
Was haben Taylor Swift und Jimi Hendrix gemeinsam?
Meines Wissens nach die Liebe zur Musik und ihren jeweiligen Erfolg. Ob Taylor Swift ebenfalls den Anspruch hat, die Welt zu verändern?
Jimi Hendrix konnte seinen Ruhm nur schwer verkraften, er litt unter seinem Star-Sein: Er entwickelte Allüren und ließ sein Publikum wissen, wenn er seine Auftritte nicht besonders genoss. Jimi Hendrix spielte häufig mit dem Rücken zu seinen Fans und litt an Depressionen sowie Panikattacken. Zu Beginn seiner Karriere fiel Hendrix auch damit auf, dass er seine Gitarren zerschmetterte oder auf der Bühne entzündete. Nicht gerade Verhaltensweisen, von denen Eltern wünschen, dass ihre Kinder sie nachahmen.
Anders als bei Jimi Hendrix träumen bei Taylor Swift ganze Familien davon, ein Konzert erleben zu können, es vereinen sich Eltern, vielleicht sogar Großeltern in einem gemeinsamen musikalischen Geschmack mit ihren Kindern und Enkelkindern. Ich finde, das ist durchaus eine Leistung, die man Taylor Swift anrechnen darf: Familienharmonie via Musik!
Taylor Swift scheint frei von allerlei Ungemach zu sein - und das finde ich ziemlich bemerkenswert, denn sie muss einem unermesslich hohen Erfolgsdruck ausgesetzt sein.
Ich gestehe, mit Taylor Swift habe ich mich bislang noch nie beschäftigt, ich kannte auch ihre Songs den Titeln nach nicht. In den letzten Wochen habe ich mich allerdings etwas mit ihren Songs beschäftigt und dabei festgestellt, dass ich einige davon längst kenne, wenngleich mich die Interpretin nie interessiert hat. Warum eigentlich nicht, das frage ich mich nun selbst. Warum bin ich nicht angesteckt von diesem Taylor-Swift-Fieber, warum gehöre ich nicht zu den Swifties?
Ehrlich, mir kommen weder Stimme noch Songs außergewöhnlich vor, aber anscheinend kann ich beides nicht richtig einschätzen: Taylor Swift absolviert (nicht erst) gegenwärtig Auftritte, nach denen sich Musikjournalist*innen vor Euphorie geradezu überschlagen. Es werden ihr schon in jungen Jahren ganze Bücher gewidmet, Plätze und Städte (z.B. Swift City, dahinter verbirgt sich die 250.000-Einwohner-Stadt Glendale in Arizona, und Swiftsburgh (Pittsburgh)) nach ihr benannt (zu Lebzeiten!), sämtliche Konzerte sind sofort ausverkauft. Es heißt, sie schreibe gute Texte; häufig nimmt sie Bezug auf ihr - glaubt man den Gazetten - bewegtes (Liebes-)Leben. Sie gilt seit längerem als eine der einflussreichsten Personen der Welt und könnte laut Journalist*innen - wenn sie es darauf anlegen würde - einen nicht unerheblichen Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl haben: Es ist nicht an mir vorübergegangen, dass sie sich für die Demokratische Partei einsetzt.
Wie ich lese, liegen der feschen Künstlerin auch so manche Staatschefs weltweit zu Füßen, von Kanadas Premier Justin Trudeau etwa ist die Bitte bekannt, Taylor möge doch auch einen Tourstopp in Kanda einlegen.
Vor einigen Wochen habe ich eine von mir sehr geschätzte Sendung gesehen, Sternstunde Philosophie. Christine Lötscher, Professorin für Populäre Literaturen und Medien, und Jörn Glasenapp, Inhaber des Lehrstuhls für Literatur und Medien an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, gingen dem Phänomen Taylor Swift aus kulturwissenschaftlicher Sicht auf den Grund. Beide, vor allem aber Herr Glasenapp, zeigten sich beeindruckt von Taylor Swift, und so bin ich nun dabei, Glasenapps Buch über Frau Swift zu lesen. Übrigens weiß man von Jörn Glasenapp auch zu berichten, dass er sich nicht hätte träumen lassen, eines Tages Swiftie zu sein.
Derzeit ist Taylor Swift unterwegs mit ihrer "Eras Tour", die internationale Presse scheint sich einig zu sein: Diese Tour sei eine performerische Leistungsschau sondersgleichen, und wie Jörn Glasenapp freimütig gesteht, habe er das Glück gehabt, dass er Taylor gleich mehrmals folgen konnte.
Ich bin ziemlich sicher: Ein Konzert werde ich niemals besuchen, aber definitiv künftig etwas genauer hinhören, wenn Frau Swift im Radio erschallt.
ich finde diesen hype auf einzelne menschen ungesund für die fans wie für die stars. irgendwie scheint es wie eine pandemie zu sein, auch wissenschaftler sind nicht gefeit dagegen. ich höre gerne musik, aber nicht mal ihre stimme finde ich beeindruckend, alles scheint mir genau durchkalkuliertes theater. die frauen jenseits des teenageralters mit den fanartikel kann ich auch nicht verstehen. vielleicht bin ich zu alt? lieben gruß, roswitha
Fankult liegt mir sehr fern. Ich mag Musik, die gut ist. Egal welcher Coleur. Nicht unbedingt Schlager und keinen Bombastsound a la Queen mit Freddy Mercury. Wir sind am Wochenende in Bregenz und schauen und hören den Freischütz. Da fällt mir ein, Wagner mag ich auch nicht!
LG, piri
Sie hat - keine 20 km vor mir entfernt - ein Konzert in Gelsenkirchen, vorübergehend als Swiftkirchen bezeichnet gegeben. Nur dadurch bin ich darauf aufmerksam geworden. Ich eigne mich nicht so zum Fan, egal welcher Couleur. Möge sie ihre Popularität nutzen um die Wiederkehr eines Trumps zu verhindern. Herzliche Grüße