Der Leibarzt und seine Königin


Der Besuch des Leibarztes, so lautet der Buchtitel eines Romans von Per Olov Enquist, schwedischer Autor und Journalist.
Der Roman ist der historisch verbürgten Liebesaffäre der dänischen Königin Caroline Mathilde (1751 - 1775, dem Haus Hannover entstammend), Gemahlin des dänischen Regenten Christian VII. (1749 - 1808),
mit ihrem Leibarzt Johann Friedrich Struensee (1737 - 1772) gewidmet.
Geschichten aus Adelshäusern folge ich mit regem Interesse, vor allem, wenn sie sich als historisch interessanter Stoff erweisen, worauf in diesem Fall Autor Per Olov Enquist für seinen Roman so gekonnt zugegriffen hat.
Unbestritten ist, dass die arrangierte Ehe zwischen Christian und seiner Cousine Caroline Mathilde unglücklich war. Christian kann kein traumhafter Prinz gewesen sein, was ganz gewiss seiner traumatisierenden Kindheit geschuldet war. Die beiden wurden am 8. November 1766 nach einer zweijährigen Verlobungszeit verheiratet.
Christian war keine drei Jahre alt, als seine Mutter verstarb. Ein Jahr später heiratete der Vater wieder, es gilt als gesichert, dass er das Interesse an seinem Erben Christian früh verlor. Die brutale Erziehung des jungen Thronfolgers überließ der König dem Grafen Reventlow, der in dem sensiblen, aber sehr intelligenten Jungen kein Interesse für die Regierungsgeschäfte wecken wollte. Dies geschah in der frühen Absicht, den zukünftigen König für das Regieren unfähig zu machen. Christian war ohnehin lieber in Gesellschaft seines zwielichtigen Freundes Conrad Holck, der später am Königshof als engster Vertrauter Christians galt und dort seine Intrigen spann. Unter anderem sorgte er dafür, dass sich Christian für seine junge Frau nicht näher interessierte. Christians sonderbares soziales Gebaren blieb natürlich nicht unbemerkt, Fachleute vermuten entweder Schizophrenie oder das Asperger-Syndrom.
Christian VII. wurde knapp vor seinem siebzehnten Geburtstag im Jänner 1766 gekrönt.
Im Mai 1768 trat der junge Monarch eine Europareise an, bei der ihn sein Gefolge begleitete, auch, um ihn zu bewachen. Unter seinen Begleitern befand sich der adelige Armenarzt Johann Friedrich Struensee, den Conrad Holck als Leibarzt für Christian ausgewählt hatte. Struensee war politisch den Aufklärern zuzuordnen, was ihn 1772 letztendlich sein Leben kosten sollte.
Im November 1766 traten Christians Gesundheitsprobleme so gravierend zutage, dass er mehrere Tage unter Struensees Obhut in seinem Zimmer blieb. Auf dieser langen Reise, die erst Anfang 1769 wieder in Christians Herrschaftsgebiet zurückführte, erlangte der Arzt das Vertrauen des jungen Königs.
Inzwischen war die junge und einsame Königin Caroline Mathilde, die im Jänner 1768 mit Friedrich das einzige eheliche Kind geboren hatte, an einer schweren Depression erkrankt, was auch am strengen Hofzeremoniell lag. Struensee wurde 1770 offiziell zum Leibarzt des Königs ernannt. Caroline Mathilde begegnete dem Arzt zunächst mit Misstrauen, fasste aber, nachdem er auch ihre Depression behandelte, Vertrauen zu ihm.
Nach und nach konnte Struensee den jungen König für liberale Reformen begeistern, was dazu führte, dass die Regierung sukzessive umgebildet wurde. Struensee hatte ab diesem Zeitpunkt mit mächtigen Gegnern zu rechnen, unter anderem in Person der nach Herrschaft strebenden Stiefmutter des Köngis, Juliane Marie.
Dem Leibarzt gelang es, von Christian eine Generalvollmacht zu erhalten, die es ihm ermöglichte, anstelle des Königs zu handeln und zu unterschreiben, was tatsächlich seine Alleinherrschaft begründete. Seine Gesetze wie die zur Presse- und Meinungsfreiheit, zur Abschaffung der Folter und der Kirchenbuße formten Dänemark zum modernsten Staat dieser Zeit, was ihm das dänische Volk allerdings nicht dankte.
Der jungen Königin empfahl er einen gesünderen Lebensstil, der auch Aufenthalte in der Natur bedeutete. Von Christian erhielt er den Auftrag, sich der Königin anzunehmen. Soweit die historischen Fakten.
Der Roman überzeugt durch Sachlichkeit und fundierte Recherche und doch ist es eine sehr gut formulierte Erzählung einer großen Liebesgeschichte sowie über Macht und Politik.
Im Juli 1771 bringt Caroline Mathilde ihre Tochter Louise Auguste zur Welt, deren Vater jedoch Struensee ist. Von Christian VII. wird das Mädchen als leibliche Tochter anerkannt. Struensee ist der Freund beider Eheleute, er genießt ihren Respekt und ihr Vertrauen.
Per Olov Enquist gelingt es überzeugend, Gedanken und Überlegungen der Hauptfiguren einzubringen, er beschreibt ihre innersten Beweggründe, auch damit wird das Buch lesenswert. Wer sich für historische Fakten, sehr gut dargebracht und formuliert, interessiert und keinen reinen Liebesroman erwartet, für den ergeben sich spannende Lesestunden.
Bild: mit Unterstützung von KI erstellt #Buchtipps



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