Ein lang gehegter Traum ...
- C*

- vor 2 Stunden
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... geht endlich in Erfüllung
Wie oft ich mir gewünscht habe, die Wachau kennenzulernen ...
Wir haben uns aufgrund der Temperaturen entschlossen, unsere freien Tage in Städten zu verbringen, die gleichzeitig von beeindruckender Natur umgeben sind.
Es ist uns wichtig, auch (kühle) Museen in Reichweite zu haben, wodurch wir uns für die Stadt Krems an der Donau (ca. 25.500 Einwohner*innen), die ein abwechslungsreiches Programm ermöglicht, entschieden haben.
Für unseren Aufenthalt in der Wachau haben wir zwei Tage ins Auge gefasst und diese Zeit werden wir auch sehr abwechslungsreich verbringen.
Noch ahnen wir nicht, wie sehr wir von so vielen Möglichkeiten, Kunst auf einem sehr hohen Niveau erleben zu können, beeindruckt sein werden. Diese Stadt wartet gar mit einer Kunstmeile auf, die ihre Bezeichnung wahrlich verdient.
Wir starten bei herrlichem Wetter und verlassen unser Zuhause gemütlich am frühen Vormittag mit dem Auto. Eine Besonderheit ist, dass wir die gesamte Fahrt auf ein und derselben Bundesstraße bleiben werden, die uns zunächst an die Grenze zwischen Oberösterreich und Niederösterreich führt. Wir haben keine Eile, aber wir fühlen jede Menge Vorfreude, denn diese Strecke wird uns direkt in und durch die weltbekannte Wachau führen - eine Gegend, die zum Weltkulturerbe der UNSESCO zählt.
Die Bundesstraße führt zunächst durch das Machland, vorbei an Grein und durch den Strudengau direkt in den Nibelungengau. Zuverlässig begleitet uns zur rechten Seite immer die Donau, an manchen Stellen ist auch deutlich zu sehen, dass ihr Wasserstand sehr niedrig ist. Bei diesem prächtigen Wetter sind viele Radfahrer*innen unterwegs und an manchen Stellen nehmen sie ihren Weg auch auf der Bundesstraße - ziemlich mutig, wie wir finden. Schließlich breitet sich auf einmal die Wachau vor uns aus. Obstbäume, vor allem die so berühmte Wachauer Marille, wohin das Auge blickt, auf den teilweise äußerst schroff anmutenden Hängen präsentieren sich rechts und links der Donau herrlich weitläufige Weingärten. Wir erblicken auch einige Burgruinen, diese sind in der Gegend typisch. Beeindruckend liegt schließlich zu unserer Rechten das imposante Stift Melk, das als ein Wahrzeichen der Wachau gilt. Es funkelt und strahlt weithin sichtbar, der blaue Himmel bildet einen äußerst reizvollen Kontrast zum sonnig-satten Gelb des riesigen baulichen Kunstwerkes. Dieses Stift nach über dreißig Jahren wieder einmal zu besichtigen, ist eine weitere Vision, die ich hege. Dafür gilt es, reichlich Zeit einzuplanen.
Es wird auf dieser Strecke immer wieder klar, dass hier die gesamte Wegstrecke, die wir zurücklegen, ein außergewöhnlich schönes Erlebnis bedeutet. So sehen wir ein malerisches Dörflein nach dem anderen, viele Häuser sind eng an Weingärten geschmiegt. Schließlich nähern wir uns der kleinen Stadt Dürnstein, die ebenfalls wahrhaftig eine Perle der Wachau genannt werden kann. Berühmt ist hier das Stift Dürnstein und dies vor allem für seinen blauen Turm. Der Turm der Stiftskirche mit seiner blau-weißen Färbung gilt als ein weiteres Wahrzeichen der Wachau. Da wir noch das Stift Göttweig erreichen möchten, beschließen wir, bei unserer Rückfahrt einen Halt in der kleinen Stadt einzulegen.
Nun sind wir nur noch wenige Kilometer von Krems entfernt, wir sollten uns darauf konzentrieren, einen Hinweis auf eine Abbiegung in Richtung Stift Göttweig zu finden. Tatsächlich schaffen wir es nicht, rechtzeitig abzubiegen - irgendwie verpeilt. Nun ist ein Entschluss gefragt, wir sind nämlich bereits an einer Zufahrt zu Krems angelangt. Kurzerhand beschließen wir gemeinsam, nicht mehr umzudrehen. Und das ist, ich nehme es vorweg, eine gute Entscheidung.
Mit meiner Orientierung hapert es leider gewaltig, als Beifahrerin bin ich leider alles andere als ein Hit. Die ganze Verantwortung für eine gut geplante Autofahrt liegt bei meinem Schatz. Herr Stern allerdings hat einen guten Orientierungssinn und so schaffen wir es tatsächlich, uns um die frühe Mittagszeit beim Hotelparkplatz einzufinden. Check-in ist erst am Nachmittag - so beschließen wir kurzerhand, auch durch unseren Hunger angeregt, gleich in Richtung Altstadt aufzubrechen. Unser sehr schönes Hotel ist bestens gelegen, zur Altstadt sind es nur fünf Minuten zu Fuß. Auf dieser Strecke finden wir einen kühlen Biergarten, unsere Wahl wird sich als goldrichtig herausstellen, denn Speis' und Trank werden rasch serviert und munden hervorragend. Lang bleiben wir nicht sitzen, denn die Neugierde auf die Altstadt drängt uns.

