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Toxisches Arbeitsumfeld



(Bild: Grae Dickason, Pixabay.com)



Gewalt hat viele Gesichter -


Mobbing ist nur eines dieser vielen Gesichter. Und genau diesem Kapitel möchte ich mich in diesem Beitrag erneut mit sehr persönlicher Aussagekraft widmen.


Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass es vielen Menschen nicht einmal bewusst ist, welche Handlungsweisen bereits als Mobbing eingeordnet werden können.

Mobbing hat mehrere Abteilungen, wo ich reiche Erkenntnisse gesammelt habe, ist Mobbing im Beruf. Daher beziehen sich meine Schilderungen und Einblicke auf Berufliches.

Mein persönlicher Erfahrungswert zeigt, wie Mobbing und Bossing Ausdruck dafür sein können, dass derart Agierende einzig die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellen. Bei eingehender Betrachtung ist jedoch letztendlich mit geschultem Auge zu erkennen, dass "mobbendes" oder "bossendes" Verhalten definitiv keinesfalls Stärke zeigt, sondern viel mehr Angst und Schwäche!


So ist auffällig, dass häufig gezielt mit abwertender Sprache gearbeitet wird, um einen unliebsamen Konkurrenten aus dem (gesundheitlichen) Gleichgewicht zu bringen. Besonders gern bedient sich der Mob jener Vorgangsweise, dass - und man bedenke: in der Vergangenheit wurden sie durchaus positiv hervorgehoben - Stärken des Opfers zu angeblichen Schwächen umgedreht werden:

Wer gerne sorgfältig arbeitet, gilt auf einmal als "zu perfektionistisch" - obwohl er / sie zuvor lange für seine Sorgfalt anerkannt war, wenn diese Eigenschaft den KollegInnen und Chefitäten dienlich war.

Wer sich bescheiden im Hintergrund hält und lieber arbeitet, als sich an Klatsch & Tratsch zu beteiligen, wird auf einmal zum "Sonderling" oder "Mauerblümchen" abgestempelt - obwohl er / sie einst genau für diese Zurückhaltung hochangesehen war bei den KollegInnen und den Chefitäten.

Ein Beispiel, das ein besonders perfides Verhalten aufzeigt, ist, einem Menschen, der sich im Umgang mit Menschen feinfühlig verhält, auf einmal vorzuhalten, dieser sei "zu sensibel", wenn es beispielsweise um Kritik geht. Mit Kritik kann auch ein besonders sensibler Mensch gut umgehen, wenn sie auf der sachlichen Ebene formuliert wird. Womit dieser Mensch nicht umgehen kann, sind Ungerechtigkeiten.

Meistens werden solche Eigenschaften aufs Korn genommen, die durchaus ein Manko bei jener Person darstellen, welche das bewusste oder unbewusste Bedürfnis hat, seinen Frust (mobbende Menschen sind tatsächlich häufig sehr frustrierte und unerfüllte Menschen) an seinem Opfer abarbeiten zu wollen. Und natürlich wird auch häufig der Beisatz angefügt, dass man das Gesagte "eh nicht bös meine" - das setzt der schadenswilligen Bosheit all der eindeutigen Handlungen die Krone auf! Kann man tat.sächlich (zer)störend tätig werden, ohne es zu merken?


Wo Mobbing eine Chance hat, zeigt sich in meiner Erfahrung immer auch eklatante Führungsschwäche - im Vernachlässigen von klaren Strukturen und leider auch in fehlender Vorbildfunktion!

Ist in einer Gruppe erst einmal ein gemeinsames Feindbild gefunden, kann man häufig eine Art "kollektive Ekstase" beobachten, wenn es darum geht, jede noch so kleine Handlung eines zum Feindbild auserkorenen Menschen zu kommentieren. Dabei kommt bei den Handelnden für gewöhnlich auch kein Unrechtsbewusstsein auf, wenn es darum geht, zu allem und jedem seinen Senf zu drücken. Hinter verschlossenen Türen ebenso wie oft ziemlich ungeniert neben der Person, die mit soviel Gehässigkeit bedacht wird.

