Ein Gruß aus der Küche
- C*

- vor 2 Tagen
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Amuse Bouche - mit viel Chi-Chi, einfach und verständlich notiert: Ein Gruß aus der Küche mit viel Theater, um die Magensäfte für Nachfolgendes anzuregen.
Mein Gaumen findet Gefallen an bodenständigen Gerichten. Für einen überkandidelten Küchengruß kann ich mich nicht erwärmen. Doch allzu groß ist die Gefahr ohnehin nicht, in diese Verlegenheit zu geraten. Wiederholt meinte in der Vergangenheit ein gewisser André Heller in österreichischen Medien, man möge ihn möglichst mit derartigen Küchengrüßen verschonen. Man wolle ja nicht von einem Unbekannten gegrüßt werden, sondern einfach nur bestellen und essen. Da sind wir uns dann also einig.
Ich erinnere mich allerdings an einen Besuch in einem ehemaligen Edelrestaurant der Stadt - ein Besuch mit Amuse Bouche.
Vor Jahren bekam mein Vater einen Gutschein zum Geburtstag verehrt, dessen Einlösung für meine vierköpfige Familie in einem lukullischen Fest gipfeln sollte, so zumindest die Idee derer, die meinen Vater derart großzügig beschenkten.
Als erstes kommt mir in den Sinn, dass ich die Platzsituation an diesem so angesagten Ort als unangenehm empfand. Ich kann es überhaupt nicht leiden, Tisch an Tisch mit Nachbar*innen zu sitzen, die entweder gar nichts miteinander reden (und auf diese Weise Gesprächen an Nebentischen (un-)freiwillig beiwohnen könnten), oder derart vernehmbar disputieren, dass man sich auch dadurch gestört fühlen könnte.
Wie auch immer, an einer vorgegebenen Sitzordnung lässt sich kaum etwas ändern.
Ein Blick in die Speisekarte sollte wenig ertragreich für mich sein, denn ich hatte zu dieser Zeit eine Phase, in der sich mein Appetit durch größte Zurückhaltung auszeichnete. Das änderte sich auch nicht mit einem Blick in die hochnoble Speisekarte.
Einzig eine Rindsuppe, angereichert mit einem Schuss Portwein, konnte ich mir mit Müh und Not für meine Nahrungsaufnahme vorstellen. Hinsichtlich Portwein war ich aber skeptisch, da meiner Meinung nach eine gut gemachte echte Rindsuppe nicht getoppt werden kann.
Wie es durchaus üblich ist in so einem Restaurant, das Fine Dine anbietet, wurde während der Wartezeit ein Gruß aus der Küche gereicht. Ich muss vorausschicken, unser Besuch dieses Restaurants fiel in die Wintersaison. Diesem Umstand mochte geschuldet sein, dass die Tomaten, die sich in einem mit Cocktailsauce angereicherten Shrimpssalat darboten, völlig geschmacklos waren. Eine Fehlinvestition des Küchenchefs? Und die Shrimps in Cocktailsauce - darüber schieden sich wohl auch die Geister. Eine erste herbe Enttäuschung also.
Als mir nach weiterer Wartezeit die Rindsuppe kredenzt wurde, präsentierte sie sich mit reichlich TamTam. Ein viereckiges Tellerchen, auf dem sich eine kleine Schale mit der Suppe befand, neben einer sehr übersichtlichen Anzahl an Gemüsestreifchen und der Suppeneinlage, die ich als doch recht bodenständige Schinkenschöberl identifizieren konnte. Daneben ein Gabelchen, selbstverständlich dazu gereicht, um das fein gestreifte Gemüse und die Schöberl stilvoll in die edle Suppe zu befördern. Da war ich also gespannt, wie sich die so besondere Rindsuppe geschmacklich offenbaren würde. Ganz lapidar festgehalten, erinnere ich mich nicht daran, dass mich der Geschmack umgehauen hat. Also, ich saß, bis ich das Schälchen geleert hatte, immer noch auf meinem Stuhl.
Jede kräftige Rindsuppe, die in einem Wiener Beisl gekocht wird, das auf bodenständige Küche baut, schmeckt besser. Also mir jedenfalls. Es kann natürlich auch sein, dass ich von gehobener Küche keine Ahnung habe. Das wird's wohl sein.
Die Speisen, die mein Vater, meine Mutter und meine Schwester zu sich nahmen, sind mir übrigens gar nicht in Erinnerung geblieben, aber wir dürften es gemeinsam geschafft haben, den Gutschein restlos einzulösen.
Und zum Schluss habe ich vielleicht einfach Tschüss gesagt - und nicht Auf Wiedersehen.
Foto: Pixabay, "VP68"



Hi, hi, da fallen mir auch ein paar wenige Negativbeispiele ein (Geschäftsessen zu den Zeiten, als wir noch berufstätig waren). Darum wenige, weil wir selber nie solche exklusiven Lokale aufsuchen, wo das Essen mit der Pinzette zurecht gezupft und mit viel überteuertem Schnickschnack zubereitet wird.
Ich finde solche Anlässe irgendwie dekadent.
Deine Einschätzung kann ich deshalb teilen. :--)
Lieben Gruss ins Wochenende,
Brigitte
Man sagt ja immer scherzhaft, umso teurer die Speisen, umso weniger hat man auf dem Teller. Wobei die Qualität hinsichtlich des Geschmackes außen vor bleibt. Teurer heißt ja noch lange nicht, dass der Koch gut kochen kann.
Für mich wären solche Restaurants auch nichts. Schade um das Geld.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Jutta
Liebe C*, ich lasse mich durchaus gern mal von ungewöhnliches Speisen kulinarisch verwöhnen, aber wie du habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass (ab)gehobene Kulinarik oft nicht mit herzlicher und herzhafter Wirtshausküche mithalten kann.
Zu André Heller noch etwas ganz Anderes: Gestern waren wir mit Freunden (endlich) im noch relativ neuen Bank Austria Park aka André Heller Park an der Donau 😊... und mal wieder Mural-Schauen, denn heuer fand Calle Libre in Wien schon im Mai statt... (Bericht folgt... irgendwann...)
Deinen vorigen Beitrag habe ich auch mit mehrfachem Kopfnicken gelesen - und besonders gefiel mir der Satz "Ich schätze Menschen, denen so manche -losigkeiten fremd sind: Humorlosigkeit, Lieblosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Schamlosigkeit." Den unterschreibe ich dir sofort!
Alles Liebe, Traude
https://rostrose.blogspot.com/2026/05/reisebericht-2025-von-ost-nach-west-auf.html