Eine Liebe in Paris
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Madame Hemingway ist der Buchtitel des Romans von Paula McLain, der das Kennenlernen von Elizabeth Hadley Richardson (1891 - 1979) und Ernest Hemingway (1899 - 1961) sowie vor allem ihre gemeinsamen Pariser Jahre und wesentliche Reisen zum Inhalt hat.
Elizabeth Hadley Richardson, genannt Hadley, ist 28 Jahre alt, als sie Ernest Hemingway im Herbst 1920 in Chicago trifft. Ernest, der beinahe acht Jahre jünger ist und schon eine Menge Frauenbegegnungen genossen hat, weiß die noch recht unerfahrene Hadley sehr rasch zu beeindrucken.
Die Autorin lässt Hadley als Ich-Erzählerin schildern, wie Ernest sie in seinen Bann und somit in sein Leben zieht. Dabei ist nicht zu überlesen, dass die Seele des jungen Mannes - man ahnt es als Lesende*r früh - ein sehr unstetes Leben führt. Gründe dafür liegen auch in seinen traumatisierenden Kriegserlebnissen und in seiner unerfüllten Liebe zu Agnes, einer Krankenschwester, die er im ersten Weltkrieg in einem Lazarett kennenlernt, und die seine Gedanken auch im realen Leben sehr lange begleiten wird.
Die Stimmungsbilder des jungen Hemingway, die Hadley als Erzählerin zeichnet, zeigen gewaltige Schwankungen. Dies auch ein Grund, warum Hemingway früh darauf besteht, Hadley zu heiraten. Bei ihr fühlt er sich sicher und geborgen, in ihr hat er einen freundlichen und emotional großzügigen Anker entdeckt. Außerdem schätzt er ihre Bodenständigkeit und ihre Klugheit, ebenso besitzt Hadley Organisationstalent, was sich auch bei den künftigen Umzügen als wertvolle Gabe erweisen wird. Und Hadley verspricht ihrem attraktiven Ehemann, dass sie ihn nie davon abhalten wird, zu schreiben. Ebenso ist es Hadleys Aufgabe, seine Werke zu lesen und mit ihm zu besprechen. Besonders in der ersten Zeit ihrer Beziehung ist sie jedenfalls eine geschätzte und unersetzliche Muse für ihren Mann.
Hadley wird den Selbstzweifler Ernest Hemingway in ihren gemeinsamen Jahren wiederholt als zutiefst erschöpft, unmotiviert und aufbrausend erleben. Beim Lesen des Romans wird deutlich, dass er mindestens an einer schweren Depression erkrankt ist. (Es liegt jedoch der Schluss nahe, dass Hemingway unter einer bipolaren Störung leidet.)
Für den jungen Hemingway ist klar, dass Schreiben sein Leben ist, allerdings präferiert er eindeutig die Schriftstellerei und nicht den Journalismus. Trotzdem wird er zunächst als Reporter arbeiten müssen, da seine ersten Versuche, mit Geschichten Geld zu verdienen, scheitern. Hemingway entstammt zwar einer wohlhabenden Familie, doch von seinen Eltern will er kein Geld annehmen, da er ihren Einfluss auf ihn als erdrückend wahrnimmt. Bei Hadley findet er für sein distanziertes Verhältnis durchaus Verständnis, da sie aus ähnlichen Verhältnissen stammt.
Von seinen Freunden, die sich ebenfalls als Schriftsteller versuchen, wird ihm nahegelegt, nach Paris auszuwandern. Paris ist in den 1920er Jahren das Mekka für Schriftsteller*innen, sowohl für Anfänger*innen wie für längst bekannte Stars. Dort angekommen, wird die Wohnungssuche eine mühsame, denn dem Ehepaar fehlt Geld an allen Ecken und Enden. In der Enge einer Wohnung, die alles andere als repräsentabel ist, bleibt Hadley häufig sich selbst überlassen, da sich Ernest ein eigenes Zimmer nimmt, um in der Abgeschiedenheit ohne Ablenkungen schreiben zu können. In ihrer Einsamkeit droht bittere Melancholie, doch noch ahnt Hadley nicht, dass dies erst der Beginn längerer einsamer Phasen sein soll.
Als besonders katastrophal wird sich erweisen, dass Hadley im Dezember 1922 einen Koffer mit sämtlichen Skizzen, Hemingways Arbeit eines ganzen Jahres, in einem Zugabteil liegenlässt, um den Zug kurz zu verlassen. Als sie zurückkehrt, ist der Koffer verschwunden, die Skizzen und sämtliche Duplikate werden nie wieder auftauchen.
Eine besonders enge Freundschaft pflegt Hemingway einige Jahre mit Gertrude Stein, die in der Pariser Künstlerszene längst etabliert ist, während Hadley sich zu Gertrudes Lebensgefährtin Alice (Babette) Toklas gesellt. Der Zirkel der Schriftsteller*innen erweitert sich sukzessive, doch sie dulden ihre Gefährt*innen nicht immer bei ihren Begegnungen.
