Frauenbilder
- C*
- vor 18 Stunden
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Frausein im Wandel der Zeit -
etwas, was mich schon Jahre intensiv beschäftigt. Ganz sicherlich auch, weil ich in eine Beziehung geboren wurde, in welcher meine Mutter sehr wenig Wertschätzung von Seiten meines Vaters erfuhr. Diese Jahrzehnte an der Seite meines Vaters erlebte meine Mutter schmerzhaft als Hausfrau wider Willen, aber auch als Mutter zweier Töchter, um deren Wohl sie häufig bangte. Klar machen das Briefe mit tieftrauringen Inhalten, die sie schrieb und doch nie abschickte, sowie auch Tagebucheinträge. Es sind Schriftstücke einer Frau, die innerlich sehr einsam und tief unglücklich war.
Gegen meine Mutter, die ich in meinen jungen Jahren häufig als unterwürfig empfand, habe ich oft revoltiert, so, wie auch gegen meinen Vater, der in unserer Familie einen gnadenlosen Patriarchen raushängen ließ - und den ich dennoch in seinem Gebaren als äußerst schwach und sehr ängstlich erlebte. Dunkel gefärbt wurde diese Beziehung auch von seinem narzisstischen Geltungsstreben, welches ihn dazu veranlasste, fortlaufend nur sein eigenes Wohl zu fokussieren.
Dennoch habe ich über eine gewisse Zeit in der Vergangenheit auch versucht, seine Sicht auf diese Beziehung, auf sein Leben kennenzulernen. Ich verstand darunter meine Art von Fairness, die Sicht beider Eltern zu erfahren. Für meine Entscheidung erhielt ich über mehrere Jahre viel Kritik und harsche Worte von meiner Mutter sowie von meiner Schwester. Ist diese Kritik gerechtfertigt?
Ich kann nicht sagen, wie ich mich heute entscheiden würde, jetzt, wo ich meiner Mutter längst verziehen habe, weil ich gerade in den letzten Jahren großes Verständnis für ihr Handeln und Nicht-Handeln entwickeln konnte. Würde ich noch einmal so tief in diese Beziehung, die ich als äußerst toxisch erlebt habe, eintauchen wollen? Dieses Einblicknehmen war und ist ein sehr schmerzhafter Prozess, einer, der mich gerade in den letzten Jahren auch seelisch sehr belastet hat.
Leider ist meine Mutter nie mit diesem Ich bin genug aufgewacht. Sie hat sich selbst als unscheinbar wahrgenommen und dies auch, obwohl sie so viele tolle Talente besaß. Er, mein Vater, hat sie über Jahrzehnte gedemütigt und ihr erfolgreich eingeredet, dumm zu sein. Und dennoch hat mein Vater in den letzten Jahren eine Haltung entwickelt, die ich bemerkenswert finde: Er macht sich große Sorgen um den Zustand unserer Gesellschaft und kritisiert eine Politik, die rechts ausgerichtet ist. Ob er sich dessen bewusst ist, dass diese Politik genau seine so abwertende Haltung gegenüber bestimmten Frauen spiegelt?
Seine Haltung gegenüber Frauen ist übrigens sehr ambivalent, denn es gab auch solche Frauen, die er stets bewundert und hofiert hat. Und diese Frauen standen alle im Berufsleben, etwas, das er meiner Mutter verweigert hat. Was für ein blanker Zynismus!
Vor zwei Tagen habe ich den Begriff trad-wives gelesen und dazu recherchiert. Es ist ein sehr gefährlicher Trend, der da aus den USA bereits seit einigen Jahren nach Europa herüberschwappt. Eine trad-wife entscheidet sich ausdrücklich für ein Leben als Hausfrau und Mutter. Daran kann ich grundsätzlich noch nichts Verwerfliches sehen, wenn eine Frau meint, dass sie so leben möchte. Was ich allerdings sehr kritisiere, ist, dass Frauen, die sich für so ein Leben entscheiden, dafür in den sozialen Medien werben und quasi als Influencerinnen andere Frauen dafür begeistern wollen. Klar ist auch, dass trad-wives nur ein heterosexuelles Familienleben akzeptieren. Diese Frauen konzentrieren sich auf die Verrichtung von Sorge-, Haus- und Familienarbeit und machen somit sämtliche Bestrebungen zunichte, die uns Frauen eine Gleichstellung zu Männern ermöglichen sollen. Es ist dies also eine Kehrtwende in eine Zeit, in der Frauen in jeder Hinsicht komplett abhängig waren von ihren Ehemännern. Dass diese Art zu leben auch noch romantisiert wird, stößt mir wirklich bitter auf. Hier wird einem ultrakonservativen Denken der Weg geebnet und es scheint sogar so etwas wie modern zu sein, sich selbst als konservativ zu bezeichnen. Mehr über diese gesellschaftliche Strömung ist hier zu lesen, in einem aufschlussreichen Interview mit der Philosophin Lisz Hirn.
Foto: C*
ich hatte vergangene woche ein gespräch mit einer buchhändlerin, die sehr empört über unsere aussenministerin baerbock war. sie sagte, frau baerbock müsste bei ihren kindern bleiben, wenn sie das nicht mag, sollte sie keine kinder bekommen wollen. nach längerem gespräch sagte ich ihr, richtig weit sind wir mit der gleichberechtigung erst, wenn einem vater die gleichen forderungen gestellt werden, die sie der mutter stellt. natürlich wird grundsätzlich das heteropärchen als modell gesehen. die wege sind noch mühsam..., lieben gruß, liebe c stern, roswitha