Frauenleben
- C*

- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

In der vergangenen Woche habe ich die sehr erleichternde Nachricht erhalten, dass mein Kalkherd in der Brust als gutartig eingestuft werden konnte. Um zu Untersuchungsmaterial zu gelangen, musste ich eine Stanzbiopsie (wie schon einmal vor mehr als zwei Jahren) vornehmen lassen. Es ist keine angenehme Untersuchung, aber die einzige effektive Möglichkeit, um Gewissheit zu erlangen.
Nach dieser Biopsie galt es, eine Woche Wartezeit gut zu verbringen. Meine mich so treu begleitende Intuition*) war ganz klar und unausgesetzt vernehmbar, trotzdem steuerte mein Kopf immer wieder einmal vor der Befundbesprechung dagegen.
Groß war unser Aufatmen nach der positiven Nachricht und so hatten wir auch Appetit auf ein Mittagessen. Im Lokal angekommen, trafen wir dort zufällig eine ehemalige Arbeitskollegin. Wie sich herausstellte, war sie ebenfalls im Krankenhaus, auch bei ihr wurde eine Biopsie vorgenommen: Es muss leider eine Operation folgen.
Die entnommene Gewebeprobe weist zwar noch nicht auf einen Tumor hin, wurde allerdings derart eingestuft, dass sich ein Tumor entwickeln kann. Zum Glück braucht meine ehemalige Kollegin danach keine Chemotherapie oder Bestrahlung. Sehr belastend ist ihre Situation auch deswegen, weil sie ohnehin an einer Depression leidet, die sie in einen bereits länger andauernden Krankenstand gezwungen hat. Mir tut besonders leid, dass es keinen Partner an ihrer Seite gibt, der sie durch diese aufreibende Zeit begleitet. Meine Vermutung ist ebenso, dass es meiner ehemaligen Kollegin an Freund*innen mangelt.
Eine weitere Nachricht hat mich in der vergangenen Woche aufhorchen lassen. Wieder einmal ist möglicherweise ein Wicht enttarnt - ein Mann, der die eigene Frau mit Fakebildern auf grausamste und erniedrigenste Weise im Internet zur Schau gestellt haben soll. Es geht um den Schauspieler Christian Ulmen. Was er über Jahre gegen seine Ex-Frau Collien Fernandes betrieben haben soll, wäre ganz klar als Verbrechen einzustufen und stellt auch ein Handeln dar, dass zudem eine äußerst große seelische Belastung ist. Die Rechtslage für digitale Gewalt ist in Deutschland anscheinend nicht ausreichend genug und wenig übersichtlich. Collien Fernandes hat Strafanzeige in Spanien erstattet, wo ja einige Jahre der gemeinsame Lebensmittelpunkt war. Hier ist ist die Gesetzeslage laut Medien deutlicher erfasst.
Die dem Schauspieler zur Last gelegten Handlungen fallen unter den Begriff "digitalisierte sexuelle Gewalt." Die inzwischen bekannten Details machen unzählige Menschen fassungslos - die Solidarität mit Collien Fernandes ist riesig und kommt aus allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen. Obwohl der Schauspieler gegenüber seiner Ex-Frau seine jahrelangen Taten laut ihren Worten letztendlich zugegeben haben soll, gilt aus rechtlicher Sicht derzeit die Unschuldsvermutung. Über einen Anwalt hat Ulmen zwischenzeitig vermelden lassen, dass die mediale Darstellung unwahr sei.
In Interviews zeigte sich Ulmen gerne als Vorkämpfer für Frauenrechte – „als der Typ Mann, den sich der Feminismus immer gewünscht hat“, wie er gegenüber Zeitungen angab. Wer mehr darüber wissen will, ich verlinke zu jenem ORF-Artikel, auf den ich gestern aufmerksam wurde. Es ist harter Stoff, soviel möchte ich dazu vorab vermerken.
Im ORF ist vor zwei Wochen eine Bombe geplatzt, die zum geforderten Rücktritt des Generaldirektors führte. Die Angelegenheit ist so delikat wie auch für den ORF selbst eine äußerst unerfreuliche. Eine ORF-Mitarbeiterin wirft dem zurückgetretenen Generaldirektor Weißmann vor, dass er sie wiederholt zu einer sexuellen Beziehung gedrängt haben soll. Dazu gibt es anscheinend (glaubhaftes?) Bildmaterial von Chats, das auch die Mitglieder des ORF-Stiftungsrates beschäftigt hat, mit recht unterschiedlichen Einschätzungen dazu. Der Fall bleibt nebulos, es sind Anwälte am Werk, und die Aussagen der Mitarbeiterin auf der einen und von Weißmann auf der anderen Seite sind natürlich gegenteilig.
Was auch immer vorgefallen ist, es soll genauestens und transparent geprüft werden. Der ORF steckt in einer tiefen Krise und das gerade in einem so wichtigen Jahr. Die Generaldirektion wäre sowieso regulär zur Bewerbung ausgeschrieben worden, nun wird intensiv darauf hingewiesen, dass Bewerbungen von Frauen besonders erwünscht sind.
Der Song Contest steht vor der Tür, der ORF ist auch in dieser Hinsicht sehr gefordert. Ohnehin ist bekannt, dass gespart werden muss, andererseits will man Wien und Österreich bestens präsentieren und dazu hat man sich sicherlich einiges einfallen lassen. Bekanntlich bleiben einige Länder dem ESC fern, weil sich auch ein israelischer Künstler um einen Platz fürs Finale bemühen wird. Die Sicherheitslage ist auch aus diesem Grund derzeit bereits als sensibel eingestuft.
Ich gehöre zu den Song Contest-Fans und hoffe, dass er zu einer tollen Erfahrung für sämtliche Künstler*innen wird. Musik ist eine Sprache, die Völker verbinden kann und auf der ganzen Welt verstanden wird, weshalb ich es sehr bedaure, dass einige Länder ihre Teilnahme abgesagt haben.
*) beschrieben in meinem Beitrag Das Lied der Seele
Archiv-Foto: C*- Frauenschuh einmal anders



Wie schön für dich, dieser gesundheitlich positive und wohl total erleichternde Befund.
Das freut mich sehr für dich. Die Sache mit Frau Fernandes habe ich auch mitbekommen und bin erschüttert, was Menschen einander antun können, die sich einmal geliebt haben.
Solche Übergriffe im Netz sind erbärmlich und durch nichts zu entschuldigen.
Einen lieben Gruss, Brigitte