Typisch für die Künstlerszene in Paris ist auch, dass Alkohol völlig ungehemmt genossen wird, während in Amerika von 1920 bis 1933 striktes Alkoholverbot gilt. Ausgelassenen Trinkgelage finden in Wohnungen wie auch in Cafés statt, die von Hemingway auch genutzt werden, um zu schreiben.
Genauso ungehemmt finden sich auch Paarungen, unstete private Beziehungen sind an der Tagesordnung und machen der feinsinnigen Hadley zu schaffen. Sie wittert Gefahren, weil sie sich nicht als sonderlich attraktiv empfindet und auch über kein Geld verfügt, um hübsche Kleidung für sich zu kaufen. Auch ihr großes Talent fürs Klavierspiel, das sie schon als Kind erlernt und mit großer Freude ausgeübt hat, leidet unter der finanziellen Knappheit der Eheleute. Mit dem Pariser Savoir-vivre der damaligen Zeit kann Hadley nicht mithalten und das macht ihr durchaus zu schaffen, auch, weil sie mit ihrem Mann in der tristen Wohnung keine - damals üblichen - stilvollen Empfänge ausrichten kann.
Um ein regelmäßiges Einkommen zu erhalten, ist Hem, wie ihn seine Freund*innen auch nennen, gezwungen, Aufträge von "Toronto Star" und anderen Magazinen anzunehmen, die ihn an diverse Kriegsschauplätze führen. Hadley kann seine Reisen nicht begleiten, was ihr große emotionale Schwierigkeiten bereitet, vor allem, weil Ernest wochenlang in anderen Ländern unterwegs ist. Hier zeigen sich erste Spannungen in der Beziehung der jungen Eheleute, einmal scheiden sie in einem heftigen Streit voneinander. Doch sobald Hemingway zurückgekehrt ist, glätten sich die Wogen langsam.
Einige Male werden sie in ihren Pariser Jahren auch Reisen unternehmen, die sie u.a. nach Spanien führen, wo Hemingway seine animalische Freude an den brutalen Stierkämpfen entdeckt. Als Hadley entdeckt, schwanger zu sein, ist Ernest zunächst alles andere als bereit dafür, Vater zu werden. Unter einigen Notizbüchern, die er führt, ist eines davon nur dazu genützt, Hadleys Zyklus genau nachzuvollziehen. Für Ernest ist nach erstem Widerstand klar, dass er sich einen Sohn wünscht. John kommt während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Toronto zur Welt, es zeigt sich, dass Ernest nun doch ein recht passabler Vater sein kann.
Hadley entdeckt - wieder nach Paris zurückgekehrt - zunehmend, dass sich ihr Mann auch anderen Frauen zuwendet. Ihre Befürchtungen scheinen sich zu erfüllen, während Bekannte immer noch darüber rätseln, wie man so eine Traumehe führen kann. Ein mehrmonatiger Winter-Aufenthalt zusammen mit Söhnchen John im österreichischen Montafon wird die Wogen noch einmal glätten, doch die Risse im Beziehungsleben der Eheleute werden immer sichtbarer.
Den ansprechend ins Deutsche übersetzten Roman habe ich sehr genossen, weil er nahe an historischen Begebenheiten ist und vor allem sehr realitätsnah auf intensive Weise die komplexe Beziehung der Eheleute beleuchtet. Was anfangs nach außen wie eine große und unkomplizierte Liebe anmutet, wird mit den Jahren zu einer vielschichtigen Beziehung, die aufzeigt, dass Hadley viel Rücksichtnahme von Seiten ihres oft recht egoistisch agierenden Mannes abverlangt wird.
Dass Ernest Hemingway eine Affaire mit Hadleys glamouröser Freundin, Pauline Marie Pfeiffer, intensiviert, ist kein überraschender Ausgang des Romans. Dennoch möchte er an Hadley festhalten und sieht sich in einer Ménage-à-trois. Doch er hat nicht mit Hadleys innerer Stärke gerechnet.
Ernest Hemingway war insgesamt viermal verheiratet, als er sich am 2. Juli 1961 mit einer Flinte das Leben nahm.
Hadley Richardson wird in diversen Medien zu Hemingways wichtigster Wegbegleiterin erhoben, jedoch soll ihre stets unterstützende Rolle in Hemingways Schaffen bis heute unterschätzt sein. Verbunden blieben die beiden sich auch durch ihren Sohn John Hadley Nicanor Hemingway, zu Wiedersehen soll es allerdings kaum mehr gekommen sein. John, von seinen Eltern zärtlich Bumby genannt, verstarb 2000.
Bis zu ihrem Tod am 22. Jänner 1979 sprach Hadley respektvoll über ihren ehemaligen Ehemann und Vater ihres Sohnes, von dem sie sich 1927 scheiden ließ.
Hadley erlebte in ihrer zweiten Ehe mit dem Journalisten Paul Scott Mowrer, den sie 1933 heiratete, eine liebevolle Beziehung, die mit seinem Tod im Jahr 1971 ein Ende nahm.
Bild: Pixabay, Franz26 #Liebe #Buchtipps



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