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Auf den Schwingen des Lebens

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 54 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit


Ich lese im Moment ein Buch, dessen Inhalt mich sehr beschäftigt. Dieses Buch ist mir zufällig in die Hände gefallen, ich habe nicht danach gesucht.

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden

Nach mehreren Jahren als Bankangestellte führt die Autorin Bronnie Ware ein wechselvolles und reisefreudiges Leben, finanziert über einige Jahre mit Jobs, die sie eher zufällig findet, bis sie sich auf die Suche nach dem begibt, was ihrem Leben Sinn verleiht.

Eine Jobanzeige führt Bronnie fern ihrer Heimat Australien zu einer alten Dame, die sie in ihrem Buch Agnes nennt. Mit pflegerischen Aufgaben war Bronnie noch nie betraut, doch sie lässt sich darauf ein und lernt bei ihrem Tun, das sie mit Freude und Liebe ausführt, was wichtig ist für einen sterbenden Menschen. Das ist der Beginn ihrer sehr verantwortungsvollen wie auch schönen Aufgabe, sterbenden Menschen eine gute Pflege und eine liebevolle Begleitung bis zu ihrem Lebensende zu ermöglichen. Darüber bloggt sie schließlich auch - und Bronnie wird völlig überrascht von der Flut an Reaktionen aus der gesamten Welt. Aufgrund so vieler Rückmeldungen beschließt sie, dieses Thema weiter auszuarbeiten. Schon oft hat sie sich mit dem Gedanken getragen, ein Buch zu schreiben. Diesen Gedanken führt sie konsequent zu Ende und so entsteht ihr äußerst erfolgreiches Buch. Die Autorin schreibt auch darüber, wie das Leben sie führt, wie sie sich auf diese Führung einlässt. Ich weiß bereits jetzt schon, dass ich noch viel Inspirierendes und Essenzielles darin lesen werde. Meine Seelentür ist offen für wichtige Erkenntnisse, die sicherlich nicht neu sein werden. Und doch könnten sie noch mehr Gewicht bekommen, wenn sie von Menschen aufgezeigt werden, die nichts mehr verändern können, weil sie ihr Leben nämlich bereits gelebt haben. Ich möchte jetzt, motiviert von den Erfahrungen der alten Menschen, offen sein für Veränderungen, die meiner Flugbahn dienlich sind.


Dem Leben und seiner Führung vertrauen, ein spezielles und sehr wichtiges Thema für mich. Vor etwas mehr als zwanzig Jahren, als ich mich beruflich rundum wohlfühlte und in einem sehr liebevollen Team gut angekommen war, konnte ich mich auf diese Führung durch das Leben sehr gut einlassen. In meinem bisherigen Dasein gab es keine bessere berufliche Zeit als damals. Ich fühlte mich vom Leben bestens begleitet und reich beschenkt. Ich hatte nach einer ernsthaften gesundheitlichen Krise, die mich ein Jahr lang von meinem Berufsleben fernhielt, zum ersten Mal das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ich konnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen, als mit Kindern zu arbeiten und sie ein Stück ihres Weges zu begleiten. Natürlich gab es auch viele Herausforderungen für uns als Menschen und als Team, aber gemeinsam haben wir diese immer sehr gut bewältigt. Und trotz aller Mühen und vieler anstrengender Momente fühlte ich mich nach so einem Arbeitstag immer hellwach und war in der Lage, meine Freizeit meinen Hobbys zu widmen.

Vor dieser Zeit war ich mit viel Engagement im administrativen Bereich für einige Unternehmen tätig. Auch dafür hatte ich zunächst meine Leidenschaft entdeckt, allerdings sollten sich schon in den ersten Berufsjahren erste gesundheitliche Probleme zeigen. Stress hat meinem empfindsamen Magen schon damals geschadet, wie Untersuchungen belegt haben. Dennoch lebte ich ganz nach dem Motto Nur ja keine Schwächen zeigen - geht nicht gibt's nicht. Dass der Beruf ganz wichtig ist, auch wichtiger als ein glückliches Familienleben, das habe ich früh an meinem Vater beobachtet. Seine Meinung ist allerdings nie zu meiner Überzeugung geworden, wenngleich ich davon geprägt bin. Er, "der einfache Bauernbub" (wie er selbst meinte), war sehr ehrgeizig und hat beruflich einiges erreicht, sodass wir finanziell ein sorgloses Leben führen konnten.

