Erfahrung. Reife. Souveränität.
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... drei Begriffe, die als männlich gelesen werden.
Lisa Ulrich-Gödel, Redakteurin des österreichischen Magazins News, hat sich mit einem spannenden Thema beschäftigt, Überschrift: Die Madonna-Frage: Warum Männer Legenden und Frauen Probleme sind
Kurze Faktenlage laut News: Die meistverkaufte weibliche Künstlerin aller Zeiten zählt zu den Wenigen, die größer geworden sind als ihr Werk. Nur die Beatles, Michael Jackson, Elvis Presley, Elton John und Queen haben mehr Tonträger verkauft.
Madonna gilt nicht nur aufgrund ihrer unzähligen Erfolge in einer jahrzehntelangen Karriere als einflussreich, sondern auch, weil sie mit gelebter Haltung für weibliche Selbstermächtigung, Feminismus und Provokation steht. Wie weibliche Macht aussehen kann, zeigt sie - ob das nun gefällt oder nicht - bereits über vier Jahrzehnte in ihren Interviews und Videos, bei ihren Konzerten, in einigen Spielfilmen und in diversen Bildbänden.
Es gibt zwei Alben von Madonna, die sich in meinem CD-Schränkchen befinden, und die ich immer noch großartig finde, obwohl (oder vielleicht gerade deshalb) diese musikalisch ziemlich unterschiedlich sind: Ray Of Light, erschienen 1998; Confessions on a Dance Floor, erschienen 2005. Daneben gibt es viele weitere Songs, die mich schon lange begleiten, durchaus auch nachdenklich und gediegen oder laut und provokant, wie Menschen Madonna vermutlich viel eher wahrnehmen.
Das neue Album von Madonna versteht sich als Manifest. Confessions on a Dancefloor: Part II erzählt von Selbstermächtigung in einer düsteren Gegenwart, vom Abstreifen von gesellschaftlichen Rollen.
Schade ist, dass Madonna inzwischen mehr wegen ihrer zahlreichen Beauty-OPs wahrgenommen wird als für ihre musikalischen Botschaften, die immer noch kraftvoll sind und auf unsere Gegenwart zielen. Die Diskussionen rund um Madonnas faltenfreies Altern und freizügige Auftritte müssen als Hinweis darauf gewertet werden, dass Frauen im Alter gleich doppelt diskriminiert werden: Für dieses Phänomen gibt es seit Jahrzehnten den wissenschaftlichen Begriff: Gendered Ageism. Gemeint ist die doppelte Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts und ihres Alters, wenn Sexismus und Altersdiskriminierung zur Doppel-Mühle werden. Frauen werden früher als Männer als alt wahrgenommen. Sie verlieren gesellschaftlich früher an Sichtbarkeit, Attraktivität und Autorität. Männer profitieren mit den wachsenden Jahren von Eigenschaften, die als männlich gelesen werden: Erfahrung, Reife, Souveränität.
Bereits 1972 beschrieb die US-Kulturkritikerin Susan Sontag diesen doppelten Maßstab in ihrem Essay „The Double Standard of Aging“. Männern, so Sontag, gestatte die Kultur zwei Lebensentwürfe: Sie dürfen Jungs sein und Männer. Letztere können ihre Attraktivität im Alter steigern, weil Erfahrung, Macht und Kompetenz wachsen. Frauen dagegen werde nur eine gesellschaftlich akzeptierte Rolle zugestanden: die des Mädchens. Verlieren Frauen Jugend und Schönheit, ist damit ein wesentlicher Teil ihres kulturellen Werts fort.
Auch sexuelle Selbstbestimmung folgt dieser Logik. Männern wird Begehren bis ins hohe Alter selbstverständlich zugestanden. Frauen gelten dagegen oft schon lange vor dem Alter als asexuell. Oder als peinlich, wenn sie sich dieser Erwartung widersetzen. Madonna ist mit dem 38 Jahre jüngeren Profifußballer Akeem Morris liiert und teilt offensiv Fotos, die sie gemeinsam in erotischen Posen zeigen. ...
Madonnas eigentliche Provokation war jedoch nie nur der Sex. Es war ihr Anspruch auf Macht und Kontrolle, den patriarchale Strukturen kaum verzeihen können. (Quelle: News)
Die Auswahl eines Songs ist mir sehr schwer gefallen. Madonnas provokante Songs und die dazugehörigen mitunter auch sehr freizügigen Videos sind wohl präsenter, deshalb habe ich mich letztendlich für eine musikalische Darbietung entschieden, die mir aufgrund ihrer Mystik besonders gefällt. Auch hierin zeigt sich Madonnas Haltung: Ihre Offenheit gegenüber Religionen, solange sie nicht zur Unterdrückung von Menschen, insbesondere von Frauen, führen. Der Song Isaac reflektiert ihre tiefgehende Auseinandersetzung mit der Kabbalah (jüdische Mystik). Der Ausschnitt stammt aus der grandiosen Confessions Tour, 2006.
(Im nin'alu daltei nedivim Daltei marom lo nin'alu - Auch wenn die Tore der Reichen verschlossen sind, die Tore des Himmels werden sich niemals schließen. Aus einem Gedicht von Rabbi Shalom Shabazi, 17. Jahrhundert.)
Bild: mit Hilfe von KI erstellt #Musik



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