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Amour fou

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 12. Mai
  • 2 Min. Lesezeit



Amour fou – diese Form der Begegnung zweier Menschen lässt Romantik und Verklärung in ein gefährliches Abenteuer ausarten, das auch von ungestillter Sehnsucht und obsessiver Hingabe geprägt ist.

Zwei Menschen, die sich derart heillos ineinander verlieren, sind oft nicht mit sich selbst im Reinen, geplagt von einer Leere, die sie verzweifelt zu füllen versuchen.

So eine Verbindung ist toxisch und beruht auf einem Ideal, das nie ganz greifbar wird, wenn es in weiter Ferne glänzt. Sobald räumliche Nähe zustandekommt, bleibt meist von Glanz und Gloria kaum noch etwas übrig. Statt Erfüllung zeigt sich Schmerz, die Illusion überlagert die Realität, und die Verklärung verhindert einen klaren Blick auf das Gegenüber.


Auf einer verzweifelten Suche nach Erfüllung war ich einst selbst. Der Versuch, einen Menschen zu lieben, der sich selbst nicht liebte und seine Umgebung mit erfolgreichem Schauspiel monatelang manipulierte, scheiterte kläglich.

Ich war gewarnt, meine Intuition gab mir reichlich Hinweise, doch ich war bereits mit hohem Tempo unterwegs, um mich vollends geblendet von Versprechen in die Arme eines in seiner Persönlichkeit sehr gestörten Mannes zu begeben. Das Ringen um emotionale und räumliche Nähe und der Wunsch nach Geborgenheit brachten mit sich, dass ich mich selbst immer mehr aus den Augen verlor. Zuverlässigkeit und Stabilität waren in dieser Beziehung nicht möglich.

Auf diesem Highway der rasanten Liebe knallte ich mit voller Wucht gegen die Wand. Meine Rettung waren mein Wille, möglichst rasch wieder aufzustehen, und mein Verstand, mit dem ich meine Anteile, die mich zu dieser Beziehung verleiteten, analysierte. Im Rückblick kann ich es kaum fassen, wie sehr ich selbst bereit war, mich täuschen zu lassen.


Wir können auch als Lesende solchen Verflechtungen zweier Menschen begegnen, die einander kaum Raum lassen, um frei atmen zu können. Spannend sind solche Geschichten allemal. Eine Lektüre, die ich als sehr aufschlussreich empfand, ist das Buch Die Rose des kleinen Prinzen. Erinnerungen an eine unsterbliche Liebe. Consuelo de Saint-Exupéry schildert darin ihre Jahre mit ihrem rastlosen und sehr unglücklichen Mann, Antoine de Saint-Exupéry.


Foto: Pixabay #DU #Liebe #Buchtipps

 
 
 

6 Kommentare


Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
14. Mai

Ach ja, solche Beziehungen sind für die Beteiligten alles Andere als bekömmlich. Es gibt so viele solcher Bespiele. Mir kommen da spontan Max Frisch und seine überaus schwierige (und wohl auch toxische) Beziehung zu Ingeborg Bachmann in den Sinn.

Einen lieben Gruss, zum Glück ohne eigene solche Erfahrungen,

Brigitte

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C*
C*
14. Mai
Antwort an

Das ist wohl so, ich habe das auch erfahren, liebe Brigitte! Es sind keine bekömmlichen Beziehungen, wie Du so zutreffend schreibst. Ein Segen für den, der solche Erfahrungen nicht gemacht hat.

Danke für Deinen Hinweis auf eine weitere schwierige Beziehung, ich habe schon mal davon gelesen, ist mir gerade bewusst geworden. Es gibt ja über diese Beziehung zwischen Frisch und Bachmann auch einige Bücher, die vermutlich sehr eindrücklich sind.

Herzliche Grüße und einen schönen Tag für Dich, C Stern

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Traude Rostrose
Traude Rostrose
13. Mai

Liebe C, danke dir für diesen Beitrag. Du ahnst wahrscheinlich, an welche mir nahe stehende Person ich den Link zu deinem Beitrag weitergeleitet habe. Dort hat sich leider noch immer nichts Positives getan, trotz der vielen Möglichkeiten zum Absprung, die es in der Zwischenzeit gegeben hat.

Ich selbst war nie der Mensch für eine Amour fou...

... und ich hatte auch keine Ahnung, dass Antoine de Saint-Exupéry, der so weise Geschichten schrieb, so rastlos und unglücklich war. Das wirft in meinen Augen einen ganz anderen Blick auf seinen Tod als bisher.

Vielen Dank für deine lieben Worte in meinem Blog! Wir hatten heute Anitas Trauerfeier, die zum Glück gar so traurig nicht war. Natürlich gar es ein paar feuchte Augen,…

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C*
C*
13. Mai
Antwort an

Liebe Traude,

ich hätte mich selbst zu keinem Zeitpunkt für eine Frau gehalten, die sich in so ein Abenteuer förmlich hineinwerfen würde. Man muss wahrlich kein Mensch sein, der für eine derart wahnsinnige Verbindung empfänglich ist: Von Männern, die viele Frauenbekanntschaften ausgekostet haben, hielt ich mich immer fern, sie waren mir zu unstet und haben mich überhaupt nicht interessiert. Und dann ist es doch passiert, obwohl ich ahnte, dass es in eine furchtbare Abwärtsspirale führen würde - diese vielen Versprechungen einer gemeinsamen Zukunft, sie fielen auf fruchtbaren Boden, ich wollte unbedingt daran glauben. Offensichtlich muss eine Frau allerdings selbst an einen Punkt der tiefen Verzweiflung oder noch besser in Wut geraten, dass sie handlungsfähig wird. All das, was im Außen…


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stemmer.recklinghausen
stemmer.recklinghausen
13. Mai

Beim Lesen deines Textes hat sich mir die Bedeutung des Wortes Er-Füllung in seinem tieferen Sinn erschlossen. Nach Erfüllung suchen, bedeutet dann: ich will, möchte, muss etwas (in mir) füllen. Das setzt natürlich Leere voraus. Eine schwierige Voraussetzung für eine Beziehung, es läuft dann häufig auf ein Brauchen hinaus. Eine solche Beziehung schildert Natascha Wodin in "Nachtgeschwister"

Herzliche Grüße

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C*
C*
13. Mai
Antwort an

Da ich über mehrere Jahre vor diesen bizarren Begegnungen ein sehr glückliches Single-Leben geführt habe, in der eine Partnerschaft für mich kein Thema war, überrascht es mich im Rückblick umso mehr, dass ich auf einmal diese Leere gefühlt habe. Etwas bin ich wohl auch in eine "Will-Haben"-Haltung abgeglitten, die mir dieses Leersein so deutlich gemacht hat.

Deine Buchbesprechung zu "Nachtgeschwister" hat mich intensiv daran erinnert, was ich selbst erlebt habe.

Mit lieben Wünschen für einen schönen Feiertag 🦋

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