Zum Steinertor sind es nur noch wenige Meter - und dann ist der Blick frei auf erste prächtige alte Häuser. Ich bin sofort von leidenschaftlicher Freude erfasst und kann es gar nicht glauben, wie gepflegt hier jede Fassade, jedes Geschäft, jeder Gastgarten ist. Es sind Menschen unterwegs, aber es gibt kein Gedränge. Einige Läden erwecken mein Interesse, ich habe nicht vor, einzukaufen - aber ein bisschen Gustieren, das darf schon sein. Nun soll aber auch nichts übertrieben werden, denn eigentlich steht uns der Sinn durchaus schon nach einer netten Konditorei - und wir werden fündig: Diese kreative Werkstatt für süße Träume beeindruckt nicht nur mit ihren ausgezeichneten Mehlspeisen, sondern auch mit leckerem hausgefertigten Konditoreis. Die Köstlichkeiten des Hauses werden nicht ohne (höchst berechtigten!) Stolz serviert. Es ist Urlaubszeit, wir lassen es uns gut gehen, schließlich lebt man ja nur einmal.
Was auffällt: Die Menschen in Krems sind äußerst zuvorkommend. Im Hotel wurden wir überaus herzlich begrüßt und durften auch gleich den hauseigenen Parkplatz benützen, obwohl wir erst abends einchecken werden, wie sich herausstellen wird.
Im Biergarten wurden wir liebenswürdig in Empfang genommen und die Mitarbeiterin der Konditorei weiß gleich eine Empfehlung, als ich nach einem bestimmten Geschäft frage.
Nach unserer süßen Rast ist Zeit für einen ausgedehnten Bummel, wir sind erstaunt, wie weitläufig die unglaublich charmante Altstadt ist. Auch die Nebenstraßen sind äußerst schmuck, wir staunen nur so vor uns hin.

Schließlich, längst ist der spätere Nachmittag angebrochen, wollen wir uns aufmachen zu unserem ersten Besuch eines Museums. Die Stadt Krems ist reich an Museen und an weiteren Kulturstätten. Höchst erfreulich, die Kunstmeile (hier sind die Landesgalerie Niederösterreich, die Kunsthalle Krems und das Karikaturmuseum Krems beherbergt) ist ebenfalls fußläufig vom Hotel aus in fünf Minuten erreichbar. Dort angekommen, entschließen wir uns, das nahe Forum Frohner zu besuchen, denn dort gibt es eine Ausstellung, die uns sehr reizt:
Zunächst tasten wir uns durch den Raum, der dem Thema Touch! Kunst berührt gewidmet ist. Hier gibt es auch einen Beitrag über das Tapp- und Tastkino der Künstlerin VALIE EXPORT, der ich in meinem Blog einen Artikel gewidmet habe.

