Gebete
- C*

- 3. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Als ich am vergangenen Donnerstag das Büro verließ, war mir, als würde mein Vater nach mir rufen. Dabei war ich doch erst am Vortag bei ihm.
Während ich zum Bus ging, versuchte ich, ihn am Handy zu erreichen. Dreimal wählte ich die Nummer, ließ es lange läuten. Beunruhigt rief ich umgehend im Seniorenheim an und bat darum, nach ihm zu sehen. Fünfzehn Minuten später kam ich an - mein Blick fiel auf meinen Vater - den Kopf verbunden, saß er auf seinem Stuhl, umsorgt von zwei Betreuerinnen. Wie sie mir erzählten, mussten sie den Tisch über ihn hinwegheben, damit sie ihn vom Boden bergen und auf den Sessel setzen konnten. Er wirkte sehr benommen und unter Schock, die Rettung war bereits alarmiert. Schon wieder eine Fahrt ins Krankenhaus, vier mal Ambulanz in fünf Wochen.
Meinen Vater schmerzte die Hüfte - meine Sorge war sofort, es könnte ein Oberschenkelhalsbruch sein. Die Sanitäter beruhigten, ihrer Meinung nach hätte er da kaum auf einem Sessel sitzen können. Ich wollte ihnen glauben.
Etwa drei Stunden später wurde ich darüber informiert, dass er sich tatsächlich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hat. Sooft hatte er Glück im Unglück, unzählige Stürze in den letzten fünf Jahren hat er gut überstanden. Nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit einer bodenständigen Ärztin konnte mich eine Pflegeschwester, die sehr einfühlsam war, beruhigen. Wir haben uns kurz flüsternd ausgetauscht - ich erwähnte meine Sorge, dass so ein Bruch bei alten Menschen doch häufig ein Todesurteil sei. Das sei heute ganz anders, versuchte sie mich zu besänftigen, auch dürfe er rasch nach der OP wieder aufstehen.
Es folgte eine Kopfuntersuchung - es wurde Gott sei Dank keine Blutung festgestellt, jedoch musste Papa am Ohr genäht werden. Nach fünf Stunden in der Ambulanz wurde mein Vater auf die Krankenstation gebracht. Auch diesmal erwies es sich als sehr wichtig, beim Aufnahmegespräch dabei zu sein. So viele Fragen, die mein Vater nicht mehr beantworten kann. Fragen nach früheren Operationen, nach Erkrankungen, nach Allergien, Essensauswahl, ...
Gestern waren wir bei meinem Vater, die Operation lag genau 24 Stunden zurück. Bei jüngeren und kräftigeren Menschen ist es aufgrund moderner Operationstechniken möglich, bereits am selben oder nächsten Tag mit leichter Mobilisierung zu beginnen.
Mein Vater lag reglos in seinem Bett, er hatte zwei Blutkonserven erhalten und Schmerzinfusionen, eine Nahrungsaufnahme war unmöglich. Ich habe ihn einfach nur betrachtet und seine Hand in meiner Hand gehalten. Er dämmert zwischen den Welten. Ich empfinde sein Leben in Gottes Händen und bete, dass das Leben zum Besten meines Vaters entscheidet, egal, wie meine Wünsche sind. Wir Kinder möchten nicht, dass er sich quält, auch hat er sich hinsichtlich seines Weges immer eindeutig geäußert.
Ich weiß nicht, wie er seinen Weg weitergehen wird.
Dieser Prozess ist sehr schmerzhaft für mich.
Foto: C* - Stiftskirche, Benediktinerstift Admont, Steiermark
1074 gegründet, beherbergt das Stift die äußerst sehenswerte weltgrößte Klosterbibliothek.



Ich kann - so glaube ich zumindest - gut nachvollziehen, wie es dir im Moment geht und wünsche dir von Herzen all die Kraft, die du brauchst, um diese Gegebenheiten zu bewältigen.
Ich habe meinen Vater auch gepflegt, bis ich ihn ins Krankenhaus bringen lassen musste. Dort ist er dann nach einer Woche gestorben. Das Pflegeheim ist ihm erspart geblieben.
Obwohl man bis zum Schluss den Gedanken verdrängt, aber es ist Tatsache, dass es einfach auf das Ende zugeht.
Wie es auch kommen mag, ich wünsche dir und deinem Vater das Allerbeste.
Liebe Grüße
Jutta
Ich hoffe, dass sich alles zum Guten wendet. Es ist jetzt alles sicher sehr schwer für dich. Ich wünsche euch beiden das Beste. Liebe Grüße an dich.
Das klingt heftig, liebe C Stern, und tut mir von Herzen leid. Auch ich wünsche Dir und Deinem Vater, dass das Leid ein Ende haben möge, auf humanstem Wege!
Fühl Dich sanft umarmt,
Andrea
Möge es so kommen, wie du es für dich bzw. deinen Vater wünscht. Herzliche Grüße
Liebe c Stern,
auch ich kenne solche Situationen, die ich mit meinem Vater erlebte. Ich kann gut mitfühlen und schließe mich mit den Wünschen der Brigitte Fuchs an.
Alles Gute für euch Beiden.
Herzliche Grüße
Traudi