In meiner Kindheit war es oft Thema, dass Fleiß und Ehrgeiz wichtig sind, Stichwort Schule. Auch sollten wir für den Ernst des Lebens (das klang unheilvoll) vorbereitet werden, auch so eine prägende Aussage in dieser Zeit. Ich habe früh gelernt, zu funktionieren. Wichtig war, vor allem den Vater zufriedenzustellen, denn was schulische Erfolge betraf, war er der strengere Elternteil. Vor allem auf Mathematik legte er Wert, eine meiner Schwächen. Also gab es viele Nachhilfestunden - was allerdings nur geringe Erfolge einbrachte. Immerhin, eine sogenannte "Ehrenrunde" in der Schule musste ich deshalb nicht drehen.

An ein Aufgeben des Gymnasiums war nicht zu denken, obwohl ich mir das sehr oft gewünscht habe. Doch irgendwie habe ich es geschafft, nach regulären acht Jahren mein Maturazeugnis in Händen zu halten. Die Fächer, in denen ich sehr gute Leistungen abrufen konnte, waren sehr erfolgreich geschafft, in Mathematik und Latein hatte ich mit Ach und Krach bestanden. Ich war nur erleichtert, endlich ins Erwachsenendasein eintauchen zu können. Ich träumte davon, die elterliche Wohnung ehestmöglich zu verlassen und das gelang mir auch in angemessener Zeit, denn ich hatte einen Job, mit dem ich eine eigene kleine Wohnung finanzieren konnte. Diese Unabhängigkeit, die war mir äußerst wichtig, nur weg aus einem freudlosen Elternhaus. Und so prägt mein bisheriges Leben auch, dass ich Leistung bringen muss - letztendlich nehme ich dabei nicht ausreichend Rücksicht auf meine Gesundheit, was bislang üble Konsequenzen hatte.


Nach einigen gesundheitlichen Zäsuren in meinem Leben bin ich seit zwei Monaten dabei, meine berufliche Reha in Anspruch zu nehmen. Ich habe mich im Vorfeld dazu entschieden, wieder Erfahrungen im Büro sammeln zu wollen. Nach mehreren Wochen, in denen ich versucht habe, mich in diesem Bereich einzufinden, fällt immer schwerer ins Gewicht, dass mir ein in vielen Firmen so häufig eingesetztes Programm für das Rechnungswesen große Probleme bereitet. Es gibt so vieles zu beachten, dort ein Sonderfall, da ein anderer. Niemand setzt mich von außen unter Druck - aber in mir drinnen brodelt die Ungeduld mit mir selbst, nagt das schlechte Gewissen, immer wieder nachfragen zu müssen, nicht effizient zu arbeiten und zu wenig zu begreifen. Minderwertigkeitsgefühle, wie auch schambehaftete Verzweiflung, Traurigkeit und auch Wut auf meine Begriffsstutzigkeit beschwerten meine vergangenen Tage.

Heute ist einfach mal alles aus mir herausgebrochen - Tränen; auch Fragezeichen habe ich formuliert. Und dabei flüstert mir bereits meine innere Stimme zu, dass dieser Weg, zurück ins Büroleben, vielleicht nicht der ist, der mich erfüllen wird.


So gerne möchte ich wieder mit Leichtigkeit durchs Leben fliegen, mich nicht ausgebremst fühlen von Versagensängsten und einem unerträglichen Druck, den ich mir selbst auferlege.

Ich möchte nicht am Ende meines Lebens bereuen, dass ich falsche berufliche Wege eingeschlagen habe und nicht einsichtig genug war, auf den Strahl meiner Taschenlampe zu achten. Ich kenne meine Stärken, genauso wie ich weiß, worin meine Schwächen liegen. Ich empfinde Schwächen nicht grundsätzlich als Makel, aber sie bringen mich dann zum Bersten, wenn ich das Gefühl habe, mich für einen beruflichen Bereich zu verbiegen, der eventuell gar nicht mehr zu mir passt.

Ich interessiere mich nun für eine Potenzialanalyse mit anschließender kompetenter Berufsberatung. Es gibt viele neue Berufsfelder, die ich möglicherweise noch nicht (ausreichend) kenne. Ich möchte die Chance ergreifen, neue Perspektiven zu finden.


Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren,

Und wer einmal den Menschen in sich begriffen, der begreift alle Menschen.

(Stefan Zweig)


Foto: C* beinahe jeden Tag gehe ich an diesem schönen Bild vorbei ...

 
 
 

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