In herablassenden Worten wird der Gemobbte dargestellt, als hätte er unzählige Deformierungen in seinem Denken und Handeln. Dabei versteht es sich von selbst, dass sich die Mobbenden als Maß aller Dinge erleben!

Wenn ich es nicht besser wüsste, ich müsste meinen: Größenwahn! Doch dieser ist nur das Kostüm über Unsicherheiten, oft alten Verletzungen (auch im Privatleben), die soziale Schwächen und auch unsoziale Auswüchse mit sich bringen.

Wer mobbt, kaschiert Ängste und Unsicherheiten, hat ein (ungesundes!) Konkurrenzwesen entdeckt und fühlt sich immer im Recht! In seinen Fokus geraten oft und gerne jene, die früher (oft auch in ungesundem Maße!) für Haltungen, Werte oder auch Arbeitsweisen bewundert wurden. Was einst bewundert wurde, wird also vom Sockel gestoßen!


Ich wage zu behaupten: Das Gros der Menschheit lässt sich von einer Art "geistlosem Zeitgeist" geißeln. Mit nicht reflektierenwollendem Kopf und gebrochenem Rückgrat lässt es sich eben ganz leicht zustimmen - in der Regel dem Unrecht!

Und genau darin liegt auch ein wesentlicher Knackpunkt in einer Gruppe, in der es zu Mobbing kommt: Nicht immer agieren Mobber aktiv, indem sie sich an Kränkendem direkt verbal oder tatenreich beteiligen! Es liefert nicht jeder einen aktiven Teil zu Mobbing; es gibt auch Personen, die sich nicht zwischen die Fronten einspannen lassen möchten, in der Meinung, wenn sie nur den Mund halten würden, könnten sie keinen Schaden anrichten. Das kann ich so allerdings ganz entschieden nicht stehen lassen, denn die Erfahrung zeigt, dass Schweigen gerne als Zustimmung gewertet wird und zwar von jenen, die sich schädigend verhalten! Wer also schweigt, macht sich jedenfalls mitverantwortlich!

Wer sich an Mobbing nicht beteiligen möchte, der zeige dies also mit klaren Worten und mit aufrechter Haltung. Und die Gelegenheit dazu gibt es immer!


Ich habe dies für mich auch herausgefunden: Viele Schwierigkeiten im berufichen Miteinander waren vor unserer Gegenwart, wie wir sie derzeit erleben (eine scheinbar unendlich über unseren Leben kreisende Epidemie), noch nicht entlarvt, aber sie waren dennoch schon vorhanden. Jetzt blähen sie eben den Teppich empor, unter den sie so lange gekehrt wurden.

Ich orte eine zunehmende Faszination dafür, den Aktionsradius der eigenen menschenschädigenden Handlungen wieder auszudehnen: Für viele ist Mobbing längst gesellschaftsfähig!


Wir alle haben unterschiedliche Sorgen und Bedürfnisse. Was ich erlebe, ist tatsächlich oft ein verbaler Wettkampf darum, wer die meisten Sorgen hat. Dieser Wettkampf macht mich besonders aufmerksam: Hier herrschen für mich sinnlose Konkurrenzstrukturen. Es entsteht einfach nichts Gutes daraus. Oft zeigt sich dieser fatale Wettkampf auch quer durch Freundschaften oder Familien. Dabei wäre einzig wichtig, unsere Sorgen und Ängste gegenseitig ernst zu nehmen.

Aufeinander zu achten kann allerdings in letzter Konsequenz auch bedeuten, auch klar dazu zu stehen, wenn Bedürfnisse nicht mehr vereinbar sind. So bleiben gegenseitiger Respekt und die Würde des Einzelnen auch dann gewahrt, wenn es zu einer Trennung kommt.

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