf welche Weise sich Kommunen damit beschäftigen, Bürger*innen zu erklären, welcher Umgang mit anders (wörtlich!) liebenden Menschen gewünscht ist. Wenn ich lese, dass Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben, als anders bezeichnet werden, finde ich das - um es gelinde auszudrücken - äußerst befremdlich: Auf diese Weise wird nämlich eine Sichtweise untermauert, die ohnehin noch in den Köpfen von Menschen existiert, und die ich mir so ganz sicherlich nicht wünsche. Mit dem Gedanken, dass Menschen anders (als Menschen) sein könnten, werden ohnehin noch reichlich bestehende Vorurteile weiter befeuert.

In Jobinseraten zu lesen, dass auch queere Menschen angesprochen sind, ist ebenfalls kein Hinweis darauf, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft kapiert haben, was Menschsein bedeutet.

Muss Offenheit tatsächlich immer noch betont werden? Längst sollte jedes Menschsein selbstverständlich und willkommen sein.


Bild: Pixabay, "Vilkass" #Liebe #Sein #Filmtipps

 
 
 

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