Zum 90. Geburtstag


Ein ehemaliger Musikkollege meines Partners feierte vor kurzem seinen 90. Geburtstag. Es ist üblich, dass an runden Geburtstagen eine musikalische Abordnung die Jubilare hochleben lässt. So geschehen auch bei diesem älteren Herrn, dem Max.
Bevor der Liebste zum musikalischen Einsatz aufbrach, erzählte er mir eine Begebenheit, die vor ungefähr zwanzig Jahren anzusiedeln ist. Damals gab es ebenfalls eine musikalische Ausrückung, da war der Jubilar auch zugegen.
Nachdem der musikalische Teil bestritten war, nahm Max neben meinem Liebsten Platz und zückte verschmitzt eine langhaarige Perücke, die Schwupps auf seinem Kopf saß.
Schau, Peda, heit trog' i a longe Hoar.
Wie es so üblich ist, wird nach Auftritten gegessen und getrunken, manchmal auch durchaus kräftig getrunken. (Ich war selbst bei einigen Festen dabei, da geht es rund. Wenn die Musikant*innen besonders gut gelaunt sind, kann es durchaus auf den Tischen auch zu akrobatischen Einlagen kommen, die nicht ganz ungefährlich sind.)
Der Peter hielt sich an diesem Tag allerdings nicht allzu lange mit Feiern auf und fuhr recht zeitig am Nachmittag heimwärts.
Der Max allerdings, der saß lange, und so verging wohl Stunde um Stunde und er sprach recht kräftig dem Alkohol zu. Zu guter Letzt saß der Max nicht mehr bei Tisch, sondern ging ziemlich ermattet und volltrunken zu Boden, was - das ist keine große Überraschung - unter den Anwesenden nicht unentdeckt blieb.
Während der nächsten Tage war die sonst sehr umgängliche Mutter meines Partners gar nicht gut auf ihren Sohn zu sprechen. Das war diesem wiederum überhaupt nicht geheuer, er konnte keine Erklärung dafür finden - endlich rückte die Mama mit der Sprache heraus: Die Leute im Dorf würden sich erzählen, es sei ein langhaariger Mann betrunken herumgelegen.
Da ging dem Peter ein Licht auf, es lief doch glatt eine Dorftratscherei eindeutig aus dem Ruder - es gelang ihm mit Müh und Not, der Mutter klarzumachen, dass eine bloße Verwechslung zu ihrer Verstimmung beigetragen hatte.
Der neunzigjährige Jubilar, der geistig noch sehr fit ist, war sichtlich gerührt über den musikalischen Auftritt seiner ehemaligen Musikkolleg*innen - und begrüßte den Peter mit den Worten: Peda, heit hob i meine longen Hoar ned dabei.
Es gibt viele Begebenheiten aus einem reichen Musikerleben zu erzählen - Geschichten, denen ich mit viel Interesse und Erheiterung lausche, diese ist eine davon.
Ich habe Verständnis dafür, dass gerade an den Wochenenden zu bestimmten Zeiten immer wieder zu musizieren ist, was für uns jedoch bedeutet, dass wir uns in diesen Fällen nicht sehen. Ein Vereinsleben, das besonders in Dörfern noch eine große Rolle spielt, bedeutet eben auch Verpflichtungen - ein Grund, warum ich keiner Gruppe, die sich regelmäßig trifft, angehöre. Ich möchte mich zu Zusammenkünften nicht verpflichtet fühlen.
Bild: mit Unterstützung von KI erstellt



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