Alles Walzer!
- C*

- vor 2 Stunden
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Faschingszeit - manche feiern diese Zeit als fünfte Jahreszeit. Ich gehöre nicht dazu, ich war nie ein Faschingsmensch, freue mich aber für jede*n, die*der daran Gefallen findet. In Österreich gibt es einige Hochburgen des Faschingstreibens und auch im Fernsehen kommt der Fasching nicht zu kurz, allerdings - das gefällt nicht jedem.
Doch die Faschingszeit ist nicht nur die Zeit der Närrinnen und Narren, sondern auch eine Zeit der Ballveranstaltungen.
In Wien laufen die Vorbereitungen für den diesjährig am 12. Februar stattfindenden Opernball auf Hochtouren. Es ist dies eine Veranstaltung, die gesetzlich festgeschrieben ist, der Opernball muss also abgehalten werden.
Die Wiener Staatsoper, die Wiener Volksoper, das Burg- und das Akademietheater gelten als die repräsentativen Bühnen der Republik Österreich und spielen eine wesentliche Rolle innerhalb des österreichischen Kulturlebens. Das gilt auch für den Opernball, der von vielen Künstler*innen getragen wird.
Es gibt einige Veranstaltungen in jedem Jahr, die Österreich weltweit viele Berichterstattungen bescheren, der Opernball gehört da gewiss dazu, so wie auch das alljährliche Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein. Eine Führung durch die Staatsoper kann ich übrigens nur empfehlen, wichtig ist, sich die Karten dafür rechtzeitig zu sichern.
Ein Frack für den Herrn und ein langes Abendkleid für die Dame gehören zum strengen Dresscode; ebenso, wie es sich für den Mann von Welt geziemt, die Orden zu polieren und korrekt anzubringen. Eine Armbanduhr zu tragen, gilt als unschicklich, einzig eine noble Taschenuhr gilt als akzeptabel.
In den letzten Jahren wurden manche Abendkleider immer fantasievoller, auch das Wort lang wird inzwischen großzügiger ausgelegt - was bei manchen Menschen in der Oper oder vor dem Fernseher zu Schnappatmung führen könnte. Wenn ein weiblicher Busen gar aus einem Kleid hervorquillt, wird dieses Malheur genüsslich in den Medien breitgetreten.
Wie jedes Jahr werde ich der Übertragung im Fernsehen live folgen. Ein Highlight jeder Übertragung sind die Künstler*innen, die die Eröffnung des Balls mit ihrem feierlichen Gesang unterstützen.
Für so manche Opernball-Fans ist diese die Frage aller Fragen: Welche Promis werden erwartet? Als unser Lieblings-Baumeister, Richard "Mörtel" Lugner, noch lebte, wurde schon Wochen vorher eifrig hinterfragt, wer wohl sein Logengast sein würde. Manchmal haben ihn seine Gäste sicherlich viele Nerven gekostet, das hat man ihm auch angesehen - allen voran sicherlich Grace Jones, die sich einst - ich drücke es vorsichtig aus - nicht gerade ladylike verhielt. Wie sie in einem Interview glaubhaft versichern konnte, leistete sie sich am Opernball des Jahres 1996 ein sehr öffentliches und vernehmbares amouröses Abenteuer in einer Logenecke. Ihren körperlichen Einsatz möchte ich als verwegen bezeichnen, sicherlich hat ihr Vergnügen für Entsetzen in der feineren Gesellschaft gesorgt.
Die Dokumentationen im Vorfeld dieses gesellschaftlichen Highlights geizen nicht mit Offenbarungen weiterer Skandale. Manche Interviews aus früheren Jahren werden so gut wie jedes Jahr wiederholt - und ich finde sie immer noch witzig. Mein Lieblingsbeitrag dazu ist das tatsächlich legendäre Interview (empfohlener Link) aus dem Jahr 1972 mit Bruno Kreisky, unserem langjährigen früheren Bundeskanzler, der bekannt dafür war, dass er sein Tanzbein gar nicht gern in Schwung brachte - vielmehr, er war meistens auf der Flucht vor tanzwütigen Damen.
Da wage ich an dieser Stelle ein Outing: Auch ich habe es immer vermieden, auf Bällen einen Paartanz zu wagen, einzige Ausnahme: Mein Debütantenball
Dazu sei vermerkt: Meine Tanzschulzeit war nicht gerade von tänzerischen Erfolgen gekrönt, mir fiel es immer schwer, mir Schrittfolgen zu merken. Mit meinen Tanzpartnern hatte ich Mitleid, denn ich war ganz gewiss absolut talentfrei. Es war in meiner Jugend durchaus üblich, mit etwa siebzehn Jahren eine Tanzschule zu besuchen, auch in Vorbereitung auf den Maturaball. Da musste ich also durch. Schon in der Tanzschule war es mir allerdings viel wichtiger, mich gut auf der verbalen Ebene zu unterhalten und nett war es auch, fesche Burschen kennenzulernen.
Viele Bälle waren es ja bisher nicht, die ich besucht habe. Wenn ich sie nicht vermeiden konnte, habe ich sie lieber genützt, um mich bestens zu unterhalten oder in der Disco zu meinen Lieblingssongs zu rocken. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es dafür kein feines Ballkleid gebraucht hätte ...
Foto: C*, vor der Wiener Staatsoper, übertragen wurde das Neujahrskonzert



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