Die Kümmerer
- C*

- vor 2 Stunden
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Vor kurzem habe ich einen Film gesehen, der Teil der Fernsehserie Anna und ihr Untermieter ist. Bisher war mir diese Serie unbekannt, ich bin allerdings sehr angetan. Ich habe mir die Folge Volles Haus (5. Teil) zu Gemüte geführt. Katerina Jacob als Anna Welsendorf und Ernst Stötzner als ihr Untermieter Werner Kurtz haben mich mit ihrem Spiel überzeugt. Die beiden spielen zwei Menschen im Ruhestand - Anna hat ihren Job verloren, sie arbeitet ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge, während Herr Kurtz von seinem Aufgabenbereich als Leiter des Ordnungsamtes Köln Süd noch nicht losgelassen hat.
In der Folge Volles Haus ereignet sich vor den Augen von Werner Kurtz ein Notfall bei der Tafel, wo er ebenfalls ehrenamtlich arbeitet. Eine junge Mutter ist mit ihrer Tochter einkaufen, als die Mutter mit großen Schmerzen zusammenbricht und ins Krankenhaus gebracht werden muss. Der Vater des Kindes hat aus triftigen Gründen ein Kontaktverbot zu Pias Mutter, wie Anna und Werner später von einer Nachbarin der jungen Mutter erfahren werden. Pias Mutter bleibt keine Wahl, sie bittet Herrn Kurtz, auf ihre Tochter achtzugeben und so nimmt er die kleine Pia mangels Alternative mit in die Senioren-WG. Er weiß natürlich aufgrund seiner früheren Tätigkeit, dass das nicht rechtens ist, aber er handelt nach seinem Herzen. Anna ist verblüfft und gleichzeitig entzückt über ihren Mitbewohner, das hätte sie ihm gar nicht zugetraut. Die beiden kümmern sich rührend als Ersatzgroßeltern um das Mädchen, die kleine Pia fühlt sich geborgen. Das Krankenhaus hat indes den Kindsvater informiert und dieser rückt natürlich auch gleich mit Schützenhilfe an. Die Sozialarbeiterin hat zwar Verständnis für die beiden Ersatzgroßeltern, glaubt allerdings dem Vater, der die Polizei eingeschaltet hat, dass er sein Alkoholproblem im Griff hat und sich auch regelmäßig bei den Anonymen Alkoholikern blicken lässt. Das Mädchen wird Anna und Werner daher abgenommen, das Kind kommt in die Obhut des Vaters. Das kann vor allem Anna nicht ertragen und sie heftet sich auf die Spur des Vaters. Tatsächlich findet sie heraus, dass dieser nach seinen Gruppengesprächen in einem Lokal ordentlich zecht, während seine kleine Tochter allein zuhause ist. Sofort informiert sie die Sozialarbeiterin, die Anna glaubt, gemeinsam stellen sie den betrunkenen Vater im Lokal. Da Pias Mutter inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen ist, kann sie sich wieder um ihre Tochter kümmern.
Mir gefällt, dass diese Serie rund um Anna Welsendorf und Werner Kurtz ein Plädoyer für Zivilcourage ist. Es gibt erfreulicherweise immer wieder Menschen, die nicht wegschauen, wenn Dinge nicht im Lot sind oder etwas ganz verkehrt läuft. Manchmal riskieren sie sogar einiges dafür, um anderen zu helfen.
Ich halte es für meine Menschenpflicht, Menschen, die in Not geraten, auf unterschiedliche Art und Weise zu helfen. Ich hatte dafür in meiner Vergangenheit schon viele Gelegenheiten, vor allem, wenn ich in der Stadt unterwegs war.
Auch erinnere ich mich lebhaft an meine Jahre, als ich in der Kinderbetreuung tätig war. Meine erste Chefin war groß darin, gerade Mütter, die keine Angehörigen hatten, mit liebevoller Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen, nämlich, wenn diese nicht mehr in unsere Dienstzeit fiel. Das durfte natürlich nicht nach draußen dringen und war stets mit Risiken verbunden. Es ist immer gutgegangen und für so manche ratlose Mutter war es ein großer Segen, dass völlig selbstlos geholfen wurde.
Hier setzt allerdings auch meine Kritik an: Ich kann einerseits gut verstehen, dass sich viele Menschen in ihrer Freizeit oder in ihrem Ruhestand ehrenamtlich betätigen, dazu gibt es ja auch reichlich Gelegenheit. Ich sehe es allerdings sehr kritisch, wenn der Staat Ehrenamtliche ausnützt.
Vorsicht! Was nicht bezahlt wird, erscheint vielen auch nicht als Arbeit.
Natürlich, Menschen arbeiten freiwillig ehrenamtlich - und doch kann es nicht sein, dass ein Staat, der einen Rechtsauftrag hat, diesem nicht ausreichend nachkommt. Wir sehen dies gerade in der Kinderbetreuung, in der Altenpflege, in der Betreuung von Menschen mit Behinderung, bei der Betreuung von Flüchtlingen, etc. Es werden diverse Hilfsaktionen ins Leben gerufen, weil der Staat nicht mehr ausreichend Mittel zur Verfügung stellt, um Menschen in unterschiedlichen (Not-)Situationen zu helfen. Die Ausrede, keine Mittel zur Verfügung stellen zu können, ist längst politische Gepflogenheit und muss dringend hinterfragt werden: Ich bin der Meinung, dass Steuergelder teilweise für Investitionen herangezogen werden, die nicht dem Gemeinwohl dienen, aber Prestigeprojekte für Politiker*innen sind. Eine direkte Bürger*innenbeteiligung würde ich bei vielen Entscheidungen begrüßen, vor allem auf der Gemeindeebene. Der Staat ist verpflichtet, für seine Bürger*innen zu sorgen und Steuergelder im Sinne dieser zu verwenden. Es sollte uns nicht egal sein, wenn unsere Steuern in fragwürdige Projekte fließen, statt das Gemeinwohl zu sichern.
Foto: Pixabay, Cheryl Holt



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