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Einladung zur Langsamkeit

Autorenbild: C*
C*
5. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Sept.




Die Langsamkeit sei das Geheimnis des Glücks, das sagt Monsieur Ibrahim zu seinem jungen jüdischen Freund Momo in Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran - zweifelsohne einer meiner liebsten Filme. Ein filmisches Werk, das auch feinen Humor beinhaltet.

Ich empfinde den großartigen Omar Sharif in diesem Film als angekommen - in der Rolle seines Lebens. So kann er glaubhaft als "der Araber" über Glück philosphieren, indem er die großen und kleinen Freuden des Lebens anspricht und dabei auch die mystische Welt des Islam betritt. In dieser Welt gibt es keine Belehrungen. Meine Einsicht ist, dass das Verständnis zwischen den Religionen auf dieser Ebene gelingen kann, da es in der Mystik keinen Raum für Konkurrenz gibt. In der Mystik findet sich auch kein Raum für Dogmen. Worte werden weise und sparsam gewählt, das Schweigen beinhaltet auch das Einssein mit der Quelle allen Seins. Es werden keine Hierarchien erschaffen, die Mystik blickt über das Ego hinaus. Wesentlich ist, dass es keine Spaltung in Gut und Böse gibt.


In der Natur erleben wir heuer wohl einen etwas anderen Herbst. Heute bin ich an einem Nussbaum vorbeigekommen. Einige Nüsse haben sich bereits aus den braunen Schalen geschält, freudig habe ich die erste Nuss geöffnet. Doch leider war diese Nuss komplett verdorrt. Eine zweite Nuss öffnete ich ebenfalls - hier die gleiche Enttäuschung. An den Inhalt einer dritten Nuss habe ich mich schon gar nicht mehr gewagt.

Doch ich bin zuversichtlich, dass auch dieser Herbst allerlei Köstlichkeiten aus Obst- und Gemüseernten bereithalten wird für uns. Mit Sicherheit in kleineren Mengen, als wir es kennen - und darum umso kostbarer. Dennoch zeigt uns jede Erntesaison im Spätsommer und Herbst, dass sich nun eine neue Zeitqualität ankündigt, auf die ich mich jedes Jahr aufs Neue freue: Das Leben geht eine langsamere Geschwindigkeit und die Tage halten weniger Licht bereit - es ist Zeit für Tee, Kerzen, Bücher, Filme, Handarbeiten und in meinem Fall auch für gute Düfte.


Foto: C* - aus meinem Archiv, unterwegs auf der Südsteirischen Weinstraße

 
 
 

4 Kommentare


stemmer.recklinghausen
stemmer.recklinghausen
07. Sept.

Deine Zeilen erinnern mich an Rilkes Gedicht "Wer jetzt kein Haus hat ..." und an die Notwendigkeit für mich, möglichst täglich Licht zu tanken, denn die Lichtarmut macht mir zu schaffen. Insofern warte ich dann schon frühzeitig auf den Frühling, es sei denn wir werden auch in Herbst und Winter mit Helligkeit versorgt. Aber jetzt starte ich erst einmal in die neue Woche.

Herzliche Grüße

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C*
C*
07. Sept.
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Das Gedicht kannte ich noch nicht - etwas düster wirkt dieses Herbstgedicht auf mich.

Ich kenne es ebenso, dass sich mangelhafter Lichthaushalt negativ auswirken kann, es ist jedoch recht unterschiedlich. In manchen Jahren kommt es mehr vor, manchmal weniger.

Ich freue mich dennoch auf Herbst und Winter, denn sehr nah an der Natur lebend, bringen sie mir recht viel Freude ein.

Herzliche Abendgrüße


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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
06. Sept.

Sie ist wunderbar, deine Einstimmung auf den Herbst und die Einladung zur Langsamkeit.

Gehen wir mit allen Sinnen in diese Richtung!

Einen lieben Sonntagmorgengruss, Brigitte

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C*
C*
06. Sept.
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Vielen Dank, liebe Brigitte!

Mit den Charakteren der Jahreszeiten leben, das ist mein Motto. Am wenigsten scheint mir das im Frühjahr zu gelingen, wo alles sprießt und die Natur förmlich explodiert. Da fühle ich mich oft müde 🌞

Der Herbst übt auf mich immer eine besondere Überzeugungskraft aus.

Herzliche Sonntagsgrüße, noch etwas müde nach einer langen Nacht in bester und lustiger Gesellschaft. C Stern

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