Noch viel mehr interessiert uns, dass sich eine tolle kleine Ausstellung, allerdings mit reichlich hochinteressantem Bild-, Ton- und Lesematerial versehen, dem Komponisten und Humanisten Ernst Krenek annähert.
Seine Biografie beeindruckt uns auch deshalb, weil er mit vielen interessanten Menschen seiner Zeit befreundet war und auch reichlich Korrespondenz mit ihnen pflegte. Bekannt ist er auch dafür, dass er sich intensiv mit der Zwölftontechnik Arnold Schönbergs, die in den folgenden Jahren sein Schaffen prägte, auseinandersetzte. Ernst Kreneks humanistisches Denken war Grundlage für seinen Widerstand gegen den Totalitarismus des 20. Jahrhunderts.
Ein weiteres Highlight an unserem ersten Tag in Krems bietet eine Klanginstallation im Klangraum Krems Minoritenkirche. Die Vibrationen erfassen mich gefühlsmäßig wie auch körperlich, sie sind sehr intensiv. Jedenfalls sehens- und hörenswert, das ist unser Resümee.

Wir verlassen die Kunsträumlichkeiten - ich bekunde Interesse an einer frühabendlichen Nahrungsaufnahme.
Während unserer Wege, die uns durch die malerische Stadt führen, fällt übrigens auf, dass hier vielerorts sehr gediegen gewohnt wird. Eine halboffene Tür macht neugierig - uns zeigt sich ein wunderschönes Eingangstor zu einem Vorgarten, der zu einer Villa gehört. Allerdings wage ich es nicht, den Vorraum zu betreten. Das nachfolgende Foto vermag meiner Meinung nach diesen wohnlichen Zauber ein bisschen einzufangen.

Besonders berührend finde ich, dass es auch einige Gebäude entlang unserer Wege gibt, die eine wunderbare Patina aufweisen, wie eines meiner Lieblingsfotos beweist.

Wir befinden uns unweit der Steiner Kellergasse und finden Einlass bei zwei netten Damen. Der Durst ist riesig, die Auswahl der köstlichen Getränke fällt leicht.
Der Wein ist vorzüglich, wie ich immer wieder höre, aber leider nichts für mich - ich lasse mich auf den spritzigen Holunderblütensaft ein und trinke mehrere Gläser davon, bin also ebenso höchst zufrieden. Als ich hungrig meine Jause wähle, ahne ich noch nicht, dass ich gezwungen sein werde, meinen Schweinsbraten vor unzähligen Wespen zu verteidigen. Diese Tierchen, man glaubt es kaum, fallen den Braten an, als ginge es um ihr nacktes Überleben. Sie zu beobachten, ist faszinierend - verjagen lassen die sich sowieso nicht. Also beschließe ich, mein Mahl mit ihnen zu teilen, wenn es sich denn gar nicht vermeiden lässt. Schnell fressen sie Ränder ab, ein paar Mal hebt eine besonders tüchtige Wespe mit einem kleinen Stückchen ihrer Beute ab und befördert sie in Sicherheit. Eine der Wespen scheint sich so sattgefressen zu haben, dass sie anschließend völlig entkräftet auf unserem Tisch liegenbleibt, um dort langsam ins Wespen-Nirvana hinüberzugleiten. Dann tut sie mir doch recht leid, schließlich sorge ich beherzt für ihren Gnadentod. Wir haben übrigens eine Wespenfalle auf unserem Tisch - wirklich hilfreich ist das Ding allerdings nicht. Nur ein paar Wespen finden den Eingang zur Falle, aber nicht mehr heraus. Das geht uns nicht in unsere Köpfe, aber genau darum sind diese Fallen auch durchaus erfolgreich in der Wespenabwehr, ausgerechnet diesmal aber nicht. Blöde Sache, ich drehe und wende also immerfort meine Jause, damit nur ja keine stechwütige Wespe in meinem Mund landet. An dieser Stelle sei verraten, es geht alles gut und der Abend wird immer schöner, denn unsere Aussicht entschädigt uns für alle unliebsamen tierischen Attacken.
Da wir vor 21 Uhr in unserem schmucken Hotel einchecken möchten, machen wir uns langsam auf den Weg, mein Schatz leicht illuminiert, ich völlig nüchtern, aber trunken vor Glück. Was für ein schöner Tag in meiner neuen Lieblingsstadt!



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