Erster Eindruck
- C*

- vor 10 Stunden
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In einer Übernahmesituation eines Kindes in eine Einrichtung, in der u.a. hochgradig traumatisierte Kinder betreut werden, ist es vor einigen Monaten zu einem folgenschweren Vorfall gekommen, der in den letzten Tagen von österreichischen Medien geteilt wurde.
Über das Vorgehen des Vereins bzw. von Seiten des pädagogischen Geschäftsführers kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln. Dieser Verein betreut stationär Kinder und Jugendliche, die u.a. schwer traumatisiert sind und / oder nicht mehr ins übliche Betreuungssetting eingebunden werden können - Stw. Systemsprenger*innen.
Es sollte ein zwölfjähriges Mädchen von einer Einrichtung, die inzwischen den Betrieb eingestellt hat, in eine andere Betreuungseinrichtung wechseln. Dazu soll im Vorfeld laut Medienberichten klar mitgeteilt worden sein, dass das Mädchen aufgrund übelster Erfahrungen mit Männern panisch auf Männer reagiere. Dieser Hinweis wurde vom Geschäftsführer, dessen Äußeres (vollbärtig, Gesichtstattoos, Fleischtunnel, aufsetzbare Hörner!) auf (traumatisierte) Kinder nicht gerade vertrauenserweckend wirkt, ignoriert. (Dass sich dieser Geschäftsführer auch mit einem pitbullartigen Hund umgibt, den er als Therapiehund versteht, macht das Auftreten des Pädagogen aus meiner Sicht nicht besser.) Die Zwölfjährige, die sich nicht aus ihrem Zimmer traute, drohte an, sie werde sich etwas antun, bevor sie mit diesem Mann mitginge. Der Pädagoge soll dem Kind keine Wahl gelassen haben; als er ins Zimmer kam, sprang das Mädchen aus dem Fenster und erlitt dabei schwere Verletzungen.
Hinterfragt werden muss aus meiner Sicht auch, warum es möglich ist, in einer derartigen Einrichtung ein Fenster öffnen zu können, um rauszuspringen? Selbstgefährdung sollte jedenfalls so weit wie möglich ausgeschlossen sein.
Dieser Vorfall ist protokolliert - soll er ohne Konsequenzen bleiben? Das kann keinesfalls sein, hier kann man ganz sicher nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, vor allem nicht von Seiten der zuständigen Magistratsabteilung in Wien. Inzwischen soll das Mädchen in einer Wohngemeinschaft untergebracht sein, wo es sich angeblich wohlfühlt.
Dieser aufsehenerregende Vorfall lässt mich zurückblicken in meinen pädagogischen Beruf, den ich annähernd zwei Jahrzehnte ausgeübt habe.
Ich schätze mich als einen Menschen ein, der das Aussehen anderer Menschen selten bewertet - vor allem, wenn mir Menschen in der Freizeit begegnen, bin ich sicherlich sehr entspannt und auch offen für Kleidungs-, Schmuck-, Schmink- und Haarstile, die nicht als Mainstream gelten. Selbst gehe ich entspannt durchs Leben, liebe Boho-Stil und bin inzwischen gerne ungeschminkt unterwegs. Das war allerdings nicht immer so.
In meinen Sturm- und Drangjahren entdeckte ich meine Vorliebe für Gruftiges, war mit Vorliebe schwarz gekleidet, dunkel geschminkt, die blondierten Haare punkig gestylt. Der Haarsprayverbrauch war enorm - heute undenkbar. Längst schätze ich Natürlichkeit, was auch bedeutet, weniger Zeit im Bad zu verbringen.
Während meiner beruflichen Zeit im sozialen Bereich habe ich nicht wenige Kolleg*innen kennengelernt, deren äußere Erscheinung in vielen Arbeitsbereichen nicht akzeptiert worden wäre. Ich hatte männliche Kollegen, deren Fingernägel schwarz lackiert waren, das war interessanterweise kein großes Thema. Viel eher irritierte an einem Arbeitsplatz, dass ein Kollege stets mit zwei verschiedenfarbigen Socken aufkreuzte. Da wurde dann schon einmal angeregt, eine Einheit herzustellen - für mich eher lächerlich, zwei verschiedenfarbige Socken schockieren vermutlich niemanden. Piercings und Tattoos in Maßen wurden akzeptiert, dennoch kann es dazu kommen, dass sich Kinder in Gegenwart eines Menschen mit vielen äußeren Auffälligkeiten nicht wohl fühlen oder sogar Panik bekommen. Daher glaube ich, dass es durchaus Kleidungs- und Stylingempfehlungen, manchmal sogar Auflagen in dieser Hinsicht geben sollte oder sogar geben muss.
Ich fand es auch immer reichlich befremdlich, dass manche Kolleginnen weit ausgeschnittene T-Shirts, superknappe kurze Hosen oder ein Minikleidchen, das Einblick auf ein knappes Höschen bot, als Arbeitskleidung passend empfanden. Einen Hinweis zu angemessener Arbeitskleidung gab es seitens der Betriebsleitung tatsächlich nicht, vielmehr fand die Dame selbst an einer Kleidungsweise dieser Art Gefallen. Dass der Abteilungsleiter in einem Schreiben an alle Mitarbeiter*innen tatsächlich auf eine angemessene Arbeitskleidung hingewiesen hat, wurde geflissentlich ignoriert.
Bild: mit Hilfe von KI erstellt (ganz komme ich an diesem Thema doch nicht vorbei 😉)



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