Eine außergewöhnliche Liebeserklärung
- C*

- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Als junge Frau habe ich sehr gerne die amerikanische Fernsehserie Hotel gesehen, die an den gleichnamigen Roman von Arthur Hailey angelehnt ist. Besondere Freude hatte ich am feschen Hoteldirektor Peter McDermott (James Brolin) und an seiner bezaubernden Assistentin Christine Francis (Connie Selecca). Die Außenansichten des fiktiven Hotels St. Gregory stammen vom Fairmont Hotel in San Francisco.
Ich habe eine Schwäche für alte Hotels, die bestens erhalten sind und mich durch ihre gepflegte Atmosphäre anziehen. Diese so besondere Eleganz, die nur altehrwürdige Häuser ausstrahlen, ist in meinen Augen durch nichts zu überbieten. Zu beeindruckenden Lobbys passen fein gekleidete Mitarbeiter*innen, das konnte ich auch einmal im Grand Hotel Des Bains am Lido von Venedig höchst eindrucksvoll erleben. Dort hatten wir natürlich kein Zimmer gebucht, aber wir haben uns aus Anlass eines Ausflugs an den Lido im Hotel umgesehen und vielfach gestaunt, auch den so berühmten Strand haben wir besucht. Dieses wunderschöne Hotel war Schauplatz in Thomas Manns Buch Der Tod in Venedig, und der Roman wurde an eben diesen Orten von Luchino Visconti gar prächtig verfilmt. Leider wurde das Grand Hotel Des Bains 2010 geschlossen, es sollte in Appartements umgebaut werden, was allerdings nie realisiert wurde. Welch trauriges (italienisches?) Schicksal dieses so wunderbaren Hotels.
Dass es sich in Hotels gut leben lässt, davon überzeugen sich immer mehr Menschen. Sicherlich keine günstige Angelegenheit, aber jedenfalls praktisch, es ist ja für alles bestens gesorgt. Ein bekannter Österreicher mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, der Dramaturg und Opernliebhaber Marcel Prawy (geboren am 29. Dezember 1911 als Marcell Horace Frydmann Ritter von Prawy in Wien, verstorben am 23. Februar 2003), bevorzugte während seiner letzten Lebensjahre diese Umgebung, um sich heimisch zu fühlen. Begleitet von sage und schreibe rund zweitausend gelben Einkaufssackerln bestimmter Lebensmittelläden, wurde er im legendären Hotel Sacher ansäßig, das unmittelbar neben seiner geliebten Wiener Staatsoper liegt. In den Sackerln bewahrte der eigenwillige Künstler (der auch ausgebildeter Jurist war) Musikdokumente, Handschriften und Noten-Originale von Richard Strauss bis Leonard Bernstein. Wenn Marcel Prawy über Opern sprach - und das tat er oft und gerne -, dann hörte ich einfach zu, denn seine Leidenschaft war fesselnd und seine Eigenarten hatten Charme.
Im Kinofilm The Souffleur brilliert der siebzigjährige, übrigens sehr uneitle Hauptdarsteller Willem Dafoe als Chefmanager Lucius des in die Jahre gekommenen Luxushotels InterContinental in Wien. 1964 wurde es einst als größtes Hotel Österreichs eröffnet.
Es sei erwähnt, dass Willem Dafoe der einzige Schauspieler in diesem filmischen Werk ist, nur der argentinische Regisseur dieses Essayfilms, Gastón Solnicki, spielt noch eine Rolle, nämlich die des Investors, der den Abriss des Hotels plant. Alle anderen Menschen, die in diesem außergewöhnlichen Kinofilm vorkommen, sind Laiendarsteller*innen und sind ganz sie selbst, als Menschen wie auch als Mitarbeiter*innen des InterContinental. Gedreht wurde übrigens während fünfzehn Tagen bei laufendem Betrieb, was sicherlich die eine oder andere Herausforderung bedeutete. Ein großes Publikum wird dem Film wohl nicht beschert sein, denn einen eigentlichen Plot gibt es nicht; dieser Essayfilm ist also nicht durchkomponiert und folgt keinem roten Faden. Ich habe den Film mit großem Interesse gesehen, er berührt mich wohl deshalb, weil Dafoe und die Laiendarsteller*innen ihre Leidenschaft für das Hotel leben und in diesem riesigen Haus Heimat gefunden haben.
Das Schicksal des Hotels ist tatsächlich auch in der Realität in der Schwebe: Das umstrittene Projekt zum Wiener Heumarkt wäre der Todesstoß für dieses Hotel, das mir zwar von seiner Architektur her nicht behagt, aber innen einst als unerreicht mondän gegolten hat und viele illustre Gäste angezogen hat. Im Projekt ist ein Neubau des Hotels geplant, und besonders der Bau eines Hochhauses würde für diesen Platz die Aberkennung des Unesco-Weltkulturerbes Innere Stadt bedeuten.
Den Film empfinde ich als außergewöhnliche Liebeserklärung an dieses Hotel wie auch an die Stadt Wien.



Ich kenne das Buch und ja, es hat mir gefallen. In Hotels war ich immer nur, wenn ich mit Busreisen in Österreich unterwegs war - kein großer Komfort, aber Bett und Schrank und ein Waschbecken waren für eine Nacht immer genug. Toiletten waren dann weiter hinten im Gang.
Aber es gibt heute schon Menschen, Ältere, die alles von sich verkauft haben und quasi auf Reiseschiffen wohnen, stets eine neue Route buchen und so gut leben...
Dir mein Danke für deinen interessanten Einblick
mit lieben Grüßen in deinen Tag,
Edith